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Johann Braun arbeitet im Tierpark Kalletal und hätte so gern eine richtige Lehrstelle - alles außer Friseur

" Jetzt spielt Geld, Geld, Geld die allergrößte Rolle"

Kalletal. Im Tierpark Kalletal, wo er seit einem Jahr arbeitet, nennen sie ihn Jonny, und der Name passt auch zu ihm, dem großen kräftigen 20-jährigen, der so sympathisch grinsen kann. In Wirklichkeit aber ist sein Name "Johann", einer dieser schönen altmodischen Namen, wie sie in vielen Familien üblich sind, die als russlanddeutsche Spätaussiedler nach Deutschland kamen.

veröffentlicht am 04.06.2007 um 00:00 Uhr

Jonny aus Kirgisien: Für die Arbeit im Tierpark muss man ein All

Autor:

Cornelia Kurth

Johann wäre eigentlich gerne Maurer geworden, so wie sein älterer Bruder, der neben seiner Arbeit an einem eigenen Haus baut, wobei alle Familienmitglieder nach besten Kräften helfen. "Er hat mir schon so viel gezeigt", sagt er, "wie man Steine legt und Gräben zieht, ja, Maurer würde mir gefallen." Aber eigentlich stellt er gar keine Ansprüche. Jede Lehre käme ihm recht, (solange es nicht gerade eine Friseurlehre ist). Dass er allerdings eine Lehrstelle in Aussicht hätte, davon kann leider nicht die Rede sein. Wie viele seiner Freunde auch, wird er bald wieder über eine Zeitarbeitsfirma vermittelt werden. Dabei bestand durchaus die Hoffnung, dass er im Tierpark Kalletal eine richtige Ausbildung als Tierpflegehelfer absolvieren könnte, im Zusammenhang mit dem Projekt ReAktiva OWL nämlich, einem Programm zur Schaffung von neuen Ausbildungsplätzen in Nordrhein-Westfalen. Leider sind dort die finanziellen Mittel doch beschränkter, als zuerst gedacht. "Ich würde ihn so gerne behalten", sagt Tierparkleiter Dr. Dirk Neumann. "Aber wir können ihn uns ohne Förderung einfach nicht leisten." Auch Johann würde am liebsten bleiben. Der Tierpark ist ihm so vertraut geworden, dass es fast schon ist, als er würde er auf dem ehemaligen Bauernhof seiner Eltern mitarbeiten, einem Hof in der eindrucksvollen kirgisischen Berglandschaft, mit Schweinen, Kühen und Ziegen. "Ich kann mich nicht mehr daran erinnern", sagt er. "Aber meine Eltern erzählen so viel davon, wie es war, eine eigene Wirtschaft zu haben. Jetzt spielt Geld, Geld, Geld die größte Rolle. In Kirgisien haben die Leute auch Sachen getauscht, ihre eigene Nahrung hergestellt, sich gegenseitig einfach so geholfen." Im Tierpark kümmert Johann sich um die Bepflanzung und um die weiten Rasenflächen, die ständig gemäht werden müssen. Er wechselt das Wasser im Becken des Tigergeheges, pflegt die Wege, bereitet das Futter für Paviane und Stachelschweine vor und kassiert auch mal den Eintritt ab. Längst hat er sich mit Fritz, dem alten Schimpansen angefreundet, dem es mit der mürrischen Schimpansin Frederike oft langweilig wird, so dass er um so vergnügter ist, wenn er mit Johann um die Wette am Gitter hin und her rasen kann oder sie sich einander gegenüber hinhocken und Grimassen ziehen. Keine der vielen Tierparkgeschichten außerdem, die Johann nicht kennt aus den gemütlichen Pausengesprächen mit Doc Neumann und den anderen Mitarbeitern. Und Dirk Neumann ist so gut zufrieden mit ihm: "Freundlich, pünktlich, zuverlässig - die Möglichkeit, diese Arbeit in eine richtige Lehrstelle umzuwandeln - das wäre die Krönunggewesen!" Einziger Trost: Johann hat wirklich was gelernt. Nicht nurüber die Tierparkarbeit, sondern auch etwas über sich selbst: "Zu Anfang hatte ich etwas Angst, ob ich alle diese Aufgaben auch richtig machen werde", sagt er. "Jetzt aber weiß ich, dass sowas gar kein Problem für mich ist!"



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