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Vor Gericht: kein Führerschein - jetzt Haft

Je oller, je doller: Mit 75 noch ins Gefängnis

Bückeburg (ly). Angefangen hat es mit den Vorstrafen vor vier Jahren. Da war der Bückeburger schon über 70. Je oller, je doller: Zurzeit, mit 75, verbüßt der ältere Herr im offenen Vollzug eine sechsmonatige Haftstrafe, weil er zwar keine Fahrerlaubnis besitzt, die Finger als Wiederholungstäter aber trotzdem nicht vom Lenkrad lassen kann. Nun muss er sich auf einen längeren Aufenthalt im Gefängnis einstellen, denn nach einem Urteil des Amtsgerichts kommt ein halbes Jahr Haft dazu, natürlich wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Darüber hinaus droht dem 75-Jährigen der Widerruf einer Bewährungsstrafe von weiteren sechs Monaten.

veröffentlicht am 20.09.2008 um 00:00 Uhr

"Ich mache es nicht wieder, das können sie mir glauben", hatte der Verkehrssünder hoch und heilig versprochen. "Nach allem, was ich durchmache....", fügte er in Anspielung auf die Haft hinzu. In ein Ohr rein, aus dem anderen Ohr raus: Richter Armin Böhm hält den Angeklagten für einen "hoffnungslosen Fall". Dessen einzige Chance sei es, den Wagen zu verkaufen. "Solange ein Auto in der Familie ist, wird das wieder passieren." Böhm blieb also hart, doch ein anderes Gericht hat sich schon einmal erweichen lassen. Hoch und heilig hatte der Angeklagte in einem Berufungsverfahren versichert, das Auto zu verkaufen. Auch deshalb und weil der Bückeburger überdies zu einer Schulung gegangen war, setzte die Kammer des Landgerichts eine zuvor von Böhm verhängte Haftstrafe "unter größten Bedenken" zur Bewährung aus. Nur einen Monat nach diesem Urteil kam der Rückfall, um des es jetzt ging. Abgegeben hat der 75-Jährige den Wagen übrigens tatsächlich - an seine Lebensgefährtin. "Es ist meine Schuld", erklärte die Frau. Zuletzt war er Mitte April erwischt worden, morgens um 5.30 Uhr. Eine Streifenwagenbesatzung der Polizei war zu der Zeit schon hellwach. Mit Blaulicht verfolgten die Beamten das Auto des Verdächtigen, bevor die Fahrt in einer Sackgasse endete. "Eine flotte Fahrt", wie sich ein Polizist als Zeuge vor Gericht erinnerte. "Muss das denn unbedingt sein?", habe der Mann hinterm Lenkrad gefragt. "Ja, es muss." Im Prozess brachte der 75-Jährige als Entschuldigung vor, er habe sich nur hinters Steuer gesetzt, weil es seiner Lebensgefährtin als Fahrerin schlecht gegangen sei. Ob das stimmt, spielt keine Rolle. Fahren durfte er so oder so nicht. Verteidiger Heinrich Schraepler geht davon aus, dass die Haft seinem Mandanten eine Lehre war beziehungsweise ist.

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