weather-image
×

Die Deutsche Bank spielt auf Zeit – und hat beim Machtpoker alle Trümpfe in der Hand

In welche Zukunft gehen Postbank und BHW?

Bonn / Frankfurt / Hameln (rtr). Was hat Josef Ackermann mit der Postbank vor? Die Deutsche Bank macht nach ihrem Einstieg ein Geheimnis aus ihren Plänen für die Postbank. Diese verharrt in einem Schwebezustand. Leidtragende in diesem Spiel ist die Postbank. Mitarbeiter berichten laut „Welt online“ von Lähmungserscheinungen. „Natürlich scheut manch ein Abteilungsleiter jetzt vor langfristigen Entscheidungen zurück, weil er sich immer überlegt: Wie wird die Deutsche Bank dazu stehen?“, sagt ein Postbanker. Das Institut, das oft für die Warteschlangen in seinen Filialen verspottet wird, steht nun selbst Schlange bei der Deutschen Bank.

veröffentlicht am 17.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Die Auswirkungen sind bis nach Hameln spürbar. Auch die Bausparkasse BHW gehört über die Postbank in Teilen zur Deutschen Bank. Insofern sind auch die Beschäftigten in Hameln über Bonn von Frankfurt und den Entscheidungen des Deutsche-Bank-Chefs Ackermann abhängig.

Deutsche Post steigt bei Deutscher Bank aus

Die Deutsche Post will ihren Ausflug als Großaktionärin der Deutschen Bank schnell wieder beenden. „Wir wollen in den nächsten Wochen unseren Anteil an der Deutschen Bank auf Null abbauen“, sagte eine Post-Sprecherin. Zuvor hatte der Bonner Konzern seine Beteiligung am größten deutschen Geldhaus, zu der er durch den Postbank-Verkauf gekommen war, weiter verringert. Die Deutsche Bank teilte mit, dass der Anteil der Post auf 2,82 Prozent gesunken sei. Mitte Mai hatte das Brief- und Logistikunternehmen noch knapp fünf Prozent gehalten. Die Post war im Frühjahr beim teilweisen Verkauf der Postbank im Über-Kreuz-Verfahren bei der Deutschen Bank eingestiegen. Sie hatte sich an einer Kapitalerhöhung beteiligt und dadurch rund acht Prozent der Deutschen Bank erworben. Damit war sie vorübergehend zum größten einzelnen Aktionär der Deutschen Bank aufgestiegen.

Der Bonner Konzern und die Frankfurter Bank hatten die komplexe Transaktion so vereinbart, damit die Deutsche Bank die Postbank erwerben kann. Die Post will sich mit dem Ausstieg aus dem Bankgeschäft auf ihr Kerngeschäft rund um den Brief und die Logistik konzentrieren.

Die Deutsche Bank will sich Finanzkreisen zufolge bei der Postbank-Übernahme jedoch noch Zeit lassen. Es gebe derzeit keine Pläne für einen beschleunigten Kauf der Post-Tochter, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das führende deutsche Geldhaus habe in den vergangenen Wochen zwar die niedrigen Kurse für den Erwerb weiterer Postbank-Aktien genutzt. In der Finanzkrise wolle Vorstandschef Josef Ackermann aber keine Milliarden für eine solche Transaktion in die Hand nehmen, wenn er in einigen Jahren ohnehin die Mehrheit bekomme. Experten zufolge käme die Bank für eine Übernahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht um eine Kapitalerhöhung herum.

Letztendlich geht es allein um den Preis

Durch die Aktienkäufe habe sich die Deutsche Bank an die Schwelle von 30 Prozent bei der Postbank herangepirscht, sagte die eingeweihte Person. Ab diesem Wert ist ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig, wofür die Deutsche Bank derzeit Schätzungen zufolge rund 1,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen müsste. Einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge arbeitet die Bank derzeit an dieser Option. Die Deutsche Bank äußerte sich zu den Informationen nicht.

Ende Februar hatte die Deutsche Bank mit der Post den Einstieg bei dem größten deutschen Filialinstitut besiegelt und dabei eine Sperrminorität von gut 25 Prozent übernommen. Wenn die Deutsche Bank innerhalb von sechs Monaten, also bis Ende August, die 30-Prozent-Schwelle überschreitet, muss sie nach deutschem Übernahmerecht den übrigen Eignern eine Offerte in Höhe des Preises machen, zu dem sie bei der Postbank eingestiegen war. Das Institut hatte der Post 50 Millionen Postbank-Aktien für 50 Millionen Deutsche-Bank-Aktien abgekauft. Das entsprach damals einem Wert von 1,1 Milliarden Euro. Viele Experten erwarten daher, dass das Übernahmeangebot mindestens 22 Euro betragen muss. Dirk Becker vom Brokerhaus Kepler setzt einen noch höheren Preis an. Nach seiner Einschätzung müsste die Bank den anderen Aktionären einen Preis im Wert einer Deutsche-Bank-Aktie zahlen, der derzeit bei 47 Euro liegt. „Und das ist ja völlig illusorisch“, betont Becker. Viele Experten sehen auch nach Ablauf der Sechs-Monats-Frist keinen Handlungsbedarf für die Deutsche Bank, auch wenn eine Übernahme dann möglicherweise billiger würde. „Bei der Postbank brennt nichts an, daher muss die Deutsche Bank nichts überstürzen“, kommentiert Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Die Deutsche Bank bekommt 2012 über eine Umtauschanleihe ohnehin weitere 27,4 Prozent an der Postbank. Für die restlichen Anteile der Post an der Banktochter gibt es Optionsvereinbarungen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt