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Gerd Hoffmann legt genüsslich Finger in gesellschaftliche Wunden

Kabarett mit Power und Präsenz: "Allet wird jut" mit Radieschen

Rehren (kdt). Dass Politkabarett Spaß machen und einen moralischen Anspruch haben kann, ohne moralisierend den Finger zu heben, hat der Berliner Kabarettist Gerd Hoffmann mit seinem Zweistunden-Programm in der Halle von "Weserbergland-Ei" un- ter Beweis gestellt.

veröffentlicht am 31.03.2008 um 00:00 Uhr

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Dem Auetaler Kulturverein sei Dank, dass der kritische Querdenker des Politkabaretts "Die Radieschen" aus der Bundeshauptstadt den beschwerlichen Wegüber die A 2 in das Auetal gefunden hat. "Allet wird jut" heißt sein neues Programm, das ausschließlich die Politszene aufs Korn nimmt. "Eigentlich gibt es keinen Grund mehr für politisches Kabarett. Der Aufschwung ist da - fast mit der Macht und Geschwindigkeit eines Unwetters. Unsere Regierungschefin reist mit einem Zaubermantel durch die Welt, unter dessen Falten sich zwanghaft Harmonie einstellt, und die Arbeitslosen in Deutschland werden langsam knapp", sinniert Hoffmann, der bemängelt, dass in Deutschland nichts passiert, worüber man herfallen könnte. "Außer der SPD, die eineinhalb Jahre vor der Wahl anfängt, sich selbst aufzulösen - unddie Opposition ist so ratlos, dass sie gegen sich selbst zu opponieren beginnt." Was sollte ein Kabarettist an diesem Musterdeutschland also noch auszusetzen haben? Eine ganze Menge. Gerd Hoffmann verlor sich in der parteipolitischen Sumpflandschaft und servierte den 80 Besuchern die undurchsichtige Brühe des Politalltags. Unbarmherzig, zielsicher und zugleich genüsslich nahm er Gesundheitsreform und Rente ins Visier, machte dem staunenden Publikum die Flaschenpfand-Rechnung auf, erklärte plausibel den Gammelfleisch-Skandal und kürte Ursula von der Leyen zu seiner Lieblingsministerin. "Ich habe nichts gegen Frauen, auch wenn ich an Angela Merkel und Ulla Schmidt denke", so Hoffmann weiter, der charmant und witzig erläuterte, warum in Deutschland "Frauenpower" zum Leidwesen der Männer auf dem Vormarsch ist. Mit seinen schwarz-roten Haaren wirkte der Kabarettist zwar wie ein Werbeträger der großen Koalition, folgte dann aber unparteiisch und unnachgiebig Themen und Protagonisten auch bis auf Seite sieben der Tageszeitung. Zum Schluss gab er klare und zum Teil "boshafte" Antworten auf unbeantwortete Fragen. So sei das Wetter der Klima-Killer Nummer eins und trügen die Vegetarier zur schlechten Umweltbilanz bei, weil sie keine Kuh vertilgen. "Dabei wissen wir doch alle, dass eine Kuh einen Methangas-Ausstoß hat, der so groß ist wie ein Kleinwagen." Gerd Hoffmann ist trotz seiner mehr als zwanzig Jahre Kabaretterfahrung immer noch ein gut gelaunter Mensch, der es versteht, seinem Publikum einen unterhaltsamen Abend mit befreiendem Gelächter zu bescheren - flink mit Worten und Themen, beweglich mit Gedanken und Gesicht.



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