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Feuerwehr Bückeburg-Stadt feiert ihr 128. Stiftungsfest / 70 Jahre dabei: Goldene Ehrennadel für Hans Schwiering

"Jetzt haben wir unseren Gründungsverein VTB überlebt"

Bückeburg (mig). Den 138. Geburtstag hat die Ortsfeuerwehr Bückeburg-Stadt am Wochenende im Rahmen eines Stiftungsfestes gefeiert. Im Beisein von Bürgermeister Reiner Brombach wurde Hans Schwiering geehrt, der seit 70 Jahren aktives Mitglied ist.

veröffentlicht am 20.10.2006 um 00:00 Uhr

Schwarz auf weiß: 70 lange Jahre ist Schwiering schon in der Feu

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickte der stellvertretende Ortsbrandmeister Erwin Tatge in seiner Begrüßungsansprache zunächst auf ein turbulentes Jahr zurück. "Es ist schon ein wenig merkwürdig, jetzt haben wir sogar unseren Gründungsverein VTB überlebt", resümierte er die zurückliegenden Ereignisse. Tatsächlich ist die Bückeburger Feuerwehr vor 138 Jahren aus der VTB heraus entstanden,zunächst hatte die Turnerschaft den Brandschutz übernommen. In diesem Jahr musste der Verein aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten schließlich schweren Herzens Konkurs anmelden. Tatge jedenfalls richtete in seiner kleinen Rede den Blick nach vorne: "Ich wünsche uns, dass es bei uns noch lange weiter geht", rief er den Gästen zu. Aufmunternde Worte richtete auch Bürgermeister Brombach an die Adresse der Feiernden. In einem Grußwort lobte er den hohen Ausbildungsstand der Feuerwehr Bückeburg-Stadt und betonte den wichtigen Rang, den der Verein im gesellschaftlichen Leben der Stadt einnimmt. "Diese Feste merke ich mir schon lange vor", betonte er und leitete dann zum wichtigsten Programmpunktüber - der Ehrung von Hans Schwiering. Der 94-Jährige ist als Zeitzeuge dem einen oder anderen Bückeburger durchaus bekannt - er half 1938 bei der Löschung des Synagogenbrandes in Bückeburg. Bis auf den Jubilar sind inzwischen alle damals eingesetzten Feuerwehrmännern verstorben. Erwin Tatge verlieh Schwiering für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement eine goldene Ehrennadel und eine Urkunde. Seinen ersten Feuerwehr-Ausweis hat der rüstige Pensionär immer noch. In einer feinen Spinnwebschrift steht dort mit Tinte das Datum des Eintritts in die "Freiwillige Feuerwehr des Ortspolizeibezirks Bückeburg". Am 1. Oktober 1936 bekam der heute 94-Jährige seine Uniform und den Helm - das ist inzwischen 70 Jahre her. Von der langen Zeitspanne zeugt auch das dicke Album, das vor dem alten Mann auf dem Tisch liegt. In den einzelnen Fächern stecken leicht gewellte Schwarz-Weißfotos im Din A6-Format - Gucklöcher in die Lokalgeschichte. Auf angegilbtem Papier sind die verschiedensten Protagonisten verewigt: steif in die Kamera schauende Amtsträger, mit einer Feuerspritze hantierende Feuerwehrleute oder marschierende Uniformträger. Zu jedem Foto erinnert Schwiering eine Anekdote - wie sie früher mit Pferden zum Einsatzort eilten, von der ersten Motorspritze in Bückeburg und das es damals viele Schornsteinbrände gab. Diese waren ohne moderne Ausrüstung besonders kniffelig zu löschen. In Bückeburg wusste man sich allerdings mit einfachen Mitteln zu helfen: "Da hatten wir ein altesRezept, man musste nur mit Essig löschen", sagt Schwiering mit einem verschmitzten Lächeln. Seinen größten Brand hat der Pensionär Anfang des Krieges miterlebt. Damals brannte ein Industriebau, in dem auch kriegswichtige Teile hergestellt wurden, vollständig nieder. "Das war so heiß, dass sogar Eisen brannte, alle Schrauben in einem Fass waren ausgeglüht." Das Kriegserlebnis macht vor allem eines deutlich: Schwierings Zeit als Feuerwehrmann begann, während in Deutschland schon der nationalsozialistische Schrecken wütete. Sichtbar für jedermann wurde der Terror, als in der sogenannten Reichskristallnacht jüdische Einrichtungen angegriffen wurden. Am 11. November 1938 brannte auch in der ehemaligen Residenzstadt die Synagoge. Während in anderen Städten Feuerwehrleute absichtsvoll zu spät eintrafen, waren die Bückeburger zur Stelle. Schwiering: "Wir haben die SS-Leute etwasunsanft aus dem Haus verwiesen und ihnen klar gemacht, dass wir als Feuerwehrleute für den Brandschutz verantwortlich sind." Ein wenig mulmig sei ihm da schon gewesen, meint der Rentner rückblickend, "immerhin hätten die uns auch erschießen können."

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