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Zu viele offene Fragen: Politik lehnt Nachschlag für das Vier-Millionen-Projekt vorerst ab

Kann das Museum nicht genauso gut sparen?

Hameln (ni). Die Verwaltung musste gestern Nachmittag eine Schlappe einstecken: Weil sie nicht plausibel darlegen konnte, warum die Modernisierung des Hamelner Museums plötzlich um 258 000 Euro teurer wird als ursprünglich geplant, hat die Politik den beantragten Nachschlag für das Vier-Millionen-Projekt vorerst verweigert.

veröffentlicht am 10.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.09.2009 um 11:14 Uhr

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„Die Ausstellung soll die nächsten 20, 30 Jahre stehen“, deshalb sei ein Standard von „gewisser Qualität“ gefordert, bemühte sich Museumsleiterin Dr. Gesa Snell, die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses von der Sinnhaftigkeit einer Aufstockung des Budgets um eine weitere Viertel Million Euro zu überzeugen. Eine Luxusausstattung habe man dabei keineswegs im Auge, sondern sei mit den jetzt neu kalkulierten Kosten „im unteren Mittelstandard angekommen“.

Wolfgang Meier von den Grünen gab sich damit nicht zufrieden, sondern erinnerte vielmehr an den Ratsbeschluss, mit dem die Politik am 31. März 2007 grünes Licht für den Umbau des Museums gegeben und dabei eine Ausgabenbremse eingebaut hatte: „Eine Kostenobergrenze für die bauliche Ertüchtigung der Gebäudesubstanz, die Modernisierung einschließlich der Erneuerung der Ausstellung von 4,0 Millionen Euro (Brutto) ist einzuhalten“, steht in dem Beschluss. Und „den, dachte ich, halten wir auch ein“, so Meier. Statt finanziell weiter draufzusatteln, empfahl er, „Prioritäten zu setzen und in der Ausstellung nur das zu zeigen, was sich von den vier Millionen auch finanzieren lässt“.

Und statt einfach nur mehr Geld zu fordern, hätte er als Alternative auch Vorschläge erwartet, an welcher Stelle gespart werden könnte, um mit dem bewilligten Budget auszukommen. Insgesamt sei ihm „unklar, um welche Kosten es sich eigentlich handelt“, und überhaupt hörten sich die Begründungen der Verwaltung „doch sehr vage“ nach Kostenschätzungen und nicht nach Kostenermittlungen an.

Ganz ähnlich argumentierte Walter Kinast. Nicht umsonst habe der Rat seinerzeit einen Kostendeckel auf das Projekt gesetzt. „Wenn es teurer wird, dann muss man nach Alternativen suchen, und die vermisse ich hier“, so der Christdemokrat an die Adresse von Museumsleiterin Dr. Gesa Snell. Dass Deckelungsbeschlüsse durchaus eingehalten werden können, habe sich ja bei den Schulmensen gezeigt. Kinasts Fraktionskollege Thorsten Sander präzisierte die Erwartung der CDU an die Verwaltung: Sie möge bitte „die Kosten detailliert darstellen, damit die Politik weiß, wie sie sich zusammensetzen“.

Auch die Bürgerliste sperrte sich gestern gegen die Bewilligung weiterer Mittel aus dem städtischen Haushalt. „Jeder Privatmann muss mit dem Kreditrahmen auskommen, den die Bank abgesteckt hat“, sagte Silvana Seiffert. Und müsse sich „Wünschenswertes“ eben verkneifen, wenn das Geld alle ist. Kostensteigerungen bei den Baumaßnahmen hätte Seiffert angesichts der Tatsache, dass die Kalkulation des Projektes vier Jahre zurückliegt und die Preise in diesem Bereich allgemein angezogen haben, noch nachvollziehen können, „aber darum geht es hier ja nicht“.

Worum es tatsächlich geht und warum die Verwaltung nicht in der Lage war, ihre Forderung nach mehr Geld für die Ausstellung mit konkreten Zahlen zu untermauern, blieb im Verlauf der Sitzung nebulös. Snell sprach von Zahlen, die sie öffentlich nicht nennen könne und der Erste Stadtrat Eckhard Koss von Informationen, die er den Fraktionen gern im vertraulichen Gespräch zur Verfügung stellen wolle. Ob die von Sander verlangte Aufschlüsselung der Kosten am Ende ein gut gehütetes Geheimnis bleibt oder auch die Bürger davon erfahren dürfen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Jörg Entorf geht seiner Arbeit im Museumsdepot nach. Dort werden die Exponate gehütet, bis sie im umgebauten Leist- und Stiftsherrenhaus wieder ihren Platz finden.

Foto: Dana

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