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Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger sinkt um 35 Prozent - Bei Deutschen Anstieg um 12 Prozent

Jugendkriminalität – Alkohol ist Hauptproblem

Hameln (kv). Im Wesio-Forum schreibt OlufBraren: „Ja, Lauda12, ich glaube, auch ich verstehe es langsam. Du willst nicht gegen Ausländer hetzen, aber Türken sind gefährlich. Oder sind eher türkische Jugendliche gefährlich? Diese Aussagen sind mir einfach zu pauschal, klingen genauso wie der „Stammtisch“, der keine Trennschärfe kennt, und dem Problemlösungen egal und viel zu kompliziert sind. Ich habe im Internet recherchiert und bin beim Landeskriminalamt fündig geworden. Der „Bericht Jugendkriminalität und Jugendgefährdung in Niedersachsen“ ist da sehr aufschlussreich.

veröffentlicht am 11.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 12:41 Uhr

Auch die Polizei Hameln arbeitet präventiv.  Fotos: kv

Hameln (kv). Im Wesio-Forum schreibt OlufBraren: „Ja, Lauda12, ich glaube, auch ich verstehe es langsam. Du willst nicht gegen Ausländer hetzen, aber Türken sind gefährlich. Oder sind eher türkische Jugendliche gefährlich? Diese Aussagen sind mir einfach zu pauschal, klingen genauso wie der „Stammtisch“, der keine Trennschärfe kennt, und dem Problemlösungen egal und viel zu kompliziert sind. Ich habe im Internet recherchiert und bin beim Landeskriminalamt fündig geworden. Der „Bericht Jugendkriminalität und Jugendgefährdung in Niedersachsen“ ist da sehr aufschlussreich. Jugendliche mit Migrationshintergrund werden dort nicht erfasst. Sondern Deutsche, Ausländer und Spätaussiedler werden unterschieden.

Erschreckend: Von 1999 bis 2008 ist die Zahl aller Tatverdächtigen von 199 791 recht kontinuierlich auf 237 406 gestiegen. Der Anteil der deutschen jugendlichen Tatverdächtigen ist von 78,75 Prozent auf 85,77 Prozent geklettert! Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen ist in diesem Zeitraum kontinuierlich von 21,25 Prozent auf 14,23 Prozent gesunken. Oder anders betrachtet: Die Zahl der deutschen minderjährigen Tatverdächtigen ist von 1999 bis 2008 um knapp 12 Prozent gestiegen, während die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen im gleichen Zeitraum um 35 Prozent gesunken ist. Das ist erfreulich. Es zeigt, dass die Präventionsarbeit von Schulen, Polizei und anderen Früchte trägt. Hier gilt es Energie und Kreativität einzusetzen, nicht beim ewigen Lamentieren.

Allerdings, die erfreulichen Zahlen im Bereich Nichtdeutscher Jugendlicher verlieren an Glanz, wenn man berücksichtigt, dass es Deutsche gibt, die aus Migrantenfamilien stammen. Auch Spätaussiedler werden in der Statistik als Deutsche gezählt. Diese Zahl wird, wie erwähnt, nicht erfasst. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an der Gesamtheit der Tatverdächtigen liegt immer noch höher als der Anteil Nichtdeutscher an der Gesamtbevölkerung. Und darin liegt ein Problem begründet, zu dem Lösungen gesucht werden müssen.

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Größtes Problem ist der Alkohol

Die Mädchen holen auf. Ihr Anteil bei den Minderjährigen und Heranwachsenden Tatverdächtigen steigt in den Jahren 1999 bis 2008 kontinuierlich von 36 auf knapp 40 Prozent.

Die erschreckensten Zahlen in dieser Kriminalstatistik sind für mich die Zahlen von Straftaten, die Minderjährige oder Heranwachsende unter Alkoholeinfluss begangen haben.

Minderjährige und Heranwachsende zusammen haben 1999 zum Beispiel 2234 Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss begangen. Im Jahre 2008 zählt die Statistik 5235 Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss, das ist eine Steigerung von unglaublichen 235 Prozent!

Schön, wir müssen darüber reden, wie wir nichtdeutschen Jugendlichen noch mehr helfen können als deutschen Jugendlichen. Aber zumindest genauso wichtig ist die Frage, wie die Gesellschaft effizient gegen den hohen und gestiegenen Stellenwert von Alkohol bei Jugendlichen ankämpfen kann.

Ein Beispiel, das Schule machen sollte: Nach Problemen mit deutsch-russischen Jugendlichen hat die Polizei in Rotenburg mit einem Streetworker sehr gute Erfahrungen gemacht: „Die jugendlichen Aussiedler treten nicht mehr so augenfällig in Erscheinung und die polizeilichen Einsätze in diesem Zusammenhang halten sich ebenfalls in Grenzen. Dabei hat sich die Arbeit eines deutsch-russischen Streetworkers in Rotenburg

positiv bewährt. Seine Arbeit hat deutlich zu einer Entspannung beigetragen. Von ihm wird ein „offenes Sportprojekt“ betreut, das in den Räumlichkeiten städtischer Schulen unterschiedliche

Sportangebote für junge Leute von 15-25 ermöglicht. Neben Ballsportarten wird auch ein Fitnessraum betrieben. Das Motto dieser Arbeit lautet: „Fit und gut drauf – Kraft ohne Gewalt“. Das Angebot wird von ausländischen und deutschen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund genutzt, aber hauptsächlich von den Jugendlichen, die aus den sozialschwachen Schichten stammen.“ Das ist doch ein positiver Lichtblick.“

Wenn Sie über positive Lichtblicke in unserer Region berichten oder im Forum mitreden wollen, dann kommen Sie doch zu

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