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Gericht: Drei Jahre und vier Monate Jugendhaft für Seriendieb / Diesel abgezapft

Junger Seriendieb im Bückeburger Knast: "Hier sitzen sie richtig"

Bückeburg (ly). Dickes Lob für den Bückeburger Knast: "Die Menschen leben wie in einer Familie", schwärmt ein 19-Jähriger, der zuvor in einer ostwestfälischen Jugendanstalt eingesessen hat und dort angeblich von anderen Gefangenen erpresst worden ist. "Hier sitzen sie richtig", erlaubte sich Richter Dr. Dirk von Behren daraufhin im Prozess gegen den Bückeburger einen kleinen Scherz.

veröffentlicht am 15.07.2006 um 00:00 Uhr

Doch Spaß beiseite. Überhaupt nicht komisch ist nämlich die "hochgradig kriminelle Vergangenheit des Angeklagten", so Richter von Behren. Mit ernstem Gesicht verkündete der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts das Urteil: Drei Jahre und vier Monate Jugendhaft wegen Diebstahls in zwei Fällen. Einbezogen wurden aus einer vorausgegangenen Entscheidung drei Jahre Freiheitsstrafe, die zum Teil bereits verbüßt sind. Ob er sich im Gefängnis bessert? "Haft hat den Angeklagten bisher in keinster Weise beeindruckt", stellte von Behren fest. Im Herbst vergangenen Jahres war der drogenkranke 19-Jährige vorzeitig entlassen worden, um eine Therapie anzutreten. Genau einen Tag hielt er durch. Vier Wochen später wurde der junge Mann rückfällig. Zusammen mit einem Cousin fuhr er nach Petershagen-Windheim und zapfte aus dem Tank eines Lastwagens, der am Straßenrand stand, knapp 100 Liter Diesel in Kanister ab. Einige Monate nach dem Spritklau hatte es der Heranwachsende in einem Bückeburger Modemarkt auf Kleidungsstücke abgesehen, wurde aber beim Diebstahl gestört. Motiv: "Ich wollte mich fein machen für den Geburtstag meines Bruders am selben Tag." Beide Taten gelten als vorläufiger Schlusspunkt einer kriminellen Karriere, die zu einem Vorstrafenregister mit sechs Eintragungen geführt hat. So war der Bückeburger für eine Reihe von Autoaufbrüchen in Petershagen und Porta Westfalica verantwortlich, gemeinsam begangen mit seinem Cousin im Sommer 2003. In einer Nacht hatte das Duo mehr als ein Dutzend Wagen geknackt. "Ein Amoklauf", so Richter von Behren. Normalerweise wäre der 19-jährige Seriendieb im November aus der Haft entlassen worden. "Damit wird es jetzt in diesem Jahr nichts mehr", erklärte der Richter dem Angeklagten. Erst im Mai war der Cousin (21), ebenfalls ein Bückeburger, vom selben Gericht zu 19 Monaten Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt worden, unter anderem wegen zweier weiterer Diesel-Diebstähle in der Kiesgrube Neesen (wir berichteten). Dass daran auch der jetzt Angeklagte beteiligt war, ließ sich nicht nachweisen.

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