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Faurecia-Vertrauensleute diskutieren mit dem SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008

Jüttner: Tendenz zu Hungerlöhnen "Sauerei"

Stadthagen (gus). Rund 40 Vertrauensleute des Stadthäger Faurecia-Standortes haben gestern mit dem SPD-Spitzenkandidaten der Landtagswahl 2008, Wolfgang Jüttner, über politische Entwicklungen diskutiert. Mindestlohn, Rente ab 67 und Bildung waren die Kernthemen.

veröffentlicht am 07.12.2007 um 00:00 Uhr

Arbeitsmarkt-Debatte statt Adventsstimmung: Wolfgang Jüttner spr

Jüttner vermied es, den Zuhörern ein Patentrezept für die volkswirtschaftlichen Probleme des Landes zu präsentieren. Stattdessen sprach er offen über diese Probleme - ohne mit dem Finger auf mögliche Verursacher zu zeigen, wie es einer reinrassigen Wahlkampfrede entsprochen hätte. Als "Sauerei" bezeichnete Jüttner die "Entwicklung zu Hungerlöhnen". Im Gegensatz zu Ministerpräsident Christian Wulff sei sein Motto nicht "sozial ist, was Arbeit schafft", sondern "sozial ist, was Arbeit schafft, von der man leben kann". Deshalb seien flächendeckend Mindestlöhne gefordert. Nicht, weil diese verbreitet angewendet werden sollen. Vielmehr gelte es, einen Mindeststandard zu schaffen, der nicht unterschritten werden darf. Ziel der SPD sei es, dass Menschen, die arbeiten, finanziell besser dastehen, als solche, die keinen Job haben. Zwischen 600 000 und 800 000 Menschen beziehen nach Jüttners Worten trotz Vollzeitbeschäftigung Sozialleistungen. Das koste den Staat jährlich rund 1,5 Milliarden Euro. Jüttners Forderung: Wer einen Vollzeitjob hat, muss davon auch seine Familie ernähren können. Der SPD-Spitzenkandidat sprach sich für Einschränkungen auf dem Zeitarbeitssektor aus. Faurecia-Betriebsrat Jürgen Bittner hatte ein Unternehmens-Beispiel aus Leipzig genannt, wo 40 Prozent der Belegschaft Zeitarbeiter seien. Eine Grenze von sechs Monaten Zeitarbeit bis zur Übernahme in einem Betrieb und das Prinzip "gleiche Arbeit, gleicher Lohn" sind laut Jüttner mögliche Maßnahmen. Bei der Rente ab 67 differenzierte Jüttner: Wer ein vom Staat subventioniertes Studium absolviert habe und erst mit 27 Jahren begonnen habe zu arbeiten, könne auch länger als bis 65 arbeiten. Ungerecht sei dies aber für Arbeiter, die mit 18 begonnen hätten - speziell, wenn diese aus körperlichen Gründen nicht mehr arbeiten könnten. Zum Thema Bildungschancen sagte Jüttner, diese müssten unabhängig von sozialer Herkunft sein. Deshalb seien Studiengebühren abzuschaffen und die Lehrmittelfreiheit einzuführen. Auf Mängel an Bildungseinrichtungen angesprochen, betonte der Sozialdemokrat, die öffentlichen Kassen seien nicht prall gefüllt und Steuererhöhungen wegen der Globalisierung kein probates Mittel, mehr Geld für Bildung zu generieren. Der SPD-Kandidat erinnerte an die Abwanderung von Otis, das im Ausland billiger produzieren wollte. Bei mehr Unternehmenssteuer würden sich solche Beispiele häufen. Bürgermeister Bernd Hellmann erklärte, die Stadt wolle die gute Beziehung zu Faurecia aufrecht erhalten. Dazu trage bei, dass die Stadt die Nord-Ost-Tangente fertigstellt und angemessenen Wohnraum schafft.



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