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Rolle der Frau in drei Weltreligionen / Diskussionsabend gut besucht

Islamistin für mehr Gelassenheit: "Die Probleme nichtüberspitzen!"

Bückeburg (bus). "Wir sollten Probleme weder verharmlosen nochüberspitzen sondern mit Gelassenheit ins Gespräch kommen und an der Verbesserung der Situation arbeiten." Der Grundtenor dieser Schlussaussage von Hamideh Mohagheghi kann als charakteristisch für den Verlauf des aktuellen "Abends der Religionen" genommen werden. Die Veranstaltung der Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz "Alle unter einem Dach" strahlte trotz aller unterschiedlichen Positionen und Einschätzungen eine bemerkenswerte Gelassenheit aus.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

Jonah Sievers (von links), Hamideh Mohagheghi und Anne Riemensch

Mohagheghi, Referentin für interreligiösen Dialog im Vorstand des muslimischen Frauennetzwerkes "Huda", vertrat in der unter dem Thema "Die Stellung der Frau in den drei Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum" stehenden Gesprächrunde die Position der islamistischen Frauen. Jonah Sievers, für die Bereiche Hannover, Schaumburg und Hameln-Pyrmont zuständiger Rabbiner aus Braunschweig, stellte die jüdische Sichtweise dar, Anne Riemenschneider, Pastorin an der Bückeburger Stadtkirche, die der Christen. Während der Illustrationen wurde schnell deutlich, dass sich das Thema ob seiner Vielschichtigkeit einer schlussendlichen Gesamterkenntnis entziehen würde. "Zu viele Quellen, zu viele Interpretationen", merkte Mohagheghi an. "Auch in den Schriften gibt es unterschiedliche Auslegungen", räumte Sievers ein. Und Riemenschneider gab auf die Frage nach der speziellen Rolle der Frau im Christentum zur Antwort: "Jeder antwortet anders." Verständlicherweise zeigte ein großer Teil des Publikums - knapp einhundert Personen, davon etwa anderthalbdutzend Männer; erwähnenswert viele junge Frauen - insbesonders an den Ausführungen von Mohagheghi und Sievers Interesse. Die als durchaus streitbar bekannte Theologin imponierte außer durch fundierte Sachkenntnis durch launige Einfügungen. Gott Allah habe die zwei Söhne Mohammeds sicher nicht deswegen früh sterben lassen, um den Propheten im Stich zu lassen. Das längere Leben der vier Töchter Mohammeds könne auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass Frauen sehr wohl in der Lage sind, die Botschaft des Propheten weiterzugeben. Rabbi Sievers - "als Mann kann ich die Thematik nur formal behandeln" - verdeutlichte die enormen Gegensätze zwischen orthodoxen und liberalen jüdischen Lebensgemeinschaften. Wobei beide Gruppen in den Schriften Bestätigung finden könnten. Einmal werde die Frau als geschwätzig und nicht besonders vertrauenswürdig hingestellt, an einer anderen Stelle heiße es: "Frauen haben den größeren Glauben." Riemenschneider führte der Zuhörerschaft am Beispiel der völligen Absenz weiblicher Würdenträger in der katholischen Amtskirche vor Augen, dass Frauen trotz zahlreicher positiver Entwicklungen im Gesamtchristentum eine wirkliche Gleichberechtigung nicht verbuchen können. Auf die Frage nach der speziellen Rolle der Frau im Christentum anspielend meinte die Pastorin unter dem Beifall der Zuhörerschaft: "Männer haben meines Erachtens auch keine spezielle Rolle." Da passt es gut ins Bild, dass just am Tag der Bückeburger Veranstaltung im Vatikan 20 Chefs der Kurien-Kongregationen und Räte zu einer zweistündigen Kabinettssitzung zusammenkamen und - laut Tagesordnung - über "Fragen nach der Befreiung von Zölibatsverpflichtungen" sprachen. Womit Papst Benedikt XVI, erstmals überhaupt, auf höchster Ebene und offiziell über das heikle Thema Ehelosigkeit katholischer Geistlicher beraten ließ.

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