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Redaktionsgespräch: Europaabgeordnete Erika Mann (SPD) fordert "EU-Kontaktbüro"

"Japaner mögen Ziegenkäse aus Lüdersfeld"

Landkreis (ssr). Das Wissenüber die Kanäle, in denen EU-Fördergeld aus Brüssel für Betriebe oder Kommunen ins flache Land fließen kann, muss noch stärker auf lokaler Ebene verankert werden. Das ist die Überzeugung der für Schaumburg zuständigen Europaabgeordneten Erika Mann (SPD). "Dieses Knowhow darf nicht so stark in der Landeshauptstadt Hannover konzentriert bleiben, die Landkreise sollten unbedingt jeweils eine Art EU-Kontaktbüro aufbauen", sagte Mann bei einem Redaktionsgespräch. Die EU-Bürokratie sei sehr an einer direkten Kooperation mit der lokalen Ebene interessiert, dies könne vor Ort genutzt werden.

veröffentlicht am 11.09.2007 um 00:00 Uhr

Europaabgeordnete Erika Mann bestätigt im Redaktionsgespräch, da

Hilfreich seien gleichzeitig Strukturen wie das Regionale Entwicklungskonzept Weserbergland (REK), in dem die Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont, Holzminden und Nienburg gemeinsam ihre Zukunft planen und für übergreifende Projekte EU-Geld in die Region kanalisieren. Dabei müsse die Grundeinstellung: ,Was meinem Nachbarn nützt, nützt auch mir' noch weiter wachsen. Dies bedeute aber nach ihrer Beobachtung nicht, dass einzelne Landkreise zu kleine Kooperationspartner für die EU seien. "Brüssel akzeptiert die regionalen Strukturen, wie sie vor Ort sind. Natürlich können relativ kleine Einheiten wie Landkreise dabei Probleme beinhalten, das gilt aber für viel größere regionale Einheiten, wie sie in einigen anderen EU-Ländern existieren, in anderer Form ganz genauso", berichtete Mann. Die langjährige EU-Abgeordnete bestätigte, dass nach wie vor viele Menschen mit der Brüsseler Bürokratie das Stichwort Regulierungswut verbinden: "An dem Vorwurf ist ja auch was dran - es gibt in vielen Bereichen über das Ziel hinaus schießende Regulierungen." Das verursache Kosten und sorge vor Ort oft für Missstimmung. Dem liege das Verständnis zugrunde, jeweils für alle 27 Mitgliedsstaaten einheitliche Regeln zu schaffen. "Da müssen wir flexibler werden, wir brauchen angepasste Regulierungen", fordert die Sozialdemokratin. Ebenso müsse die EU-Bürokratie lernen, einmal geschaffene Verordnungen nach einer gewissen Frist auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls wieder abzuschaffen. Mit Blick auf den anhaltenden Strukturwandel in der Schaumburger Landwirtschaft empfahl Mann, auf nachwachsende Rohstoffe und auf Bioanbau zu setzen sowie die Gentechnik "nicht aus dem Auge zu verlieren". Der Markt für Bioprodukte werde immer größer. "Mittlerweile mögen auch Japaner den Bio-Ziegenkäse aus Lüdersfeld", knüpfte sie ein gedankliches Beispiel. Doch auch im EU-Raum gebe es bei bestimmten Bio-Produkten teils regelrechte Lieferengpässe. Bei den nachwachsenden Rohstoffen riet sie den Landwirten, "den Schritt in die zweite Generation" nicht zu verpassen. Das heißt, auf gerade in der Entwicklung befindliche Rohstoffe - wie etwa Elefantengras - zu setzen, die wesentlich mehr Biomasse bringen.



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