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Gemeinschaftsfiliale im Wincklerbad

Investor setzt auf Trend zur Zweitpraxis

Bad Nenndorf (rwe). Ein Apotheker will dem Wincklerbad nach und nach neues Leben einhauchen. Hermann Rohlfs aus Uslar hat den großenteils denkmalgeschützten Komplex vom Land erworben und plant nun ein Gesundheitszentrum inmitten Bad Nenndorfs. Allerdings fehlen ihm bisher die Mieter. Der 44-jährige Investor ist auf der Suche nach vier Fachärzten, die in der Kurstadt eine Filiale eröffnen möchten. Zudem soll eine befreundete Apothekerin mit ihrem Geschäft in das Gebäude ziehen, die mit Rohlfs zusammen auch ein Sanitätshaus betreiben soll.

veröffentlicht am 03.05.2007 um 00:00 Uhr

Als guten Standort sieht Investor Hermann Rohlfs die Kurstadt. I

Das Leben hält immer wieder Zufälle bereit. Einer davon hat Hermann Rohlfs nach Bad Nenndorf geführt. "Eine Freundin von mir hat hier eine Apotheke übernommen", berichtet er. Sie habe ihm vom Wincklerbad erzählt. Er ging auf das Land als Eigentümer zu, wenige Wochen später unterschrieb er den Kaufvertrag. Auch wenn es das Tempo nicht vermuten lässt: "Die Verhandlungen waren schwierig", sagt Rohlfs. Das lag nicht unbedingt am Kaufpreis, zu dessen Höhe er sich nicht äußern möchte, sondern vor allem an den komplizierten Fragen zum Grundstück und den landeseigenen Versorgungsleitungen, die über das Gelände führen. Das Projekt steckt auch noch in den Kinderschuhen. Wer fertige Pläne sehen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Denn Rohlfs geht einen anderen Weg. Er hat das Wincklerbad gekauft, ohne bereits unterschriebene Mietverträge in der Tasche zu haben. Nicht einmal aktuelle Zeichnungen hat er. Ein Architekt soll das Gebäude zunächst aufmessen. Für Rohlfs, der in Uslar und benachbarten Landkreisen in Südniedersachsen vier Apotheken betreibt, ist es nach eigenen Worten nicht das erste große Objekt. Zwei Ärztehäuser und drei Seniorenheime habe er gebaut, mittlerweile sei er Inhaber einer Baufirma mit Geschäftsführer und 30 Beschäftigten, die demnächst auch in Bad Nenndorf anrücken werden. Was auf sie zukommt, steht nicht fest. Der Verbindungstrakt zwischen Wincklerbad und Moorbadehaus, in dem Orthopäde Franz Neuendorff eine Praxis betreibt, bleibt zwar stehen, wird aber unterhöhlt und erhält eine Einfahrt auf den Hof. Dortwerden die Nebengebäude abgerissen und Parkplätze angelegt. Für die Rückseite hat Rohlfs auch schon den ersten Mieter. Der Stadthäger Chirurg Professor Wolfgang Meyer-Marcotty eröffnet dort eine Filialpraxis mit zehn Sprechstunden pro Woche. Dabei nutzt er die Röntgengeräte seines Kollegen Neuendorff. Auf Synergien wie diese setzt Rohlfs in seinem "wohl landesweit einmaligen" Konzept, auf das ihn Meyer-Marcotty gebracht habe, wie er sagt. Die neue Gesetzeslage erlaube es denÄrzten, im gleichen Kassenbezirk eine Zweitpraxis zu eröffnen und dafür anteilig ein zusätzliches Budget zu erhalten. Der Investor will im historischen Flügel an der Bahnhofstraße eine Art Gemeinschaftsfiliale für vier Mediziner einrichten. Für jeden plant er zwei Behandlungsräume, dazu teilt sich das Quartett eine Rezeption und einen Wartebereich, den Rohlfs übrigens durch ein Café bereichern möchte. "Jeder hätte nur ein Viertel der Kosten." Der 44-Jährige guckt gezielt nach einem Kinderarzt und einem Urologen, aber auch für andere Fachrichtungen sieht er Bedarf in der Kurstadt. "Das Potenzial ist groß." Der Investor geht davon aus, schnell genug Kandidaten zu haben. Er erwartet einen Trend zur Zweitpraxis, doch allein lohne sich diese fürviele Ärzte nicht. Zugleich sei es schwierig, angesichts "einer sich täglich ändernden Gesundheitspolitik" heutzutage Mediziner für langfristige Mietverträge zu gewinnen. Rohlfs ist da flexibel. Der Standort lohne sich und es sei damit zu rechnen, dass der eine oder andere Mediziner im zweiten Schritt seinen Hauptsitz in das Wincklerbad verlegen werde. Für diesen Fall hält der Unternehmer im Obergeschoss genug "Ausbaureserve" bereit. Darüber hinaus plant er in dem Komplex eine Apotheke, in die dann seine befreundete Kollegin ziehen wolle. "Es wird deshalb keine zusätzliche Apotheke für Bad Nenndorf geben." Dem Geschäft will Rohlfs dann ein eigenes Sanitätshaus angliedern. Mit detaillierten Angabenüber die dafür nötigen Ausgaben hält sich der Investor zurück, zumal verlässliche Pläne fehlen. Um den Flügel am Kurpark - wie berichtet - zu einer Senioreneinrichtung umzubauen, schätzt er die Kosten auf bis zu drei Millionen Euro. Für den übrigen Bereich sei ein ähnlicher Betrag zu erwarten. Mögliche Altlasten oder die Auflagen der Denkmalschützer fürchtet er dabei nicht. Rohlfs: "Wer solch ein Gebäude kauft, sollte sich das vorher überlegen."



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