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Generalsekretär Anim erzählt über den CVJM in Afrika / Komplettpaket für Jugendliche kommt an

In Ghana kann nur die gute CVJM-Arbeitüberzeugen

Rolfshagen (rnk). Beide werfen sich die rhetorischen Bälle zu wie ein eingespieltes altes Ehepaar. Jeder weiß, was der andere denkt, aufs Stichwort kommen die richtigen Gesten und Antworten. Eckard Geisler ist Sekretär für Weltdienst und internationale Beziehungen des CVJM-Westbundes, Samuel Anim ist Generalsekretär des YMCA-Ghana. Beide kommen gerade aus Wuppertal, wo der CVJM-Westbund Jubiläum feiert, beide liefern in Rolfshagen ein kabarettreifes Unterhaltungsprogramm, bei dem sich erst nach und nach herausschält, was der Inhalt ist: die Arbeit des CVJM in Gh ana.

veröffentlicht am 17.09.2008 um 00:00 Uhr

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Erst gibt es tiefere Einblicke in die Nationalspeise Fufu (immer gleich herunterschlucken), in den richtigen Gebrauch der Hände (wie an vielen Orten dieser Welt ist auch in Ghana die linke Hand unrein, unrein, unrein), und wer mit Älteren an einem Tisch sitzt, sollte sich hüten, die Beine aufeinanderzulegen: Es würde als grobe Respektlosigkeit interpretiert werden. Der CVJM, der in Ghana natürlich YMCA heißt, habe es etwas einfacher, junge Leute zu gewinnen, erklärt Generalsekretär Anim, weil es dort schlicht weniger Angebote gebe, die in Konkurrenz zueinanderstünden. Und junge Menschen seien in Ghana durchaus stolz, einer weltweiten Organisation wie dem CVJM anzugehören. Das Problem sei dabei dieses: "Wie schaffen wir es, den Menschen bei uns zu halten, wenn er erst einmal die Nase hereingesteckt hat?" Das sei die größte Herausforderung, für die Anim auch eine Antwort weiß: durch gute Arbeit. Und die beginnt schon vor der Geburt. Der CVJM habe gerade in den abgelegensten Dörfern, wo es weit sei bis zum nächsten Krankenhaus (wenn man überhaupt ein Auto bekommt), Räume eingerichtet, in denen die Kinder unter vernünftigen Umständen zur Welt kommen können. Sie werden, scherzte Anim, in den CVJM hineingeboren. Früh verlassen die Männer ihre Häuser, um auf die Felder zu gehen. Damit die Frauen ihnen folgen können, müssen die Kleinkinder untergebracht werden. Daher habe man ein Angebot im Kindergartenbereich geschaffen. Und habe festgesellt, dass viele Kinder diese Einrichtung nicht verlassen wollten, weil sie sich wohlfühlten beim CVJM. Daher habe man dann Schulen gebaut, Privatschulen des CVJM. Und wer diese Schule beendet habe, aber nicht weiter studieren wollte, für den habe man Angebote in einem Ausbildungszentrum eingerichtet: Jungen könnten Maurer, Tischler, Elektriker lernen, Frauen würden zur Friseuse oder Köchin ausgebildet. Kompaktkurse rund um die Familienplanung gebe es zudem. Von einem "Komplettpaket" spricht Anim. Anim, das wird im Laufe des Abends deutlich, spricht zwar nur wenig deutsch, aber er versteht es. Geisler liefert die Erklärung: Anim war in den Neunzigern ein, zwei Jahre in Deutschland für den CVJM tätig. Damals hat Anim auch einen spielerischen Wettbewerb zweier Jugendgruppen beobachtet, der ihm am Schluss fast das Herz gebrochen hat. Die unterlegene Gruppe hat in einem Wutanfall das Spielzeug zerbrochen. Was hätte, so dachte Anim damals, was hätte man damit im bitterarmen Ghana nicht alles machen können?

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