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Eltern bangen kurzzeitig um positives Votum / Heftige Kritik an der Verwaltung

Ja zur Ganztagsschule in Wallensen – doch weiter Streit um Schließungen

Salzhemmendorf (hen). Für einen Moment hielt Jens Kottlarz den Atem an: Der Vertreter des Wallenser Schulvorstandes hatte damit gerechnet, dass der Beschluss zur Ganztagsschule genauso schnell und ohne Diskussion wie zuvor das „Ja“ zur Namensänderung der Schule in „Humboldtschule“ erfolgen würde. Schließlich war das Konzept in den zuständigen Gremien ausführlich vorgestellt und beraten worden.

veröffentlicht am 11.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 14:17 Uhr

Schule Wallensen

Salzhemmendorf (hen). Für einen Moment hielt Jens Kottlarz den Atem an: Der Vertreter des Wallenser Schulvorstandes hatte damit gerechnet, dass der Beschluss zur Ganztagsschule genauso schnell und ohne Diskussion wie zuvor das „Ja“ zur Namensänderung der Schule in „Humboldtschule“ erfolgen würde. Schließlich war das Konzept in den zuständigen Gremien ausführlich vorgestellt und beraten worden. Doch nachdem SPD-Fraktionschef Walter Kramer sich zu Wort gemeldet hatte und dabei betonte, dass die Entscheidung für die Einrichtung der Ganztagsschule keinen Einfluss auf spätere Schulstandorte haben dürfte, erhob sich Helmut Schmiedekind. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende erklärte, er könne nicht vorbehaltlos zustimmen. Gleichwohl halte er das Engagement der Eltern für „bemerkenswert und lobenswert“. Er gab jedoch zu bedenken, dass ein Schulentwicklungskonzept längst überfällig sei. Mit Blick auf die demografische Entwicklung müsse allen Beteiligten klar sein: Bei einer prognostizierten Zahl von 60 Geburten sei nur eine und gut funktionierende Grundschule möglich – „dazu wird es nicht kommen, aber vier Grundschulen werden wir auch nicht halten können“. Schmiedekind appellierte, man müsse „mal zur Kenntnis nehmen“, dass von ursprünglich 12 000 Einwohnern schon bei der nächsten Wahl nur 10 000 blieben, was auch Auswirkungen auf die Größe von Rat und Ortsräten nach sich ziehe. „Das sind Fakten“, so der Grüne, der sich dafür den Vorwurf von Karl-Heinz Grießner (SPD und selbst engagierter Wallenser) einhandelte, ausgerechnet Schmiedekinds Partei trete als Demografie-Mahner auf, statt sich für den Erhalt der Infrastruktur einzusetzen. „Ich dachte, die Sache wäre klar“, zeigte sich der Sozialdemokrat enttäuscht: „Dann dürfte man auch in Oldendorf nicht so viel investieren.“ Eckhard Füllberg, stellvertretender CDU-Chef, erklärte für die Gruppe, es gehe hier nicht um Schulstandorte und appellierte wie Marita Schütte (CDU), schon angesichts des Elternengagements und der Einstimmigkeit im Ortsrat die Ganztagsschule „auf den Weg zu bringen.“ Dietmar Müller sprang seinem Fraktionskollegen zur Seite und betonte: „Wir Grünen haben keinen Fraktionszwang.“ Müller sei für den Beschluss, mahnte aber: „Warum tun wir immer so, als ob es den demografischen Wandel nicht gäbe?“ Die Diskussion wurde immer heftiger geführt; Udo Stenger (BWG) warf der Verwaltung vor, sie sei nicht in der Lage, die von der Politik gewünschten Fachleute zusammenzubringen, um eine Entscheidung über die Zukunft der Schulstandorte sachgerecht vorzubereiten: „Seit vier Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema und kommen nicht weiter. Je näher wir an die Kommunalwahl rücken, umso schwieriger wird das.“ Erstaunte Gesichter und schließlich auch deutliche Kritik erntete Bürgermeister Martin Kempe, als er erklärte, die Verwaltung bemühe sich um die entsprechenden Schulexperten, dies sei aber äußerst schwierig. Stenger: „Das war eine Bankrotterklärung.“ Erst Reinhold Breyers (SPD) Appell, die Argumente seien ausgetauscht, beendete die emotional geführte Debatte.



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