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Ein Hobby nicht nur für Millionäre / Unauffälliges Auftreten bei der Schatzsuche ist oberste Maxime

„Ja, auch leere Flaschen machen süchtig“

Hessisch Oldendorf (ll). „Glas braucht Licht“, sagt Albert Schwiezer. Der Heßlinger ist leidenschaftlicher Sammler von alten Flaschen, Gefäßen und Trinkgläsern. Stolz und glücklich schätzen sich Schwiezer und seine Mitstreiter, dass es jetzt gelungen ist, eine von fünf jährlichen Glassammler-Ausstellungen in Deutschland im lichtdurchfluteten Hessisch Oldendorfer Kultourismus-Forum zu organisieren.

veröffentlicht am 23.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.03.2010 um 15:27 Uhr

„Durch die gläsernen Wände und den großen Lichteinfall wirken die Gläser besonders schön“, meint Albert Schwiezer. Deshalb solle die Ausstellung in Hessisch Oldendorf am vergangenen Wochenende auch nicht die letzte an diesem Ort gewesen sein – auch weil sich der Veranstaltungsort inmitten einer einstmals blühenden Region der Glasindustrie befinde, so der Heßlinger Sammler.

Die große Faszination seines Hobbys liegt in dem Reiz des Glases an sich. Die Ästhetik der Fundstücke und der kulturhistorische Hintergrund hätten die ausgeprägte Sammelleidenschaft Schwiezers hervorgerufen. „Irgendwie hat mich die Glaskrankheit gepackt“, sagt der Sammler über sich selbst. Glas ist ein jahrtausendealter Werkstoff. Immer wieder lassen sich auf den Sammlertreffen Bruchstücke aus der frühen Antike finden. Von wirklich großem Glück könne man sprechen, meint Schwiezer, wenn einmal ein mehrere tausend Jahre altes Exemplar auftaucht.

Das große Glück auf einen antiken Fund ist den Sammlern in Hessisch Oldendorf zwar nicht beschieden. Dennoch seien einige der ausgestellten Sammlerstücke bereits im 17. Jahrhundert hergestellt worden, wie Schwiezer weiter erklärt. Und dabei sind auch so außergewöhnliche wie skurrile Exemplare wie eine „Taschenflasche für Hustende“ aus dem 19. Jahrhundert, die Sammler Olaf Koch aus Flensburg mit in die Weserstadt brachte. Das kleine Utensil aus blauem Glas sei zu Zeiten der Infektionskrankheit Tuberkulose ein beliebtes Gerät zur „Einhaltung der Hygiene“ gewesen, sagt Koch.

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Ob altes Zeug oder kostbarer Schatz: Wenn Dinge reden könnten, dann gäbe es viele Geschichten zu hören. „Glas erzählt sehr viel“, sagt Albert Schwiezer.

Alte Trinkgewohnheiten ließen sich durch die vielen Milch-, Bier- und Weingläser ablesen, und es gebe etliche Hinweise auf das Haltbarmachen und Lagern von Speisen. Die gläsernen Relikte der Vergangenheit zeigten gelebtes Leben, führt Schwiezer aus. Glassammeln als Hobby zu haben, bedeute aber auch einen großen Bedarf an Lagerkapazität. „Ich habe zum Glück viel Platz zu Hause“, sagt Schwiezer, der vor ein paar Jahren bereits über 16 000 Sammlerstücke dem Westfälischen Industriemuseum zur Verfügung stellte. „Ja, auch leere Flaschen machen süchtig“, sagt ein Ausstellungsbesucher.

Auf der Suche nach jahrhundertealten Flaschensiegeln ist ein absolut unauffälliges Auftreten des Glasliebhabers oberste Maxime. Sammler seien stets darauf bedacht, ihre teils kostspielige Leidenschaft nicht sofort jedem zu offenbaren. „Sonst wird gleich vermutet, wir seien Millionäre“, meint der Unbekannte.



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