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20. Niedersächsische Musiktage: Sabine Meyer und "Carmina Quartett" in Rinteln

"In Liebe zerflossenes Gefühl" - wie ein Klarinettenton St. Nikolai erfüllt

Rinteln (dis). Die 20. von der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen veranstalteten Musiktage haben sich zu ihrem runden Geburtstag das Thema Liebe auserkoren. Um "In Liebe zerflossenes Gefühl" ist es in der restlos gefüllten St.-Nikolai-Kirche gegangen, in der die für den hiesigen Kreis vorgesehene illustre Konzertreihe mit KlarinettenstarSabine Meyer und dem "Carmina Quartett" hochkarätig startete.

veröffentlicht am 13.09.2006 um 00:00 Uhr

Von Intendant Michael Becker war vor Beginn zu erfahren, dass er in Sachen Liebe zu Rinteln eine ganz besondere Beziehung hege, dort seien sich seine Eltern erstmals begegnet, und ohne die Weserstadt würde es weder ihn noch seine beiden Brüder geben. Danach rückte das "Carmina Quartett" van Beethovens "Streichquartett F-Dur", op. 18/1, ins rechte Licht. Die Streicher malten nicht nur den zweiten Satz, der Bezug auf Shakespeares Drama "Romeo und Julia" nimmt, emotionsreich aus. Mit besonderer Verve meisterten Primarius Matthias Enderle, Bratschistin Wendy Champney, Violinistin Susanne Frank und Cellist Stephan Goerner die schwierige Balance zwischen Schönheit und Expressivität in Daniel Schnyders Streichquartett Nr. 3 - "Sunrise and Sunset (A Love Story)" aus dem Jahr 2002. In diesem unterhaltsamen Stück holt sich der Komponist unter anderem Anregungen bei Goethes "West-östlichen Divan" und der Ehe Alexanders des Großen mit der Fürstentochter Roxana. Die Crew spielte das feurig-fetzige Werk mit Entschiedenheit in freudiger Kommunikation und brachte die zwischen schroffen Ausbrüchen, rhythmisch davonpreschenden Passagen und introvertierten Ausdruckswelten pendelnden Teile in die richtige Balance. Gemeinsam mit ihren empfindsam gestaltenden Kollegen erschien nach der Pause Sabine Meyer, um "In Liebe zerflossenes Gefühl" - so wurde einst der Klarinettenton bezeichnet - aufs Schönste zu zelebrieren. Die Solistin versteht es einmalig, das klangliche Reservoire ihres Instrumentes auszuschöpfen. Sie findet noch Farben, wo andere längst nicht mehr suchen, und produziert ein Pianissimo, dessen Intensität immer wieder erstaunt. Die attraktive Solistin agiert in extremer Höhenlage mit einer geschmeidigen Selbstverständlichkeit, um die sie mancher Berufskollege beneiden dürfte. Entsprechenden Anschauungsunterricht bot das "A-Dur-Quartett", KV 581, von Mozart. Mit intuitivem Gespür für alle Ausdrucksnuancen formte die Virtuosin die vier Sätze zu einem vielstimmigen Gewebe. Es ist die Kunst der feinen Übergänge, mit der Sabine Meyer ihren Weltrang behauptet. Als Zugabe servierte das Quintett das Scherzo aus dem "Menuetto capriccioso" des Karl-Maria von Weber mit Klarinetten-Kapriolen, von denen das beifallsfreudige Auditorium noch gern viel mehr genossen hätte.

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