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Präses Buß besucht "Gotteshütte" / Plädoyer für Hilfen bei Erziehung

"In vielen Fällen ist das Heim für die Kinder die bessere Lösung"

Kleinenbremen (ly). "Du bist aber ganz schön groß." Stimmt. Und um genau zu sein: 1,98 Meter vom Scheitel bis zur Sohle misst Präses Alfred Buß. Ganz unbefangen haben die Kinder der Kleinenbremer "Gotteshütte" den prominenten Gast im Jugendhof Porta Westfalica begrüßt.

veröffentlicht am 10.03.2007 um 00:00 Uhr

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Buß, leitender Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen (Bielefeld) und damit eine Art Bischof, hatte viel Zeit mitgebracht. Er besichtigte die Außenwohngruppe "Lindenhof", die Inobhutnahmegruppe sowie die Luther-Schule (80 Förderschüler) der Stiftung "Gotteshütte". In Gesprächen plädierte der Kirchenchef für einen "Mentalitätswandel". Den brauche es nämlich, damit Kinder, Jugendliche und deren Eltern in kritischen Situationen die notwendige Hilfe bekommen und annehmen könnten. Hilfen bei der Erziehung dürften kein Tabu sein, so Buß. "Wir brauchen eine Politik, die gerade an dieser Stelle, wo es um die Kinder geht, nicht nach dem billigsten Weg fragt." Nicht nötig seien dagegen neue Gesetze, um Kinder und Jugendliche so zu schützen, wie es ihr Menschenrecht sei. Im Jugendhof Porta Westfalica, einer diakonischen Einrichtung, werden zurzeit etwa 125 junge Menschen betreut. Mehr als 60 Prozent dieser Plätze nutzt der Landkreis Schaumburg. Wahrscheinlich hätte eine Heimunterbringung das Leben des kleinen Kevin aus Bremen gerettet. Trotz behördlicher Überwachung der Familie war das Kind vergangenes Jahr tot in einem Kühlschrank gefunden worden. Beurteilen mag Buß diesen konkreten Fall nicht. Es weiß zu wenig darüber. Aber grundsätzlich "kann man solche Schicksale durch Heimunterbringung verhindern", wie der Präses auf Anfrage erklärte. "Wir brauchen Menschen, die einen Blick für Kinder haben." Hoffungslose Fälle gebe es nicht. Weil manche Eltern einfach überfordert seien, könne die Unterbringung im Heim besser seinals in den jeweiligen Familien, so Buß, der sich zugleich dafür aussprach, von einer anders lautenden Ideologie Abschied zu nehmen. "Ich will kein Elternrecht bestreiten, doch ganz oben muss das Kindeswohl stehen", sagte er. "Unser Ziel ist die Rückführung in die Familie", betonte Walter Dippel, Heimleiter des Jugendhofes. Es gebe kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Begleitet wurde der Präses in Porta Westfalica unter anderem von Jürgen Tiemann, Superintendent des Kirchenkreises Minden, und dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung "Gotteshütte", Pfarrer Ekkehard Karottki aus Kleinenbremen. "Ganz großartig'' fand Buß, dass die "Gotteshütte'' in einer manchmal gnadenlosen Gesellschaft ein evangelisches Menschenbild vertrete. Der pädagogische Grundsatz laute: "Du bist ein wertvoller Mensch.''



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