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In Eisbergen: Deutschlands kleinstes Kloster

Das wiederentdeckte Pilgern zur persönlichen inneren Einkehr hat gleichzeitig neues Interesse am Klosterleben geweckt. Seit im September 2009 das „kleinste Kloster Deutschlands“ aus Köln nach Porta-Westfalica-Eisbergen übergesiedelt ist, können die Menschen im Wesertal mit waschechten Mönchen in Kontakt treten und sind herzlich eingeladen, das Minikloster zu besuchen.

veröffentlicht am 26.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.03.2010 um 16:15 Uhr

Der 95-jährige Pater Placidus (links) und Abt Thomas zelebrieren

Von Werner Hoppe

Über 1100 Jahre ist Möllenbeck im Wesertal bei Rinteln durch seine beeindruckende Abtei mit den romanischen runden Zwillingstürmen als „Klosterdorf“ bekannt. Im September 2009 ist das „kleinste Kloster Deutschlands“ in die frühere Uniformfabrik in Eisbergen auf dem gegenüberliegenden rechten Weserufer eingezogen und jetzt kann auch der Ortsteil der Stadt Porta Westfalica das Prädikat Klosterdorf für sich beanspruchen.

„Bei uns ist alles, wie in jedem Kloster“, erklärt Abt Thomas Komossa beim Empfang an der Haustür. Der 58-jährige Pater hatte im Jahr 1980 zusammen mit zwei weiteren Mönchen eine Benediktiner-Gemeinschaft in Köln gegründet. Im zweiten Stock in einer 89 Quadratmeter großen Altbauwohnung haben sie ausgelebt, was das Leben der Benediktiner als ältesten katholischen Orden ausmacht. „Unser Ziel ist das immerwährende Gebet und ein Leben im Glauben an den Allmächtigen Gott und Vater im Himmel“, erklärt Abt Thomas, den familiäre Verbindungen vom Rhein an die Weser gebracht haben. Erst im vorigen Jahr hat er dort seine Halbgeschwister kennengelernt, die ihm den Gebäudekomplex zu günstigen Bedingungen überlassen haben.

Zurzeit gehören 12 Mitglieder zum Benediktinerkloster Eisbergen, „von denen zurzeit nur drei in Eisbergen leben“, fährt der „Pater Abt“, mit dem Familiennamen Komossa fort. Er stellt die Gemeinschaft des Miniklosters vor. Pater Placidus ist mit 95 Jahren Senior und Mitgründer der kleinen Kommunität. In jungen Jahren hat er seine theologische Ausbildung in St. Ottilien, der Erzabtei der „Missions-Benediktiner“ bei Augsburg erhalten. Anschließend ist er Kammerdiener bei Eugen Fürst zu Oettingen-Wallerstein gewesen, war Soldat im Zweiten Weltkrieg und hat später bis zur Pensionierung ein Berufsleben bei einem Kölner Kaufhauskonzern geführt.

Die 80-jährige Schwester Humiliana bereitet ein Weihrauchgefäß v
  • Die 80-jährige Schwester Humiliana bereitet ein Weihrauchgefäß vor.
Im Benediktinerkloster Eisbergen können reguläre katholische Got
  • Im Benediktinerkloster Eisbergen können reguläre katholische Gottesdienste abgehalten werden. V.l. Schwester Humiliana, Abt Thomas und Pater Placidus. Fotos: who

Schwester Humilana unterstützt die Patres als Laienschwester bei der Haushaltsführung sowie als Messdienerin. „Sie wohnt aber nicht bei uns im Haus, sondern hat eine kleine Wohnung in der Nachbarschaft, weil wir doch ein Männerkloster sind“, betont Abt Thomas. Die freundliche 80-jährige Witwe mit Ehenamen Rita Sabisch ist Mutter von drei Söhnen und war bereits 1950 Mitglied bei den Franziskanern in Köln geworden. Im Berufsleben war sie Versicherungskauffrau und hat sich 1980 in Köln dem kleinsten Kloster Deutschlands angeschlossen.

