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Sorge um den Pfad: Bei „Vater Vespermann“ häufen sich die Beschwerden über die Forstverwaltung

Ist der historische Bergmannsweg in Gefahr?

Coppenbrügge (ist). Zum x-ten Mal im Verlauf des vergangenen Jahres haben Friedrich Wilhelm Vespermann und Dieter Frank soeben am Südrand des Nesselberges zwischen Brünnighausen und Salzburg mit dem Seitenschneider für sauberen Unterholzschnitt und freien Durchgang durch die Buchenarkaden des in diesem Bereich schnurgeraden Trampelpfades gesorgt. Erstmalig haben sie einen Großteil der 200 kleinen Bergmänner – quadratisch, schwarz auf gelbem Grund – neben den Buchen an den Pfahl geschlagen.

veröffentlicht am 10.12.2009 um 12:11 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 14:34 Uhr

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Coppenbrügge (ist). Zum x-ten Mal im Verlauf des vergangenen Jahres haben Friedrich Wilhelm Vespermann und Dieter Frank soeben am Südrand des Nesselberges zwischen Brünnighausen und Salzburg mit dem Seitenschneider für sauberen Unterholzschnitt und freien Durchgang durch die Buchenarkaden des in diesem Bereich schnurgeraden Trampelpfades gesorgt. Erstmalig haben sie einen Großteil der 200 kleinen Bergmänner – quadratisch, schwarz auf gelbem Grund – neben den Buchen an den Pfahl geschlagen. Die Hinweisschilder mit dem historischen Hauer Haves begleiten nun den Wanderer über 21 Kilometer auf dem historischen Bergmannsweg von Bad Münder/Altenhagen bis nach Osterwald. Das Leader-Projekt „Bergmannsweg“ macht den fußläufigen Pendelverkehr müde geschundener Kumpel zum Osterwalder Bergwerksstollen des 16. bis 20. Jahrhunderts für den Freizeitwanderer der Fit- und Wellnessgesellschaft im frühen 3. Jahrtausend mit Panoramaaugenschmaus wiedererlebbar.

Eigentlich könnte man zufrieden sein… Da klingelt das Telefon in Vespermanns Wohnzimmer in Dörpe. „Die Bergmannswegstrecke von Salzburg nach Osterwald ist extrem schlecht zu laufen, da muss dringend was getan werden“, informiert ein Mitglied des Wanderclubs Rohrsen. Für Vespermann und Frank, die hinter der großen Fensterfront der ehemaligen Pausenhalle der Dörper Dorfschule mit Blick auf den Waldrand Kaffeepause machen, ist das nichts wirklich Neues. Zunehmend häuften sich die Beschwerdeanrufe, so der in Wanderkreisen als Vater, Hüter und regelmäßiger Inspektor des Bergmannswegs bekannte Vespermann. „Mit Sorge sehen wir den wiederbelebten historischen Pfad in Gefahr“, sagt auch Dieter Frank, der Kollege mit Seitenschneider an diesem Tag. Seit den Starkregenfällen der vergangenen Woche sei der Osterwalder Abschnitt in desolatem Zustand mit akuter

Rutsch-Sturzgefahr in Matschlöchern. Die würden, jetzt im Spätherbst unter Laub versteckt, nicht wirklich ungefährlicher. Was auch Wanderführer Karl Deiters, „Kalle vom Osterwald“, bestätigt. Grund, so Vespermann und Frank, seien Disharmonien mit dem Revierförster und dessen Aufbringverbot von Mineralgemisch zur Befestigung – trotz Genehmigung der Wegeführung durch die Niedersächsischen Landesforsten Braunschweig und ganz im Gegensatz zur hervorragenden Zusammenarbeit mit den drei Revierförstereien Köllnischfeld (Bad Münder), Jägerhaus (Springe) und Brünnighausen in den westlichen Wegabschnitten. Im Osterwalder Bereich liege das notwendige Mineralgemisch seit Wochen ungenutzt bereit, der Haufen beginne mittlerweile zu überwuchern. Revierförster Helmut Welge („Wer hier wandern will, soll Gummistiefel anziehen“), so die Meinung von Vespermann und Frank, strapaziere das Weisungsrecht des Forstbeamten über Gebühr.

Die nahezu ausschließliche Konzentration auf Holzwirtschaft konterkariere Natur- und Touristikbelange als Kern, Sinn und Zweck der Leader-Förderung und vernachlässige die Funktion Naherholung des Waldes, die ausdrücklich im Landesforstgesetz festgeschrieben sei. Außerordentlich undurchsichtig gestalteten sich die verworrene Hierarchie und damit Weisungsbefugnis der Dienststellen im Niedersächsischen Forstwesen. „Wer“, so Frank, „kann sich den Hut aufsetzen und entscheiden, ob und dass der historische Weg in der angedachten Form so ausgebaut wird, dass er weiterhin dem Anspruch eines gefahrlos begehbaren Naturwanderweges gerecht wird, der ja schließlich mit öffentlichen Geldern aus der Bürgertasche Europas finanziert worden ist?“

Das Projekt (Gesamtkosten 18 000 Euro) ist durch Leader-Mittel der EU (7572 Euro), einem Landkreisanteil von 5225 Euro und jeweils 2400 Euro der Gemeinden Coppenbrügge und Salzhemmendorf finanziert worden. Von einem „außerordentlich wertvollen Projekt“, einer einzigartigen Kombination von Naturerlebnis und lokaler Industriegeschichte, die gemeinsam und konstruktiv verhandelt werden müsse, spricht Hans-Martin Roese (Niedersächsische Landesforsten). Ohne Berücksichtigung der Grundsätze von ökologischer und zertifizierter Waldbewirtschaftung gehe es jedoch nicht. Auf Naturbelassenheit des Weges ohne Schotterung hatte man sich denn auch im Vorfeld und Acht-Augengespräch mit Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka (Coppenbrügge), Forstamtsleiter Joachim Menzel (Saupark), Revierförster Welge und Friedrich Wilhelm Vespermann geeinigt – und dabei solle es auch bleiben, so Menzel und Welge. Ausgeschlossen, meint dagegen Vespermann, zumindest stellenweise aufgrund der Unfallgefahr. Ein schwieriger Spagat zwischen festgefahrenen Waldfronten, unbefestigten Wegen und Verkehrssicherheit für Bürgermeister Peschka, der gerade den Gestattungsvertrag unterschrieben hat. Der macht die Gemeinden verkehrssicherungs- und unterhaltungspflichtig. Möglicherweise, so Peschka auf Vorschlag von Bauamtsleiter Jürgen Krückeberg, könne man sich auf Rindenmulch einigen und festen Tritt finden.



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