weather-image
×

Immer mehr junge Menschen interessieren sich nicht für das soziale Netzwerk

Ist Facebook nicht mehr cool?

Facebook ist alt geworden, oder soll man sagen „erwachsen“? Tatsache scheint, dass Jugendliche dieses soziale Netzwerk im Internet inzwischen etwa so spannend finden wie eine vormalige Szenekneipe, die inzwischen jeden Abend von ihren Eltern und Großeltern besucht wird. „Seit meine Mutter Facebook dazu benutzt, mir Nachrichten zu schicken wie: Hast du dein Zimmer inzwischen aufgeräumt – spätestens seitdem hat es mir gereicht“, meint etwa der 15-jährige Hamelner Leon. „Die meisten, die ich kenne, sind nur noch aus Prinzip bei Facebook angemeldet, aber sie benutzen es nicht.“

veröffentlicht am 24.04.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 08.05.2015 um 10:51 Uhr

Autor:

Auch die drei Schülerinnen aus einer achten Klasse der Rintelner Hildburg-Realschule zucken beim Stichwort Facebook eher desinteressiert mit den Schultern. „Wir sind da nicht“, sagen Anina und Lea, beide 13 Jahre alt. Wenn sie auf das Surren ihres Handys reagieren, dann handelt es sich also nicht, wie es drei, vier Jahre zuvor bei Gleichaltrigen wohl der Fall gewesen wäre, um Facebook-Nachrichten, sondern um solche von „WhatsApp“, dem ausgesprochen beliebten Smartphone-Programm, mit dem man Fotos, Filme, Audio-Dateien und natürlich auch, wenn man will, Texte versenden kann.

„WhatsApp“, da wissen viele ältere Leute gar nicht so richtig, was das ist, genau so wenig wie etwa „Instagram“ oder „Snapchat“, ebenfalls Programme, also Apps, mit denen man auf die Schnelle vor allem Bilder an Freunde versendet. Da ist (meistens) kein Vater, der sieht, dass man zu nachtschlafender Zeit online ist, keine Mutter, die sich aufregt über Fotos oder Witze, keine Eltern von Freunden, die man unvorsichtigerweise in die Freundesliste aufgenommen hatte und die weitertratschen, was man eigentlich nur „echten“ Freunden mitteilen wollte. „Whatsapp, das ist viel privater als Facebook“, meint Anina. „Man hat die Kontrolle über seine Kontakte und Gruppen. Und, was mir besonders gefällt: Oft sind die Leute ganz anders, viel sympathischer als in der Schule.“

Jil, die 14 Jahre alt ist, gehört selbstverständlich auch zu den „Whatsapp“-Nutzern, sie hat Facebook aber als ihre Startseite auf dem PC eingerichtet. „Früher“, sagt sie, „hab ich dort viel mehr mit meinen Freunden gechattet. Jetzt gucke ich nur noch, ob jemand was gepostet hat, Witze, Bilder, aber ich selbst beteilige mich daran nicht.“ Es wäre eben auch so, dass viele, die sie kennt, nicht bei Facebook seien, aber eigentlich alle bei „Whatsapp“. Allein schon das mache die Sache einfacher.

2 Bilder

Weil das ein Trend ist, und weil es auch Schülerinnen gibt wie Therese vom Gymnasium Ernestinum, die schon seit Monaten gar kein Handy mehr besitzt und trotzdem bestens klarkommt, wie sie sagt, deshalb heißt es in Studien etwa von „Faktenkontor“ oder „Toluna“, das soziale Netzwerk Facebook werde nach und nach aus Mangel an Nachwuchs entschieden an Bedeutung verlieren. Ihren Untersuchungen zufolge waren im Jahr 2014 nur noch etwa 38 Prozent aller deutschen Internetnutzer wirklich aktiv auf Facebook, fast zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor und fast 50 Prozent weniger als im Jahr 2012. Mit „aktiv“ ist gemeint, dass man sich regelmäßig an den Online-Kommunikationen beteiligt.

Tata Ovanesov, in Rinteln aufgewachsen, inzwischen Studentin in Göttingen, sie gehört, ebenso wie ein guter Teil ihrer Freunde und Bekannten, zu den eher „passiven“ Facebook-Nutzern. „Ich gucke ja immer sofort, wenn ich am PC bin, was so auf Facebook los ist“, sagt sie. „Aber ich selbst habe nur ein paar Fotos eingestellt.“ Es kämen oft private Nachrichten von Freunden rein, und außerdem habe sie einige Zeitungen „abonniert“, deren Artikel dann auf ihrer Startseite erscheinen. Ab und zu posten auch Leute aus ihrer Freundesliste interessante Artikel oder Songs. „Ich muss allerdings gestehen, dass ich fast nie irgendwo ein ‚Gefällt mir’ hinterlasse. Vielleicht gehöre ich auch deshalb zu den ‚passiven‘ Nutzern.“

Ganz anders sieht es da etwa bei Stephanie Schulte-Rolfes aus dem Auetal aus. Sie ist Jahrgang 1961, gehört also zur besagten Elterngeneration, von der es heißt, sie habe Facebook okkupiert und damit zu entscheidenden Veränderungen beigetragen. „Ich würde auf diese Art von Sozialem Netzwerk auf keinen Fall mehr verzichten wollen“, sagt sie. „Irgendwie verbinde ich dadurch mein eigenes Nachdenken mit der Welt, so kommt es mir vor.“ Stephanie Schulte-Rolfes, als Teilzeit-Buchhändlerin tätig, liest sehr viele Bücher, sie verfolgt mehrere Tages- und Wochenzeitungen, dazu Radiosender, und sie ist Mitglied in „Gruppen“, in denen sich Hobbyautoren austauschen oder Bücher rezensiert werden.

