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Mal besinnlich, mal fröhlich: 70 Jugendliche aus allen Kirchengemeinden ziehen mit Gesang und Gebeten durch die Stadt

Jugendkreuzweg: "Wer wird denn da zu Grabe getragen?"

Rinteln (cok). Zwei Mädchen tragen ein großes Holzkreuz durch die Klosterstraße und führen einen Zug an, der aus vielleicht 70 Jugendlichen der Rintelner Kirchengemeinden besteht, aus ihren Pastoren und auch einigen anderen Erwachsenen. "Wer wird denn hier zu Grabe getragen?", fragt amüsiert ein Passant. Mit seiner Frage liegt er gar nicht so falsch: Es ist der Zug des Jugendkreuzweges 2008, der da durch die Stadt zieht.

veröffentlicht am 25.02.2008 um 00:00 Uhr

Mit ihren Kollegen der anderen Gemeinden begleiten Pastor Dr. Di

Seit 1958 hat dieserökumenisch ausgerichtete Jugendkreuzweg Tradition in Deutschland, immer geht es darum, junge Leute aus den christlichen Kirchen im Gebet zusammenzuführen und ihnen dabei bewusst zu machen, dass die Leidensgeschichte Jesu nicht nur in einer Zeit vor über 2000 Jahren zu verorten ist, sondern sich in so vielen Lebensgeschichten unserer Zeit widerspiegelt, überall da, wo Menschen unschuldig leiden und untergehen. So begann die Veranstaltung mit einem Gottesdienst in der Nikolaikirche unter derÜberschrift "Menschensohn", der mit Liedern, Lesungen und Gebeten den Auftakt bildete, um insgesamt sieben Stationen eines Kreuzweges abzuschreiten, der über die Weserbrücke zur St.-Sturmius-Kirche, zum reformierten Friedhof, zur Feuerwehr und schließlich in die Jakobikirche führten. An jeder Station lasen Konfirmanden Fortsetzungen aus der Passionsgeschichte um Jesu Leiden und Tod vor, die Gitarrengruppe Exten leitete den Gesang an und auf großen Postern wurden bedrückende Bilder des Malers Hans-Hilmar Seel hochgehalten, die den Weg des Gottessohns in seinen Opfertod illustrierten. Der reformierte Pastor Heiko Buitkamp steht zusammen mit seinen Kollegen aus der katholischen und den lutherischen Gemeinden unbedingt hinter diesemökumenischen Jugendkreuzweg. "Es ist eine gute Sache, die eigene Stadt so konkret mit dem vorösterlichen Geschehen in Verbindung zu bringen", sagte er. "Das Einzige, was mir zu denken gibt, ist die Tatsache, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann. Wir haben ja noch nicht Ostern und die Auferstehung." Tatsächlich ist die Leidensgeschichte Jesu schrecklich, wenn man sie ohne die Verheißung seiner Auferstehung wahrnimmt. Die Texte beschäftigten sich mit dem "Menschensohn", der verraten, geschunden und geschlagen wird, Angst hat, den Zweifel am Sinn seines Leidens kennt und schließlich sterben muss. Um nicht mit diesem dunklen Ende auseinanderzugehen, feierten die Kreuzzügler noch einen Gottesdienst in der Jakobikirche, in der hoffnungsvolle Gospellieder gesungen wurden. Mit dem in sich gekehrten Kreuzweg-Abschreiten der katholischen Kirche hatte dieserökumenische Jugendkreuzweg freilich wenig zu tun. Viele der Jugendlichen - für die Teilnahme Pflicht war - beschäftigten sich auf dem anderthalbstündigen Weg mit ganz anderen Dingen, redeten, lachten, neckten sich und waren weit entfernt davon, sich auf die nachdenkliche Grundstimmung einzulassen. Vielleicht werden manche von ihnen sich später, wenn sie wieder an den einzelnen Stationen vorbeikommen, auf eine andere Weise an den gemeinsamen Weg erinnern.



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