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Heute vor 25 Jahren fand das große „Konzert für Berlin“ statt – ein Rintelner hat es mitorganisiert

Innerhalb von 48 Stunden

Rinteln/Berlin. Es war wahrscheinlich das am schnellsten organisierte Musikfestival aller Zeiten, das heute vor 25 Jahren in Berlin stattfand. Am Tag nach dem Mauerfall saß der aus Rinteln stammende Gerhard Kothy nach einer kurzen Nacht in der Redaktionskonferenz der Pop- und Rock-Musiksendung „S-F-Beat“ des Senders Freies Berlin (heute RBB), als Kollege Thomas Dieckmann in die Runde warf: „Jetzt sollten wir eigentlich ein Konzert machen.“ Dieser Meinung waren dann auch Gerhard Kothy und der damalige Musikchef Helmut Lehnert. Ihnen fiel die Organisation des Konzerts zu, das nur zwei Tage später stattfinden sollte. Eine Herausforderung.

veröffentlicht am 11.11.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 18.12.2014 um 16:20 Uhr

„Zuerst wollte man natürlich die ganz großen Nummern, Bruce Springsteen und die Rolling Stones“, erzählt Kothy. Aber das habe sich schnell als unmachbar entpuppt. Also wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, andere namhafte Musiker für das Konzert zu gewinnen. Ganz oben auf der Wunschliste stand nun Joe Cocker mit seiner Band. Der war zwar gerade in Dänemark, aber durchaus gewillt, an dem Spektakel teilzunehmen. Schließlich richtete dieser Tage alle Welt den Blick auf Berlin – oder besuchte es. Alle Flüge waren daher ausgebucht. Also musste für Joe Cocker ein Privatjet her. Für die Finanzierung des 26 000 D-Mark teuren Flugs fand sich ein Sponsor. Aber es war Kothy, der bei der Buchung mit seinem Namen den Kopf hinhielt. „Hätte der Sponsor nicht gezahlt, wäre ich auf den Kosten sitzen geblieben“, erzählt er. Unterdessen wurden sämtliche Behörden für die nötigen Genehmigungen abtelefoniert, außerdem Musikagenturen, um weitere Künstler zu rekrutieren. Mit Erfolg. Die Liste kann sich sehen lassen: BAP, Udo Lindenberg, Nina Hagen, die Toten Hosen, Heinz-Rudolf Kunze, Pankow, Silly, Konstantin Wecker, Nena und weitere konnten innerhalb von 48 Stunden für das Festival engagiert werden – ohne Gage.

Gleichzeitig musste ein Veranstaltungsort gefunden werden. Zuerst sollte das Konzert am Reichstag unter freiem Himmel stattfinden. „Doch da machte die Polizei nicht mit“, erzählt Kothy, „aus Sicherheitsgründen.“ Grünes Licht gab es schließlich für die Deutschlandhalle; die Miete wurde erlassen.

Bei der Planung des Konzertablaufs machten Kothy und seine Kollegen Bekanntschaft mit einem anderen großen Veranstalter, den sie bis dato gar nicht gekannt hatten: Michael Lang. Er war es, der 1969 das legendäre Woodstock-Festival auf die Beine gestellt hatte und 30 Jahre später als Manager von Joe Cocker fungierte. In Erinnerung an seine eigenen Anfangstage habe er für die gestressten deutschen Radioredakteure durchaus Verständnis gezeigt, erzählt Kothy. Denn für Kothy und seine Kollegen stand bis zuletzt die Frage im Raum, ob das denn alles gut gehen würde. „Wir waren schon sehr angespannt“, erinnert sich Kothy. Erst als am Sonntag, 12. November, gegen 13 Uhr die erste Band auf der Bühne stand und wenig später gemeldet wurde, dass Joe Cocker in Berlin gelandet sei, hätten sie aufgeatmet.

Gerhard Kothy

Gerhard Kothy war als sendeleitender Redakteur dazu verdammt, im Studio zu bleiben. Die Live-Übertragung, die Zwischenschaltungen zum Brandenburger Tor und die stündlichen Nachrichten nahmen ihn voll in Beschlag. „Das war in meiner Berufszeit häufig mein Schicksal bei Großereignissen“, erzählt er. Das Konzert in der mit über 10 000 Besuchern überfüllten Deutschlandhalle wurde bis kurz vor Mitternacht vom SFB und anderen westdeutschen Radiosendern live übertragen. Im Fernsehen brachte der SFB derweil das Mauerfallkonzert aus der Berliner Philharmonie.

Gerhard Kothy lebt seit einigen Monaten wieder in seiner Heimatstadt Rinteln und arbeitet gelegentlich als freier Journalist.

Ein Live-Mitschnitt des Konzerts ist jetzt unter dem Titel „Mauerfall – Das legendäre Konzert für Berlin ’89“ bei Universal als CD erschienen.

Von Philipp Killmann

Ost- und West-Stars stehen gemeinsam auf der Bühne in der Deutschlandhalle beim „Konzert für Berlin“ am 12. November 1989.

Max Kohr (2)



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