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300 Zuhörer hören Rede des SPD-Spitzenkandidaten / Bartling prophezeit: "Erster Schaumburg-Lipper, der MP wird"

Jüttner im Wahlkampf: Auftritt in "rappelvoller Bude"

Stadthagen (ssr). Rund 300 Zuhörer haben gestern am späten Nachmittag im Ratskellersaal den Wahlkampfauftritt des SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Wolfgang Jüttner, verfolgt. "Diese rappelvolle Bude ist für uns ein gutes Signal", freute sich Direktkandidat Heiner Bartling.

veröffentlicht am 09.01.2008 um 00:00 Uhr

Wolfgang Jüttner (r.) gestern im Stadhäger Ratskeller. Mit von d

Stühle schleppen war angesagt. Einen derartigen Ansturm an Zuhörern hatte die zurückhaltende Regie vom SPD-Unterbezirk offenkundig nicht erwartet gehabt - schließlich hatte man mit einem reichlich ungüstigen Termin um 17 Uhr vorlieb nehmen müssen. Dass es sich bei den Besuchern ganz überwiegend um Genossen gehandelt hat, bewies zumindest eins: die sehr hohe innere Mobilisierungfähigkeit der Schaumburger SPD. Bei und nach dem Postieren der zusätzlichen Stühle sorgte die hannoversche Combo "Schräg" mit jazzig-flottem Tschingderassabumm gekonnt für einen standesgemäßen Einmarsch des Spitzenmannes. Dabei gemahnte der Titel "Tequila" unverhohlen an Hochprozentiges - wonach Jüttner und seine Sozialdemokraten mit Sicht auf den Wahltag bekanntlich aus dem derzeitigen Umfragetief heraus begehrlich schielen. Was Jüttner in seiner Rede eher umschiffte, nahm Kandidat Bartling direkt bei den Hörnern: "Die Umfrageergebnisse machen uns nicht depressiv. Die sind eine Aufforderung zum Kämpfen." Zuvor hatte Bartling den in Lüdersfeld geborenen Jüttner heimattreu als "ersten Schaumburg-Lipper, der Ministerpräsident wird", bezeichnet. Der Saal tobte. Kämpfen tat Jüttner in seiner 53-minütigen Wahlkampf-Standardrede in der ihm typischen Manier: Nur an ausgesucht wenigen Stellen näherungsweise feurig, ansonsten mit sparsamer Gestik in eher besonnener Nachhaltigkeit argumentierend. Unter dem Motto "Mit uns kommt Gerechtigkeit wieder" ließ er kaum ein soziales Thema aus. Dieser zentrale Aspekt prägte auch den umfassenden Wirtschaftsteil seiner Rede. "Recht und Ordnung" gelte es herzustellen auf dem Arbeitsmarkt, warb er etwa für den gesetzlichen Mindestlohn. Er wolle dafür sorgen, dass dynamische Leistungsstärke und Gerechtigkeit im Wirtschaftssystem zusammengebracht werden. Schwungvoller und emotionaler zeigte sich Jüttner im rhetorischen Endspurt bei seinen Leib- und Magenthemen Schul- und Umweltpolitik. Als "dümmsten Minister Deutschlands" kanzelte der frühere niedersächsische Umweltminister seinen FDP-Nachfolger Helmut Sander ab: "Umwelt-Sünder, nicht Umwelt-Sander", juxte er. Geradezu feixend karikierte er CDU-Bildungsminister Bernd Busemann. Dieser bekennende Gesamtschulgegner sei in den vergangenen Jahren paradoxerweise in Serie dabei, wenn niedersächsische Gesamtschulen bei bundesweiten Schulwettbewerben erste Preise einheimsen - "mit aufs Foto will er ja schließlich". Etwa zwei Minuten dauerten die stehenden Ovationen, die der Wahlkämpfer von seinen Schaumburger Genossen erhielt - eine schon etwas mehr als nur anständige Länge. Während Jüttner wenige Minuten später schon zu seinem Wagen vor dem Alten Rathaus hetzte, um zum nächsten Auftritt zu fahren, begann für die Helfer im Saal - genau: das Abräumen der so überraschend vielen Stühle.



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