Pater Philipp Langer ist das vierte Mitglied des „Benediktinerklosters Mariä Himmelfahrt Eisbergen“, erläutert Abt Thomas. Er absolviere zurzeit sein theologisches Studium an der päpstlichen Ordenshochschule der Benediktiner in Rom.“

Abt Thomas Komossa selbst ist nach dem Theologiestudium 1980 in Paris nach Ritus der rumänisch-orthodoxen Kirche zum Priester geweiht worden. Damit verbunden war die Ermächtigung, eine Klostergemeinschaft mit einer Mindestgröße von drei Personen gründen zu dürfen. Die Möglichkeit, in die ehemalige Uniformfabrik umzusiedeln, habe er gerne angenommen, „weil wir in Köln zu beengt waren, um unter anderem auch Novizen ausbilden zu können.“

Auf 630 Quadratmetern Fläche habe die kleine Gemeinschaft jetzt alle Möglichkeiten zu wachsen. „Aber es ist noch sehr viel zu tun und unsere Mittel sind begrenzt“, schätzt er die selbst gesteckte Aufgabe ein.

„Die übrigen Mitglieder des Benediktinerklosters Eisbergen leben extern im Raum Köln.“ Alle gingen in der Regel einem zivilen Beruf nach oder seien pensioniert mit Renteneinkommen, sodass die Gemeinschaft selbst für ihren Unterhalt sorgen könne. Darüber hinaus sei daran gedacht, „wandernden Handwerksgesellen Kost und Logis zu geben, die uns im Gegenzug bei Renovierungsarbeiten helfen könnten“.

Trotz der bescheidenen finanziellen Ausstattung sind inzwischen etliche Wohnräume hergerichtet und auch eine Kapelle mit Chorgestühl sowie antiken Kirchenbänken aus einem aufgelösten Kloster ausgestaltet. Abt Thomas führt in den ehemaligen großen Produktionsraum und weist auf den Altartisch, auf dem die auf Stoff geschriebene Gründungsurkunde liegt. „Das ist ein früherer Zuschneidetisch, für unsere Zwecke war er aber wie geschaffen“, verrät er mit herzlichem Lächeln. An die Kapelle schließt sich die Sakristei an, in der die Mönche ihre Messgewänder anlegen und wo das Messgeschirr vorbereitet wird.

Auch ein Refektorium als Speisesaal und gute Stube für festliche Anlässe gibt es. Und die persönlichen Räume der Bewohner und die Gästezimmer im Obergeschoss seien keinesfalls karge Klosterzellen wie aus Historienfilmen, erklärt Abt Thomas. Jeder Mitbewohner könne seinen eigenen Wohnbereich individuell gestalten.

In der Kapelle kommen die Klosterbewohner zu ihren täglichen Messen und Gebetszeiten zusammen. „Und wir würden uns über katholische Christen und andere Gäste freuen“, versichert Abt Thomas. Auch sonst wünsche sich die Klostergemeinschaft Kontakt zur Bevölkerung. „Einfach mal anrufen unter der Nummer (0 57 51) 82 02 oder an unserer Tür klingeln“, ermutigt er. Und wie aufs Stichwort schellt es. „Eine Nachbarin die angeboten hat, uns in ihrem Auto zum Einkaufen mitzunehmen, weil unser Wagen zurzeit defekt ist“, berichtet Abt Thomas, als er von der Haustür zurückkommt…

Von der Vielfalt der Benedektiner

„Benediktiner sind vielfältig“, erklärt Abt Thomas. Gemeinschaften, die sich auf das Vorbild des heiligen Benedikt beriefen, gebe es sowohl in der römisch-katholischen Kirche, als auch in den orthodoxen Kirchen des Ostens und sogar in protestantischen Kirchen. Benedikt von Nursia, wurde um das Jahr 480 in Nursia in Italien geboren und ist am 21. März 547 gestorben. Zum Verhältnis des Eisberger Klosters zur katholischen Kirche erklärt der Abt, seit 2006 laufe ein Verfahren zur Aufnahme in die weltweite Benediktinergemeinschaft.

Zum Beitritt habe deren „Abt Primas“ Notker Wolf eingeladen bei einem Besuch der damaligen Kölner Klostergemeinschaft in der Primatialabtei der Benediktiner in San Anselmo in Rom. „Der Abt Primas stammt selber auch aus Deutschland und ist als rockender Mönch von vielen Fernsehauftritten her bekannt“, merkt Abt Thomas an. Und weiter: „Das Aufnahmeverfahren kann noch längere Zeit dauern, wir haben aber eine Protokollnummer beim Vatikan und unsere Unterlagen liegen inzwischen auch dem Erzbistum Paderborn vor.“ Gemeinsam mit seinen Glaubensbrüdern sei er zuversichtlich, dass das erforderliche kirchenrechtliche Verfahren auf Sicht abgeschlossen werden könne.



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