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Trockenster April seit Aufzeichnung des Wetters / Ältere erinnern sich an das Jahr 1959

Jahrhundert-April macht Landwirten Sorgen

Weserbergland (roh). Die Wetterdienste hatten es prognostiziert und bereits Mitte April stand fest: Es wird einer der trockensten April-Monate aller Zeiten werden. Die traurigen Zahlen am Ende dieses für Landwirte Horrormonats lauten: 11,9 Grad Celsius Durchschnittstemperatur in ganz Deutschland – 4,5 Grad zu warm. Und: Nur drei bis fünf Liter Niederschlag pro Quadratmeter – nicht einmal 10 Prozent der üblichen Aprilwerte. Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock, seit 30 Jahren Landwirt, meint: „Der April vor zwei Jahren war schon viel zu trocken und nun schon wieder ein für uns Landwirte im Weserbergland trauriger Rekord.“

veröffentlicht am 10.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Vertrocknete Blätter, rissiger Boden: Der trockenste April aller

Stukenbrock und seine Kollegen hoffen nun auf ergiebigen Landregen über einige Tage mit 20 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. „Auf den Feldern gehen die geschwächten Pflanzen bereits ein“, erklärt der Landwirt. Zwar habe es in den letzten Tagen zumindest nennenswerte Niederschläge von bis zu 12 Litern pro Quadratmeter gegeben, aber: „Die Pflanzen waren in ihrer Entwicklung schon sehr weit, und ob sie sich von dem Aprilstress erholen, ist ungewiss.“ Das Problem sei aber nicht nur der ausgebliebene Niederschlag im April, weiß Stukenbrock, auch die verhaltenen Winterniederschläge, der permanente Hochdruckeinfluss und der dazugehörige Ostwind hätten die Böden bereits äußerst strapaziert.

„Gott sei Dank haben wir hier im Weserbergland schwere Böden, sodass der geringe Niederschlag in der Krume hängen bleibt. In Brandenburg steht man vor noch größeren Problemen“, sagt der 59-Jährige. „Dort rechnet man, wenn sich das Wetter nicht deutlich ändert, mit bis zu 50 Prozent Ernteeinbußen.“ Die Böden hätten zudem eben wegen der allgemeinen Wetterlage keine Reserven für eine solche Trockenphase bilden können. Im Weserbergland komme es möglicherweise aber ebenfalls richtig dicke: Ohne ausreichend Regen sei mit bis zu 30 Prozent weniger Ertrag zu rechnen. „Das ist für uns alle ein bedrohliches Szenario“, mahnt Stukenbrock.

Keine guten Erinnerungen weckt der trockene April bei Wilhelm Leweke. Der ehemalige Landwirt aus Harderode denkt mit Grausen an das Jahr 1959 zurück. „Damals hatten wir auch ein ähnlich trockenes Frühjahr und der Sommer war dann auch sehr trocken. Am Ende reichte es gerade einmal für 250 Doppelzentner Zuckerrüben pro Hektar, der sonst 400 Doppelzentner erbracht hat.“ Lewekes Familie bewirtschaftet seit 1787 Felder im Weserbergland. Die Landwirtschaft insgesamt habe sich in den letzten 50 Jahren sehr verändert, meint Leweke. „Klar, auch damals wurden die Betriebe vor große Herausforderungen gestellt, aber es gab viel mehr Betriebe, vor allem waren sie kleiner und man hat sich gegenseitig geholfen und die Familie wurde eingeschworen.“

Stukenbrock weist in diesem Zusammenhang noch auf einen weiteren Aspekt hin: „Heute wie früher macht das Wetter, was es will mit dem Unterschied, dass Wetterkapriolen heutzutage auf den nationalen und internationalen Märkten zu Preisspekulationen führen.“ Große Futterbetriebe beispielsweise kauften nur die Menge an Getreide ein, die sie in möglichst kurzer Zeit wieder absetzen kann, so der Landwirt, weil sie fürchten, sie könnten einen Preisverfall verpassen.

Alles steht und fällt – da sind sich Stukenbrock, Leweke und die Landwirte der rund 600 Betriebe des Landkreises einig – mit dem Wetter. „Regen und Sonne im richtigen Verhältnis, das brauchen wir jetzt dringend“, sagt Stukenbrock und düngt voller Optimismus seine Felder.



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