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Jetzt auch in der Weser: Sie frisst Laiche, Larven und Jungfische heimischer Arten

Invasion der Schwarzmundgrundel

HAMELN. Die vom Schwarzen Meer eingeschleppte Schwarzmundgrundeln haben sich in Rhein und Mosel stark vermehrt und verdrängen einheimische Fischarten. In der Weser ist sie bis Rinteln nachgewiesen worden. Angler sind sauer, Experten ratlos.

veröffentlicht am 15.05.2018 um 10:46 Uhr
aktualisiert am 15.05.2018 um 14:02 Uhr

Bewegt sich am Flussgrund fort: die Schwarzmundgrundel. Foto: dpa
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Jemand hat mal zu mir gesagt: „Stundenlang auf einen zu warten, den man noch nie in seinem Leben gesehen hat, ist irgendwie blöd“. Ja, das stimmt: Angeln ist jetzt auch nicht das Hobby meiner Wahl und dennoch war ich mit an der Weser und schreibe jetzt über einen Fisch, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Denn so ist es leider beim Angeln: Man fängt nicht immer das, was man möchte. Und darunter fällt auch die Schwarzmundgrundel.

Sie kommt ursprünglich aus dem Schwarzen Meer und hat sich nach und nach über die Nordsee in unsere Gewässer vorgearbeitet. Obwohl sie kein typischer Wanderfisch ist und sich nur am Flussgrund bewegt. Im Ballastwasser der großen Tanker ist sie eingeschleppt worden. Wobei: So ganz angekommen ist sie hier vor Ort noch nicht. „Offiziell nachgewiesen ist sie nur bis Rinteln“, sagt Hamelns Fischer Alexander Meyer. Vereinzelt sei sie aber schon da, Angler und Fischer fürchten die Schwarzmundgrundel bereits. Denn: „Dieser Fisch ist von der Reproduktion her schon sehr aktiv, kann sich gut vermehren“, erklärt Meyer.

Dass sie sich in unseren Gewässern einnistet, ist aber nicht das Hauptproblem. „Die Schwarzmundgrundel hat Schmacht“, so der Fisch-Experte. Und geht den heimischen Fischen an den Kragen: Ob Laiche, Fischlarven oder Jungfische – nichts ist vor der Grundel sicher. Die Alterspyramide heimischer Fische, die eh schon eingebrochen ist, falle weiter zusammen. Das Mittelspektrum dieser Fischarten fehle komplett. „Haben wir eine Überzahl an Schwarzmundgrundeln, bricht etwas in unserem Lebensraum zusammen“, so Meyer. Fischer und Angler werden daher aktiv: Damit die Schwarzmundgrundel nicht den kompletten Lebensraum Weser, der ihr übrigens gute Bedingungen bietet, einnimmt, werden derzeit Quappen in Neustadt-Poggenhagen künstlich reproduziert. Denn die im Süßwasser lebende Dorschart kommt an die Grundeln, die vornehmlich in Steinpackungen in der Weser ihren Unterschlupf finden, gut dran und kann sie fressen. „Beutetiere wie Hecht, Wels und Zander kommen hingegen nicht an sie ran“, erklärt Meyer. Mit der Quappe gegen die Schwarzmundgrundel: „Das Grundelvorkommen komplett einzudämmen, geht allerdings nicht“, so der Experte.

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Ins Netz geht sie eher selten, ihr Versteck ist in Steinpackungen: Fischer Alexander Meyer sieht in der Schwarzmundgrundel eine Gefahr für heimische Fischarten. Foto: DANA
  • Ins Netz geht sie eher selten, ihr Versteck ist in Steinpackungen: Fischer Alexander Meyer sieht in der Schwarzmundgrundel eine Gefahr für heimische Fischarten. Foto: DANA

Der Anglerverband Niedersachsen möchte die Quappen soweit hochziehen, dass sie die Schwarzmundgrundeln vernaschen können und nicht umgekehrt.

Aber würde die Grundel nicht auch uns Menschen schmecken? „Das ist kein vermarktbarer Fisch“, erklärt Meyer. Der Kopf sei zu groß im Verhältnis zum Körper. „Der Fisch würde sich höchstens für die Futtermittelproduktion eignen.“

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