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Fertighaushersteller hat mit "dramatischem Markteinbruch" zu kämpfen

Kampa schließt Werk in Minden - 130 Arbeitsplätze werden gestrichen

Minden (mt/lkp). Der Fertighaushersteller Kampa AG wird rund 230 der aktuell noch 950 Konzern-Beschäftigten entlassen. Allein am Stammsitz in Minden verlieren rund 130 Mitarbeiter ihrer Arbeitsplätze. Minden soll aber weiterhin Firmensitz der AG-Holding samt Vorstand sowie Standort der Monteure bleiben. Auch die Finanzierungstochter Hausbau-Finanz GmbH mit rund 30 Beschäftigen bleibt in Minden: unter dem Strich nur noch rund 70 Kampa-Mitarbeiter.

veröffentlicht am 05.10.2007 um 00:00 Uhr

Mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert die Kampa-Belegschaft

Als der Vorstandsvorsitzende Elmar Schmidt der Belegschaft diese Hiobsbotschaftüberbrachte, entlud sich der Zorn der Arbeitnehmer in einem gellenden Pfeifkonzert. Anschließend gingen spontan mehr als 100 Mitarbeiter auf die Straße und zogen mit Transparenten und Trillerpfeifen vor das Haupttor des Unternehmens in Minden- Dützen. "Kein Respekt vor 107 Jahren Tradition. DieHeuschrecken haben ganze Arbeit geleistet", war auf den Plakaten zu lesen. Der Finanzinvestor Triton hält seit anderthalb Jahren zwei Drittel der Kampa-Aktien. "Die Töchter fressen ihre Mutter" lautet die Sichtweise der Belegschaft. Während in Minden und in Kinding die Herstellung hochpreisiger Fertighäuser zum Jahresende eingestellt werden soll und auch in Waltershausen keine Ausbauhäuser der Marke Creaktiv aus dem Niedrigpreissegment mehr produziert werden, soll die Produktion im Novex-Werk in Steinheim und bei Libella in Ziesar weitergehen. Beide Firmen hatte Kampa erst ab 2000übernommen und teilweise vor der Insolvenz gerettet - mit dem durch die Mindener Belegschaft erwirtschafteten Kapital, wie IG-Bau Gewerkschaftssekretär Bodo Matthey erklärt. Vorstandschef Schmidt, an dessen Person sich die Kritik vieler Mitarbeiter nun entzündet, kündigt zügige Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan an. Kampa werde dafür sorgen, dass die 25 Azubis ihre Ausbildung in den verbleibenden Werken oder durch Vermittlung zu anderen Firmen beenden könnten. Bei gescheiterten Tarifverhandlungen, bei denen der Vorstand Mehrarbeit und Lohnverzicht gefordert hatte, nutzte die Opferbereitschaft der Belegschaft allerdings wenig, um doch noch eine Lösung zu finden. "Wir hätten auch sagen können, wir verzichten auf Lohn für 50 Stunden", sagt Ralf Zimmermann, Betriebsratsvorsitzender der Kampa-Haus GmbH. Das letzte Fünkchen Hoffnung setzt er nun auf ein Engagement der örtlichen Politik. Gerade hat Bürgermeister Buhre durch einen Anruf seine Solidarität bekundet: "Das ist ein großer Verlust für Minden". Dass Veränderungen am Markt zu Handlungen und Entscheidungen führen müssen, sei nachvollziehbar, sagt der Bürgermeister. Dennoch habe er immer damit gerechnet, dass am Standort Minden -auch als Produktionsstätte - "nicht gerüttelt wird".



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