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SDAG feiert Geburtstag / Vor 25 Jahren ergriffen Ernst-August Kranz und Herbert Aigner die Initiative

In Schaumburg/Illinois mit offenen Armen empfangen

Landkreis (mld). Wenn ein Verein sein 25-jähriges Jubiläum feiert, ist das ein Grund zur Freude. Handelt es sich jedoch um einen besonderen, einen transatlantischen Verbund, wird die Geburtstagsfeier schon etwas größer geplant als die anderer Gruppen. Die Schaumburger Deutsch-Ame rikanische Gesellschaft (SDAG) ist dieser Verein, der mit seinen Feierlichkeiten vom 26. September bis zum 1. Oktober fast eine ganze Woche von Festivitäten vor sich hat. Gemeinsam mit einer 15-köpfigen Delegation aus der US-amerikanischen Partnergemeinde Schaumburg/Illinois werden die SDAG-Mitglieder am 27. September in Apelern eine Skulptur zum Gedenken an die Schaumburger Auswanderer enthüllen und am Abend das Jubiläum mit der US-Generalkonsulin Karen Johnson im Kloster Möllenbeck offiziell feiern.

veröffentlicht am 25.09.2008 um 00:00 Uhr

Die Anfänge dieser außergewöhnlich starken Partnerschaft reichen in die siebziger Jahre zurück, als eine Schülergruppe aus dem amerikanischen Schaumburg im Rahmen eines Austausches mit der westfälischen Stadt Soest einen Ausflug zur Schaumburg machte, wo sie vom damaligen Landrat Ernst August Kranz begrüßt wurde. 1981 ergriff Herbert Aigner, Bürgermeister des amerikanischen Schaumburgs, die Initiative und besuchte während einer Deutschlandreise Ernst August Kranz zu Hause. Das Ehepaar Kranz erwiderte den freundlichen Besuch noch in demselben Jahr mit einer Reise nach Schaumburg/Illinois. Der Landrat beschrieb hinterher, dass die vierte Generation der Schaumburger Auswanderer sie mit "überwältigender Herzlichkeit" empfing. Auch gefiel ihm, dass er sich mit vielen der Schaumburger auf Plattdeutsch unterhalten konnte - auch wenn die meisten von ihnen noch nie in Deutschland gewesen waren. Offiziell wurde die Freundschaft im Jahr 1983: Landrat Kranz fand in Helmut Andermann und Fürst Philipp-Ernst zu Schaumburg-Lippe Unterstützer seiner transatlantischen Idee. Am 18. Februar luden sie gemeinsam 20 ausgewählte Persönlichkeiten des Landkreises in das Bückeburger Staatsarchiv ein. Feierlich beschloss diese Gruppe die Gründung der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft e.V. Am 22. März folgte die amerikanische Antwort: Der Stadtrat von Schaumburg/Illinois verabschiedete eine Resolution, mit der das deutsche Schaumburg eingeladen wurde, die "Sister City" der amerikanischen Stadt zu werden. Die Resolution wurde in der Hoffnung verfasst, "that it will lead to a lasting friendship between the people", wie es im Originaltext heißt. Also in der Hoffnung, dass die Partnerschaft zu einer dauernden Freundschaft zwischen den Menschen führe. Ganz einfach ist es nicht, diese enge Freundschaft aufrecht zu erhalten: "Unsere Zusammenarbeit ist manchmal etwas problematisch", bestätigt der stellvertretende SDAG-Vorsitzende Jörg Watermann. "Schließlich agieren wir über den Atlantik hinweg, und unsere deutschen Mitglieder sind im ganzen Landkreis verteilt." Doch das amerikanische Generalkonsulat in Hamburg bestätigt, dass sich diese Mühe lohnt: Die SDAG entwickelt sich mit ihren 220 Mitgliedern zu einer der aktivsten und kreativsten transatlantischen Kommunalpartnerschaften. Um diese Zusammenarbeit zu erhalten, braucht es vor allem großes ehrenamtliches Engagement. Die SDAG legt besonderen Wert auf junge Menschen: Der Austausch von Schülergruppen und Jugendfußballern gehört inzwischen fest ins Programm. Aber auch Polizisten, Musiker, Lehrer, Trachtengruppen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft pflegen den engen Kontakt zueinander. Zudem spielt die SDAG eine wichtige Rolle bei der Erforschung historischer Beziehungen zwischen Familien mit Schaumburger Wurzeln auf beiden Seiten des Kontinents. Die Ursprünge des amerikanischen 75 000-Einwohner-Schaumburgs liegen in Apelern, wo sich Mitte des 19. Jahrhunderts 17 Familien Richtung Nordamerika aufmachten, um den Missernten und feudalen Strukturen in der Schaumburger Grafschaft zu entfliehen. Sie wanderten nach Illinois aus, in den 40 Kilometer westlich von Chicago liegenden Ort "Sarah's Grove", in dem sich schon Auswanderer aus dem Königreich Hannover angesiedelt hatten. Durch eine Gebietsreform musste "Sarah's Grove" umbenannt werden - und wurde "Schaumburg" getauft. "Wenn man also von einem historischen Urprung der Stadt Schaumburg in Illinois sprechen will", erklärt Jörg Watermann, "dann ist das die alte Holzkirche St. Peter in Apelern." Sämtliche Mitglieder der ersten Auswandererfamilien wurden hier getauft, und auch die Stadtkirche des amerikanischen Schaumburgs wurde nach ihr "St. Peter's Church" genannt. So soll der Gedenkstein, der am Sonnabend auf dem Gelände der Apelerner Kirche enthüllt wird - ein gemeinsames Projekt der SDAG und der Schaumburg Sister Cities Commission - an diese Auswandererfamilien erinnern. Doch er soll auch an den Grundsatz der SDAG erinnern: "Wir bauen Brücken von Kontinent zu Kontinent, von Mensch zu Mensch".

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