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Bislang scheuen Frauen vor Jobs rund um künstliche Intelligenz zurück

IT-Branche feilt an Imagewandel

Viele Unternehmen suchen derzeit händeringend nach Softwareentwicklern und IT-Anwendungsberatern. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Oft dauere es Monate, bis eine freie Stelle mit einem geeigneten Bewerber besetzt sei, so die Nürnberger Bundesbehörde. Vor allem Frauen zeigen wenig Interesse.

veröffentlicht am 05.06.2019 um 12:59 Uhr

Um mehr Frauen für Jobs im Bereich künstliche Intelligenz zu begeistern, hält die Branche einen Imagewandel für notwendig. Bisher würden sich nur wenige Frauen bewerben, sagte die Chefin der visuellen Suchmaschine Nyris, Anna Lukasson-Herzig, der Deutschen Presse-Agentur. „Sie verbinden keine schöne Arbeitsatmosphäre mit diesen Jobs“, sagt Lukasson-Herzig. Viele Frauen hätten Vorurteile: „Lauter Männer sitzen vor vielen Monitoren, im Keller, haben Headphones an, keiner spricht miteinander, keiner lacht. Da hat kein Mädel Bock drauf. Da müssen wir raus, und dann haben sie auch Lust mitzumachen“, sagte Lukasson-Herzig.

 

Zudem trauten sich viele Frauen einfach nicht, sich für Jobs rund um künstliche Intelligenz zu bewerben. Die Ursache dafür liege häufig bereits in der Kindergartenzeit. Nötig sei eine gemeinsame gesellschaftliche Anstrengung, forderte Lukasson-Herzig: „Wir müssen alle weiter daran arbeiten, dass Mädchen kein Blödsinn eingeredet wird.“ Der Frauenanteil in der Branche liegt in Deutschland nach Angaben des Weltwirtschaftsforums (WEF) bei 16 Prozent. Das WEF hatte die große Lücke zwischen Männern und Frauen in der KI jüngst als einen Grund dafür angeführt, dass die Geschlechtergerechtigkeit hierzulande nicht vorankomme.

 

„Es muss die Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen sein, dieses Defizit zu mindern. Das fängt in der Schule an und geht über die Universitäten bis hin in die Betriebe“, sagt der Chef des Bundesverbands Künstliche Intelligenz, Jörg Bienert. Der Verband fordert, Informatik bereits von der dritten Klasse an als Pflichtfach in der Schule einzuführen, da das Interesse für Technik bereits in der frühen Kindheit geweckt werden könne.

 

Eine Quotenregelung ist für die Branche aber kein Thema. „Ich glaube generell begrenzt daran, dass Quoten oder erzwungene externe Maßnahmen zweckführend sind“, sagt die Chefin des Berliner Datenanalyse-Start-ups Anacode, Janna Lipenkova. „Vielmehr sollte man insbesondere in der Ausbildung Wert darauf legen, auch Frauen den gesamten Horizont der Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen das nötige Selbstbewusstsein auf den Weg zu geben, ihr Potenzial voll zu entfalten.“



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