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Ortsrat diskutiert Doktorsee-Rocknacht / Verwaltung: Vergleichbare Belästigung wird es 2007 nicht geben

"Infernalischer Lärm": Stadt legt Protokoll vor

Rinteln (wm). Dass die Bewohner der Nordstadt Ende Juli in der langen Doktorseenacht "senkrecht im Bett" gestanden haben, weil die Rockband "Grace" so infernalisch lärmte, hatte jetzt ein Nachspiel bei der konstituierenden Sitzung des neuen Rintelner Ortsrates. Die WGS hatte unmittelbar nach den Protesten der Bürger einen entsprechenden Antrag gestellt und um Aufklärung gebeten.

veröffentlicht am 20.11.2006 um 00:00 Uhr

"Grace" rockt und die Anwohner stehen senkrecht in ihren Betten:

Die Verwaltung legte nicht nur ein dreiseitiges Protokoll vor, in dem detailliert der Ablauf der Rocknacht am Doktorsee dargestellt wurde, sondern versicherte auch, eine vergleichbare Lärmbelästigung werde es bei "Doktorsee in Flammen" im nächsten Jahr nicht geben. Um das auch garantieren zu können, will die Stadtverwaltung unter Beteiligung der Polizei und des Gewerbeaufsichtsamtes bereits im Vorfeld Einfluss nehmen, also schon vor der Veranstaltung. So zum Beispiel auf die Platzierung der Lautsprecheranlagen und der Bühnen auf dem Doktorseegelände und mögliche Abschirmungsmaßnahmen. Ziel sei, betonte Erster Stadtrat Jörg Schröder, "mit dem Veranstalter eine einvernehmliche Lösung zu finden". Man habe grundsätzlich nämlich kein Interesse daran, die Veranstaltung zu verhindern, müsse aber auf der anderen Seite auch die berechtigten Interessen der Anwohner berücksichtigen. Nach den Recherchen des Ordnungsamtes war es eine Reihe von Faktoren, die in der Augustnacht zu dem "infernalischen Lärm" geführt hat - wie es Ratsfrau Ursula Helmhold geschildert hatte: "Die Musik war bis zum Krankenhaus zu hören." Dazu beigetragen habe unter anderem, dass die Lautsprecher der Bühne, auf der "Grace" gespielt hat, nach Norden ausgerichtet waren, zudem der Wind von Süden gekommen sei und den Schall weit getragen habe. Die Polizei war von vielen Rintelner Bürger in dieser Nacht alarmiert worden, hatte aber nicht gewagt, das Konzert schlagartig abzubrechen, das hätte, so Harald Groß, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, bei den über 10 000 Besuchern in einen Krawall ausarten können: "Das war eine Frage der Verhältnismäßigkeit." Dafür habe die Polizei darauf hingewirkt, dass die Band nach einer gewissen Zeit das Publikum auf ein Ende der Veranstaltung einstimmte und das Konzert auch früher als geplant beendet worden ist. Wie die Verwaltung dem Ortsrat darlegte, liegen die Grenzwerte bei solchen Konzerten - die im Sinne des Immissionsschutzgesetzes als "seltene Ereignisse" zu betrachten seien - tagsüber bei 70, nachts bei 55 Dezibel. Entsprechende Geräte, um die Einhaltung dieser Werte vor Ort zu überprüften hat nicht Stadt nicht. Doch werde man, kündigte Schröder an, "Spezialisten" hinzuziehen, sollte sich das als notwendig erweisen.

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