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Was Jungwähler von Landtagskandidaten wissen wollen / Diskussion im Kirchenzentrum

"Kann man die ,Nationale Offensive Schaumburg' denn nicht verbieten?"

Luhden (sig). Sie saßen nebeneinander auf einem Sofa, nicht getrennt wie bei einem Podium, aber die Fronten waren geklärt: Rechts von der Moderatorin saßen Paul-Egon Mense (FDP) und Dr. Joachim Runkel (CDU), links Heiner Bartling (SPD) und Ursula Helmhold (Bündnis 90/Die Grünen). Die Mitte wurde besetzt von BirteKasper von der Landesjugendkammer. Sie stand bei der Moderation Landesjugendpastor Lutz Gräber zur Seite.

veröffentlicht am 16.01.2008 um 00:00 Uhr

Sie wollen vor der Landtagswahl wissen, wohin die Reise geht: Ju

Die vier Schaumburger Direktkandidaten stellten sich jetzt auf Einladung der Landesjugendkammer der Landeskirche Schaumburg-Lippe und des Luhdener Pfarramtes den Fragen der Jungwähler. Was aber bewegt junge Menschen? Schnell wurde in Luhden deutlich: Wie sich eine künftige Regierungsmehrheit in Niedersachsen zusammensetzt, ist den meisten egal. Anerkennung finden die Politiker bei der Jugend nur, wenn sie sich ihrer Probleme annehmen und nach der Wahl auch halten, was sie vorher versprochen haben. Die Moderatoren waren gut vorbereitet. Sie ließen sich nicht von einem Kamerateam des NDR stören, das Ursula Helmhold als Spitzenkandidatin ihrer Partei begleitet. Moderatorin Birte Kasper fragte Runkel: "Wofür sind Sie - für mehr Prävention oder verschärfte Bestrafung?" Der CDU-Kandidat: "Prävention ist wichtig. Manche Eltern sind mit der Erziehung aber überfordert. Wir müssen deshalb schon im Kindergarten mit der Prävention beginnen, auch mit der Sprachförderung der ausländischen Kinder. Für Gewalttäter ist ein Schuss vor den Bug unerlässlich. Dazu müssen die Gesetze nicht geändert, aber angewendet werden." Bartling (SPD): "Ich wundere michüber die Forderung nach härteren Strafen, die Wulf, Schünemann und Koch losgetreten haben. Der Warnschuss ist ein dümmliches Wort. Wir haben für Niedersachsen 140 zusätzliche Richterstellen beantragt, damit schnellere Urteile gesprochen werden. Das ist uns leider abgelehnt worden." Helmhold: "Dass die Vorwürfe wegen krimineller Jugendstraftaten in erster Linie auf Ausländer zielen, ist falsch. Sie sind bei den unter 25-Jährigen nur zu 33 Prozent beteiligt. Wir haben es hier mit einem generellen Problem zu tun, das wir in den Griff bekommen müssen. Mann kann aber Jugendliche nicht in Länder abschieben, die sie vorher nicht gesehen haben, da sie hier aufgewachsen sind." Mense (FDP): "Wir müssen das vorhandene Strafmaß besser ausschöpfen. Es darf nicht nur Bewährungsstrafen geben. Das hält die Mehrfachtäter nicht von ihrem Tun ab. In Baden-Württemberg dauert es bis zur Verurteilung nur drei Wochen. Das ist der richtige Weg." Runkel (CDU), zu Bartling und Helmhold gewandt: "Ichhalte es für unerträglich, dass Sie uns in die Nähe von Ausländerfeindlichkeit rücken. Das weise ich mit aller Schärfe zurück!" Ein Jugendlicher ließ die TV-Kamera ausschalten, weil er sich keinen schwerwiegenden Folgen aussetzen wollte. Seine Frage lautete: "Kann man die Nationale Offensive Schaumburg nicht endlich verbieten oder wenigstens den skandalösen Internetauftritt stoppen? Sie bedrohen ja unverhohlen Polizisten." Helmhold: "Ich war auf diesen Seiten und bin wütend. Ich bin sehr dafür, die NPD zu verbieten. Es kann nicht sein, dass wir sie noch durch Steuergelder finanzieren." Im Grunde waren sich alle Kandidaten einig, dass man die Unverbesserlichen am rechten Rand nicht ungehindert walten lassen kann. Wie man ihnen den Nährboden entzieht, das dürfte wohl weitgehend von einer höchstrichterlichen Entscheidung abhängen, wenn es die denn gibt... - Ausschnitte der Diskussion wird der NDR in zwei Wochen senden. Der Termin ist noch nicht bekannt. Siehe auch Bericht unten.

Auf einem Sofa vereint das Quartett der Landtagskandidaten (von
  • Auf einem Sofa vereint das Quartett der Landtagskandidaten (von links): Paul-Egon Mense, Dr. Joachim Runkel, Moderatorin Birte Kasper, Heiner Bartling und Ursula Helmhold. Fotos: sig

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