weather-image
25°
Vor Gericht: Einbruch ins Tennisheim

Junge Angeklagte - mitgefangen, mitgehangen...

Bad Nenndorf/Riepen (menz). "Natürlich" - auf der Anlagebank vor den Jugendrichter hat ein 21-Jähriger die Augenbrauen hochgezogen. Der junge Mann ist offenkundig erstaunt über die Frage des Vorsitzenden Kai-Oliver Stumpe, ob er seine Ausbildung abgeschlossen hat. Im Moment bildet sich der Stadthäger weiter und strebt nach Höherem, "ja sicher" wolle er studieren, gab er Auskunft über seine Zukunftspläne.

veröffentlicht am 15.01.2008 um 00:00 Uhr

Vor dem Jugendgericht, wo schon Angeklagte mit Schulabschluss Seltenheitswert haben, macht ihn sein Bildungshintergrund zum Exoten. Es ist kein Schutz davor gewesen, kriminell zu werden. Jetzt musste sich der der junge Mann bereits zum zweiten Mal vor dem Jugendrichter verantworten. Gegenstand des aktuellen Strafverfahrens ist ein Einbruchdiebstahl in das Tennisheim in Riepen. Im Frühjahr 2006 wurde dort ein Fenster eingeschlagen und 15 Tennisschläger, zwei silberne Pokale, Geschirr und Getränke geklaut. In der Gerichtsverhandlung gab sich der 21-Jährige geläutert. Dass er dabei "extremen Respekt" vor Polizei und Gericht bekundete, war vermutlich als Ausweis seiner Glaubwürdigkeit gedacht. Er gab zu, dass er bei dem Einbruch mit von der Partie gewesen war und beteuerte, dass die Version, die er vor Gericht schilderte, die "volle Wahrheit" ist. Zu Beginn der Ermittlungen hatte er sich Mühe gegeben seinen Tatbeitrag zu verschleiern, "um aus der Sache so gut wie möglich rauszukommen", erklärte er nach Verständnis heischend. Zusammen mit einem Kumpel, der die Anklagebank mit ihm teilte, hatte er mit dem Finger auf den Dritten im Bunde gezeigt. Dem heute 25-Jährigen wurde die Hauptverantwortung für den Einbruch zugeschoben. Inzwischen haben die beiden Jüngeren dessen Tatbeitrag stark relativiert. Der bislang unbescholtene Mann zürnt indes seinen Freunden und bestreitet, aktiv in irgendeiner Form beteiligt gewesen zu sein. Laut dachte er über eine Anzeige wegen übler Nachrede nach. Der 25-Jährige könnte tatsächlich unschuldig sein, Auskunft darüber soll eine Zeugin geben, für die sich das Gericht vertagt hat. Unterdessen stritten die geständigen Angeklagten über das Ausmaß ihrer Beteiligung. Jeder schob das Eindringen in das Gebäude dem anderen zu und nahm für sich in Anspruch, außerhalb die Beute in Empfang genommen zu haben. Den jungen Leuten schien nicht bewusst zu sein, dass sie den berühmten Streit um des Kaisers Bart ausfechten wollten. Das Strafgesetz unterscheide nicht bei Mittätern, versuchte der Jugendrichter den Streithähnen den Wind aus den Segeln nehmen. Im Gegensatz zu dem 25-Jährigen sind die beiden Mitangeklagten vorbestraft. Einer der jungen Männer hat bereits Jugendarrest hinter sich und bezeichnet dies "als die schlimmste Zeit in meinem Leben. Es war die Hölle". Der Stadthäger auf der Anklagebank daneben hat Angst. Mit deutlich flehendem Unterton wandte er sich an den Richter: "Bitte ersparen Sie mir das." Man wird sehen. Die Verhandlung wird am 17. Januar fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil gesprochen werden.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare