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Stadt will Holz gewinnbringend verkaufen / Später "Kinderwald"?

Kahlschlag: Fichten erst 40 Jahre alt

Stadthagen (jcp). Die Stadt holzt an der Enzer Straße ein 1,2 Hektar großes Waldstück ab. "Ein Stück Lebensqualität" gehe damit verloren, bedauern die Anwohner Monika und Heinz Bartels. "Erntereif" seien die Fichten nun einmal, argumentiert die Stadt - und hat einen forstwirtschaftlichen Betrieb aus Schwaförden damit beauftragt, für sie die Früchte einzuholen.

veröffentlicht am 04.02.2008 um 00:00 Uhr

Mit schwerem Gerät holzt die Stadt Stadthagen an der Enzer Straß

Ein lautes Rumpeln ließ Heinz Bartels, der mit seiner Frau in im Haus an der Enzer Straße mit der Nummer 103 lebt, am Donnerstagmorgen aufschrecken. Als er hinausging, sah er "dieses Planierraupending", das sich scheppernd und ratternd in Richtung seines liebgewonnen kleinen Waldstücks bewegte. Noch größer war der Schock, als die Maschine ihr Werk begann und kahles Feld überall da hinterließ, wo sie ihrer Arbeit nachgegangen war. "Wir nannten das früher den Dr.-Hippe-Wald, nach dem ehemaligen Stadtdirektor Hermann Hippe, der ihn in den Sechzigern anlegen ließ", erzählt Bartels. Seine Frau fügt hinzu: "Der Wald schützte die Häuser hier bei starkem Wind. Und all' die Tiere! Rehe konnten wir da sehen, Eichhörnchen, Greifvögel. Und jetzt nehmen sie ihn uns einfach weg." Heinz Bartels hatte sofort bei der Stadt angerufen, um den Grund für den traurigen Verlust zu erfahren. Dort hätte man "irgendwas mit der Umwelt und Wiederaufforstung" argumentiert. "Ich denke eher, die brauchen Geld und wollen das Holz verhökern", grinst Bartels. Tatsächlich bestätigt Eckert Hockner vom städtischen Bauamt, dass sich das an der Enzer Straße gewonnene Fichtenholz "momentan gewinnbringend verkaufen" lässt. "Das Sturmschadenholz aus dem letzten Jahr geht zur Neige, die Preise steigen wieder. Das betreffende Stück wurde um 1966 angelegt, nach gut vierzig Jahren ist es normal, abzuholzen und neu zu bepflanzen", so Hockner. Der Plan sei, an dieser Stelle "in angemessenem Zeitraum eine standortgerechte Aufforstung mit Laubbäumen" zu leisten. Ein "Kinderwald" nach dem Vorbild des Stadthäger "Bürgerwaldes" schwebe Bürgermeister Bernd Hellmann vor, so Hockner. Da es sich um eine Fläche von mehr als einem Hektar handelt, musste die Stadt das Vorhaben beim Landkreis anzeigen. Martina Vogt vom Amt für Naturschutz sagt dazu: "Es gab keinen Grund, den Antrag abzulehnen, denn das Stück bleibt ja Wald und muss nicht etwa einem Parkplatz weichen." Heinz Bartels' Schwager, der lange als Forstwart in Bayern gearbeitet hat, reagierte nach einem Anruf seines Verwandten mit Unverständnis für die Stadt Stadthagen. 80 bis 120 Jahre solle man Fichten nach seiner Auskunft normalerweise stehen lassen. Im bayerischen Wald seien zu seiner Zeit gar 170 Jahre "amtlich" gewesen.



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