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FDP-Kandidatinnen besuchen PGB-Werkstatt / Kritik an Sparmentalität

"Jeder Mensch soll einbezogen sein"

Rinteln (cok). Um sich vor den anstehenden Landtagswahlenüber die Arbeitssituation behinderter Menschen zu informieren, haben die FDP-Kandidatinnen Gesine Meißner und Kathrein Bönsch (Wahlkreis Rinteln-Hessisch Oldendorf-Hameln) zusammen mit dem FDP-Ortsverbandsvorsitzenden Paul-Egon Mense die Behindertenwerkstatt der Paritätischen Gesellschaft Behindertenhilfe (PGB) im Industriegebiet Süd besucht. Geführt wurden sie von Werkstattleiter Frank Exner.

veröffentlicht am 15.09.2007 um 00:00 Uhr

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Dabei ließen sie sich zeigen, wie vielfältig die Arbeiten sind, die in den Werkräumen für ganz unterschiedliche Firmen ausgeführt werden. Vom einfachen Verpacken und Sortieren über Kabel- und Holzarbeiten bis hin zu Elektromontage und Metallarbeiten mit modernsten Maschinen sind hier etwa 200 behinderte Menschen beschäftigt, begleitet von tatkräftigen Gruppenleitern, die neben ihrer sonderpädagogischen Ausbildung selbst Meister in einem handwerklichen Beruf sind oder zumindest als Geselle mit zweijähriger Berufserfahrung in Industrie oder Handwerk gearbeitet haben. Beeindruckt von der freundlich-gelassenen Arbeitsstimmung und dem Gesamtkonzept, das den Behinderten, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance hätten, eine sinnvolle und effiziente Tätigkeit ermöglicht, setzten sich die FDP-Politikerinnen nach der Führung noch mit dem Werkstattleiter zum Meinungsaustausch zusammen. Dass Frank Exner einige Probleme auf den Nägeln brennen, war ihm im Gespräch durchaus anzumerken. Umständliche Genehmigungsverfahren erschwerten sowohl Umbauten als auch die Einholung neuer Arbeitsaufträge. Kürzungen in den Pflegesätzen erfordern eine höhere Teilnehmerzahl in den Arbeitsgruppen, ohne dass deshalb auch die Anzahl der Gruppenleiter erhöht werden könnte. Und überhaupt sei die allgemeine "Sparmentalität" schwer zu ertragen, angesichts einer Gesellschaft, in der die Anzahl der behinderten Menschen prozentual zunehme. Gesine Meißner, Vorsitzende des Sozialausschusses im Niedersächsischen Landtag, bestätigte, dass Menschen mit Behinderungen, auch Obdachlose und arbeitslose Jugendliche, oft die Ersten seien, an denen, als den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft, gespart werde. "Dabei sollte jeder Mensch, der irgendwie in das gesellschaftliche Leben und Arbeitsleben einbezogen werden kann, auch unbedingt einbezogen werden", sagte sie. Sie sah das Problem, dass moderne Arbeitsbedingungen in Zukunft mehr denn je auch psychisch kranke Menschen hervorbringen würden. "Für viele Einrichtungen besteht immer noch derselbe Betreuungsschlüssel wie vor Jahrzehnten. Das kann nicht so bleiben", betonte sie, nicht ohne darauf hinzuweisen, wie viel Zeit politische Umsetzungsprozesse und die juristische Absicherung von neuen Gesetzesentwürfen in Anspruch nähmen. "Für dieses Jahr sind die Vorschlagskapazitäten schon längst ausgeschöpft."



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