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Junge Sportler des Jahres Teil 3: Der Turner Jan-Ole Peters (11)

Jan-Oles Traum: Sportarzt und 2012 bei den Olympischen Spielen dabei

Rinteln (cok) . Als die Schulärztin bei der Einschulung den kleinen Jan-Ole Peters untersuchte, stellte sie fest: "Der ist ein Turner!" Sein Körperbau, klein und zierlich, aber mit der Möglichkeit, starke Muskeln zu entwickeln, erschien wie dafür gemacht. "Der muss turnen!" sagte also die Ärztin, aber von "müssen" kann bei Jan-Ole von Anfang an nicht die Rede sein.

veröffentlicht am 23.01.2007 um 00:00 Uhr

Turnvorführung im Brückentorsaal. Foto: tol

Kaum sah er das erste Mal Kinder an Reck, Barren und den Ringen, sagte er: "Mama, da will ich auch hingehen!" Als er mit sieben Jahren im VTR begann und ihn selbst sein Trainer Bernd Jäger im ersten Moment ein bisschen sehr spiddelig fand, hatte sich der kleine Brillenträger bereits vorgenommen, besser zu werden als der beste Junge in der Gruppe. Innerhalb einer Woche konnte er einen perfekten Spagat. "Kein einziges Mal habe ich dabei geheult...!" Über die ungeheure Willenskraft des heute Elfjährigen kann man wirklich nur staunen. Dabei "heulte" er sogar ziemlich oft, und zwar immer dann, wenn sein Trainer sagte: "Irgendwann musst du jetzt aber doch mal nach Haus gehen", oder wenn ihm eine neue Übung nicht gleich gelingen wollte oder wenner, wie es zweimal passierte, im Wettkampf beim allerletzten Sprung den sicher geglaubten 1. Platz verlor. Zu verlieren, das gefällt ihm gar nicht, obwohl er weiß, wie man sich dann verhaltensoll: "Nicht in die Vergangenheit sehen, nur nach vorne." Inzwischen ist Jan-Ole seit drei Jahren in Niedersachsen ungeschlagen, er wurde Deutscher Vize-Meister beim Deutschlandpokal und beim diesjährigen Deutschlandpokal als jüngster Teilnehmer der beste Niedersachse. Bereits zum zweiten Mal qualifizierte er sich für den Perspektivkader des Deutschen Turnerbundes. Längst will er nicht mehr nur besser werden, als sein großes Vorbild, der 19jährige Deutsche Meister Fabian Hambüchen, sondern sogar als sein Trainer Bernd Jäger. Der gewann einst mit der DDR-Mannschaft die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Montreal: "Das will ich auch - aber nicht die Bronzemedaille...!" Sechs- bis siebenmal in der Woche trainiert er und seine Mutter Christiane sagt, sie konnte oft nichthingucken, wenn er sich am "Pferd" die Beine blau schlug oder die Hände mit Verbänden um wickelt wurden, weil die Haut in Fetzen herunterhing. Zu stoppen war Jan-Ole nie. "Turnen ist meine Freizeit - und in der Freizeit darf ich tun, was ich will!" Dass auch sein Vater Hans-Jörg ein sehr erfolgreicher Turner war, wusste er lange Jahre gar nicht. "Ich habe es ihm lieber erst gesagt, als klar war, dass er von ganz alleine weiter turnen will", meint der. Die Eltern, beide sehr engagiert im VTR, haben ein großes, schönes Haus in Rolfshagen, wo es auch einen Trainingsraum gibt, mit Whirlpool, in dem sich Vater und Sohn entspannen und oft lange, intensive Gespräche führen, über den Sport und über das Leben. Vielleicht liegt es auch daran, dass Jan-Ole, ein guter Schüler ist, den Deutschunterricht besonders mag und liebend gerne Aufsätze und Geschichten schreibt. Demnächst wechselt er aus einem Teilzeit-Internat in Hannover ans Rintelner Ernestinum. Eine zeitlang trainierte er im Olympiazentrum von Hannover, aber dort fehlte ihm sein vertrauter Trainer so sehr, dass er in den VTR zurückkehrte. Später will er mal Sportarzt werden. Irgendwann, nach den Olympischen Spielen 2012. Ist er denn da dabei? "Ganz sicher!"

Auf dem Schulhof Turnkunststücke zeigen, das wird er wohl nicht.
  • Auf dem Schulhof Turnkunststücke zeigen, das wird er wohl nicht. Aber wenn er mit seinen Eltern in Sylt Urlaub macht, dann sammelt sich schnell eine Zuschauergruppe um den Jungen, wenn er in schlafwandlerischer Sicherheit einen 10-fach-Flic-Flac bis zum Wasser hinlegt, rückwärts durch die Luft vom Strandkorb hüpft oder mit seinem Vater einfach zwei Minuten lang kopfsteht. Foto: cok

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