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Klaus Kothe (75): Amateurboxer und Restaurantmanager

"Ja - ich bin zäh": Von einem Leben in der Gastronomie

Rinteln. Er könnte ein ganzes unterhaltsames Buch füllen mit der Geschichte seines Leben, Klaus Kothe (75), der einst ein herzgeschwächter Junge war, dann erfolgreicher Amateurboxer wurde und schließlich große Gastronomien managte, bis er sein eigenes Haus in Minden aufmachte und heute in Rinteln lebt. "Der Kothe, das ist ein Brecher!" - dieser Satz käme sicher oft vor in so einem Buch.

veröffentlicht am 27.09.2007 um 00:00 Uhr

Eiserner Wille: Klaus Kothe.

Autor:

Cornelia Kurth

"Ja - ich bin zäh!", sagt er. Vor genau 60 Jahren begann der noch immer jung und munter wirkende 75-Jährige mit einer Lehre als Koch im Saalfelder Mauxion-Hotel, ein erstklassiges Haus, das zur berühmten Mauxion-Schokoladenfabrik gehörte. Gleichzeitig begann er mit dem Boxen und trainierte wie ein Verrückter, neben der schweren Arbeit im Hotel. "Ich wollte meine Herzschwäche einfach nicht wahrhaben", sagt er. "Deshalb war mir schon als Kind kein Baum zu hoch, kein Zaun zu spitz", sehr zum Kummer der Mutter, die den herzkranken Jungen so oft ganz blass und mit blauen Lippen von seinen Abenteuern zurückkommen sah. Der eiserne Wille zahlte sich aus. Als er mit 17 ganz allein aus der ehemaligen DDRüber die grüne Grenze floh ("Ich wollte frei sein!"), konnte ihm ein Freund gleich einen Job als Jungkoch in einem angesehenen Herforder Hotel besorgen. Und es dauerte auch nicht lange, da machte er sich in seiner neuen Umgebung einen Namen als Boxer, der durch K.o. siegen kann und selbst nicht k.o. gehauen wird. 1953 wurde er Ostwestfalenmeister im Halbschwergewicht. "Das alles hat mein Selbstbewusstsein gestärkt." Noch in der Ex-DDR hatte er als Bäckergehilfe für die Russen gearbeitet und dabei allerlei Überlebenstricks gelernt, wie zum Beispiel den, seine Hosenbeine unten zusammenzubinden, sie mit Mehl aufzufüllen und den Schatz nach Hause zu schmuggeln. In der Herforder Nachkriegszeit mischte er sich unter die Kleinschieber und hatte als Koch immer gute Dinge anzubieten. Das Kellerloch, in dem er zusammen mit den anderen Angestellten hauste, wurde durch sein Schiebertalent recht bald zu einem gemütlichen Clubraum. Sein Organisationsgeschick kam ihm durchaus auch zugute, nachdem er in Heidelberg eine staatliche Hotelfachschule für die gehobene Laufbahn besuchte und danach mit 23 Jahren stellvertretender Geschäftsführer des in Bonn neu eröffneten Kaufhof-Restaurants wurde. Diese neue Art der Gastronomie auf den rechten Weg zu bringen, gelang ihm so gut, dass er in der Kölner Kaufhof-Zentrale das Casino leitete und danach immer eingesetzt wurde, wenn irgendwo ein weiteres Kaufhof-Restaurant zu eröffnen war. Da hieß es dann: "Der Kothe, der ist ein Brecher!" Und doch: "Ich habe so viel gemacht, mich mit Haut und Haaren eingesetzt, aber mir war klar: Wenn man in so einem Konzern mal krank wird, schießen einen die anderen ab wie die Katzen!" Also machte er sich selbstständig, als Manager für Hotels und Gastronomien. Nicht aufzuzählen, wo überall er Konzepte erfand und durchsetzte und dazu beitrug, dass sich die Umsätze steigern konnten. "Ach - bei so was bin ich immer aufgelebt!" Schließlich kaufte er sich 1970 selbst ein Restaurant, die "Laterne" in Minden, die in den Restaurantführern mit ihrer ausgezeichneten Küche immer im oberen Level stand. Es lief, wie gewohnt, alles wunderbar, die Umsätze stiegen, prominente Gäste (darunter Altbundeskanzler Helmut Kohl) kamen vorbei, neue Pläne entstanden und wurden umgesetzt, zum Beispiel der Bau einer Bundeskegelbahn. Aber dann erwischte auch ihn mal das Pech: Gerade, als die großen Umbauinvestitionen getätigt waren, riss man direkt vor der "Laterne" die Straße auf. Ein ganzes Jahr war das Haus nur über eine Baustelle zu erreichen, es gab keine Parkplätze, die hohen Gästezahlen reduzierten sich. Unterkriegen ließ er sich trotzdem nicht. Nach 20 Jahren "Laterne" machte er zwischendurch mal eben den "Schaumburger Ritter" an der Schaumburg auf, arbeitete als Koch für das "Haus des Gastes" in Bad Eilsen und auch jetzt noch ist er überall einsetzbar, wo in der Gegend was Besonderes in der Gastronomie los ist. "Trotzdem bin ich froh, dass ich die ganz große Verantwortung inzwischen nicht mehr tragen muss", meint er. Und schließlich: Für Freunde zu kochen und ihnen ein wunderbares Festmahl zu bereiten, das war schon immer eine Freude von ihm.



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