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Heimische Aussteller auf der Hannover Messe: Auftragseingänge sind deutlich rückläufig

Innovationen in Zeiten der Wirtschaftskrise

Hannover (roh). In dieser Woche wurde die Hannover Messe 2009 eröffnet. Gleich sieben Unternehmen der heimischen Wirtschaft sind auf der mit mehr als 6000 Ausstellern aus 61 Ländern als eine der weltweit führenden Wirtschafts- und Technologiemessen geltenden Ausstellung vertreten. Zum Start hätten sich dennoch nur wenige Besucher an den Ständen eingefunden, berichten die Vertreter der heimischen Firmen einmütig.

veröffentlicht am 22.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Die Ursachen sehen die Aussteller in der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise. Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent vermelden die Unternehmen des Landkreises für das erste Quartal und der schleppende Auftragseingang ließe auch für das zweitenichts Gutes erwarten. Zwar gebe es in Fernost den ein oder anderen Markt, wie zum Beispiel Indien, der weiterhin gut laufe, so Michael Beckmann, Messebeauftragter der Firma Lenze, aber um den gesamten Umsatzrückgang zu kompensieren reiche dieses Geschäft bei Weitem nicht aus.

„Inlandsgeschäft läuft weiterhin gut“

Bei Rexnord-Stephan reagiert man mit Kurzarbeit auf die Flaute in der Branche. Produktentwickler Carsten Göbel sagt: „Wir versuchen sehr flexibel auf die Situation zu reagieren, können aber auch nicht leugnen, dass sich das Großkundengeschäft derzeit sehr abwartend darstellt.“ Ähnlich äußert sich Klaus-Hasso Heller, Geschäftsführer der Aerzener Maschinenfabrik: „90 Prozent unserer Maschinen verkaufen wir ins Ausland. Und von dort kommen derzeit kaum Aufträge.“

Peter Wisniewski sagt: „In Russland, einem unserer Hauptmärkte, wurden nicht wenige Großprojekte verschoben. Besonders die fest eingeplanten und nun auf Eis gelegten Tunnelprojekte bereiten uns Kopfzerbrechen.“ Der Geschäftsführer der Salzhemmendorfer Firma Calenberger Ingenieure hat aber auch frohe Botschaften: „Das Inlandsgeschäft läuft unverändert gut, hier könne wir sogar kleine Steigerungsraten vermelden.“ Zu Entlassungen und Kurzarbeit sieht Wisniewski sich nicht veranlasst, im Gegenteil: „Wir haben bereits weiteres Personal in diesem Jahr eingestellt und werden weiter investieren.“ Dies sei, so der Geschäftsführer, auch ein „Verdienst unseres innovativen Strebens“. Als Beispiele nennt er die flexible Lärmschutzwand, die bei temporären Baustellen zum Einsatz komme, und eine Schwingungsisolierung für Gebäude: „In München wurde ein Fünfeinhalb-Sterne Hotel in der Innenstadt mit unserer Technologie ausgerüstet, weil unter dem Gebäude zwei U-Bahn-Linien verlaufen“, sagt Wisniewski.

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Richard Sauerwein (Flexilane) mit einem lasergesteuerten Lifter.

Auch die anderen heimischen Unternehmen begegnen der Krise mit einer Vielfalt an Innovationen. Lenze setzt dabei auf seine neuen Steuerungskomponenten „I/O Systeme 1000“ und zwei Neuheiten im Bereich Energieeffizienz. Beckmann: „Mit unseren neuen Motoren lassen sich bis zu 30 Prozent Energie sparen, und dann haben wir für unsere Kunden einen Energiepass entwickelt, der die Maschineneffizienz erhöht.“

Energieeffizienz hat sich auch die Aerzener Maschinenfabrik auf die Fahnen geschrieben, wie Marketing-Manager Stephan Brand erklärt: „Unser neues Vakuumgebläse mit hermetischem Antrieb sorgt für eine 30 prozentige Steigerung der Energieeffizienz.“ Zudem habe man in Aerzen einen Druckluftverdichter entwickelt, der weltweit als einziger seiner Klasse in der Lage sei, den Leistungsbereich von 55 bis 75 kW zu bedienen.

Lasertechnologie steht im Fokus

Zwei neue Getriebereihen mit größeren Drehmomenten stellt der Rexnord-Stephan- Konzern in diesem Jahr der Öffentlichkeit vor. Produktentwickler Göbel sagt: „Gerade der Bereich Umwelttechnologie läuft weiterhin gut, und unsere Getriebe werden in Klärwerken und Rührwerken eingesetzt.“ Als Spezialist im Getriebebau könne die Firma auch nahezu jeden Sonderwunsch eines Kunden bedienen, so Göbel weiter.

Das Institut für Solarenergieforschung Hameln präsentiert sich in diesem Jahr auf dem Stand des Landes Niedersachsen. „Immerhin erhalten wir vom Land 2,5 Millionen Euro für unsere Infrastruktur“, sagte Dr. Roland Goslich. Weitere 7,5 Millionen Euro aus der Wirtschaft und Fördergelder für einzelne Projekte sorgten für einen Etat, der auch in diesem Jahr Garant für innovative Forschung sei, so Goslich. Als Beispiel nannte der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Wissenschaftler ein Lötverfahren für Photovoltaik-Zellen, das bereits einen Innovationspreis gewonnen habe: „Mit einem Laser werden die einzelnen Zellen durch das Glas hindurch mittels Kreuzverbinder zusammengelötet.“ Das bisher umständliche Wenden der konventionell zusammengelöteten Zellen entfalle, womit sich die Bruchrate verringere und die Fertigungszeit reduziere.

Der Laser spielt bei der Firma Flexilane ebenfalls eine wichtige Rolle. Das zur Gruse-Gruppe gehörende Unternehmen setzt in Sachen fahrerlose Transportsysteme auf eine Lasernavigation. Richard Sauerwein erklärt das Verfahren: „In der Halle sind Marken angebracht, die der Laser, der auf dem Hubwagen angebracht ist erkennt. Der Laser misst den Abstand zwischen den Marken und kann so auf einen Zentimeter genau automatisch sein Ziel ansteuern.“

Als kleinste Vertretung des Landkreises lieferte die Firma Reintjes in diesem Jahr lediglich ein Schiffsgetriebe als Exponat nach Hannover. Andreas Weber erklärt: „Wir stellen in diesem Jahr kein neues Produkt aus unserer Firma vor, sondern haben mit der Firma db-Prüftechnik eine Kooperation.“ Dabei handele es sich um ein Frequenzanalyseverfahren, mit dem Änderungen beim Getriebebetrieb festgestellt werden können. Mathias Luft von der bayerischen Firma db-Prüftechnik sagt: „Mit unserem Verfahren sorgen wir für Stillstandsminimierung und Verfügbarkeitsoptimierung.“ Weber: „Wir bieten unseren Kunden, also Werften und Reedereien, dieses Servicepaket an, rüsten also auf Wunsch die Getriebe aus unserem Haus mit der Technologie unseres Kooperationspartners aus.“



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