„Außerdem unterstützt Facebook meine missionarische Ader“, sagt sie. „Ich verlinke Artikel für meine Freundesliste mit Themen, die ich spannend finde, und wünsche mir, dass sie sie lesen. Ich kommentiere auch Beiträge von anderen oder hinterlasse Kommentare unter Zeitungsartikeln und bin dann sehr neugierig auf die Reaktionen von Menschen, die ich gar nicht kenne.“ Manchmal stellt sie auch eigene Texte ein und fast jeden Abend wünscht sie allen, die ihr „folgen“, also sehen können, was sie schreibt, eine Gute Nacht. „Ich hoffe ja immer, dass meine Kinder angeregt werden könnten von dem, was ich da hinterlasse.“ Allzu groß ist die Hoffnung allerdings nicht, so selten, wie die Kinder im Netzwerk online sind.

Wäre sie das Kind von Uwe Kurt Stade aus Rinteln, dann hätte der sicherlich eine treue Leserin, stellt er doch regelmäßig eine schöne Alltagskolumne auf seine Seite. Uwe Kurt Stade ist 73 Jahre alt, ein kommunikationsbegabter Mann, der schon vor Jahren die diesbezüglichen Möglichkeiten des Internets zu schätzen wusste und sich vor zweieinhalb Jahren dazu entschloss, Facebook beizutreten. „Ich kann mich noch genau daran erinnern“, sagt er, „weil es ein so tolles Gefühl war, alle meine Neffen, Nichten und Enkelkinder anzuschreiben, alte Freunde wiederzufinden oder Kontakte zu Bekannten aufzufrischen.“

Ebenso wie Stephanie Schulte-Rolfes hat er jede Menge Medienangebote abonniert, außerdem ist er Mitglied in so einigen Gruppen, in denen sich Rintelner untereinander austauschen, sei es, weil sie gegen die Einrichtung ein Güterverkehrs-Bahntrasse sind, sei es, weil sie Flohmarktartikel anbieten, weil sie zum Heimatbund gehören oder etwa Stades Forschungen rund um Freimaurerlogen unterstützen können. Fast jeden Tag korrespondiert er zum Beispiel auch mit Rintelns ehemaligenm Stadtführer Alfred Schneider, der sich eine neue Existenz in Paraguay aufgebaut hat. „Man lernt außerdem wirklich neue Menschen kennen“, sagt er.

„Mit manchen Mitbürgern, die ich fast nur über Facebook kannte, komme ich bei Stadtspaziergängen ins Gespräch.“ Folgt man dem Börsenbericht von 2015, dann besitzt Facebook etwa 28 Millionen Nutzer in Deutschland, von denen immerhin etwa 64 Prozent täglich aktiv sind, also selbst etwas zum Austausch innerhalb des Netzwerkes beitragen. Der Kurznachrichtendienst „Twitter“ kann da mit insgesamt 3,2 Millionen aktiven Nutzern nicht annähernd mithalten, ebensowenig wie die Mobilfunk-App „Instagram“, oder „Pinterest“, eine Art Online-Pinnbrett zur kommentierten Bilderpräsentation rund um eigene Interessen, von denen man hofft, dass andere sie weitergeben. Soziale Netzwerke wie „Tumblr“, wo Nutzer ihre Blogs miteinander verknüpfen, sind insgesamt zu anspruchsvoll, um mit höheren Millionenzahlen auftreten zu können. „Whatsapp“, das Lieblingskommunikationsmittel für Teenager, es hat mit etwa 35 Millionen Nutzern Facebook in Deutschland überholen können.

Eigentlich kann diese App aber nicht zu den sozialen Netzwerken zählen, pflegt man damit doch überwiegend diejenigen Kontakte, die man eh schon hat. Mit entfernteren Menschen oder gar Fremden tritt man über WhatsApp kaum in Beziehung, und so erreicht man mit Dingen, die einem über das ganz Persönliche hinaus wichtig sind, keine neuen Interessierten.

Effekte wie die, dass ein Bild, eine Nachricht oder ein Aufruf im Handumdrehen ganz Deutschland erreichen, sie sind über Whatsapp kaum möglich, unter anderem deshalb, weil es die Funktion des „Teilens“ nicht gibt, durch die einen Nutzer auch Nachrichten von „Freunden von Freunden“ erreichen, die nicht in der eigenen Kontaktliste stehen. Als die Rintelner Schülerin Alina darüber nachdenkt, ist sie sich gar nicht mehr sicher, dass Facebook sie niemals wirklich interessieren wird. Es hat schon seinen Reiz, ein zum Beispiel politisches Anliegen über den engen individuellen Kreis hinaus weitertragen zu können.

Auch aus solchen Gründen heraus zweifeln viele Forscher daran, dass Facebook in absehbarer Zeit quasi an Überalterung eingehen wird. Und finanziell wird es wohl auch nicht eng werden, gehört Whatsapp doch, ebenso wie Instagram, schon längst Facebook Besitzer Mark Zuckerberg.

Viele Studien bescheinigen dem sozialen Netzwerk Facebook, für junge Nutzer nicht mehr

attraktiv zu sein. Diese nutzen stattdessen „Whatsapp“,

„Instagram“ oder „Snapchat“. Liegt es daran, dass sie sich kein Netzwerk mit ihren Eltern und Großeltern teilen wollen?

Whatsapp hat Facebook bei den Nutzerzahlen überholt

Twitter kann bei den Nutzern nicht mit Facebook mithalten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt