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Pächter der ehemaligen Autobahnraststätte hat Erinnerungen an viele prominente Gäste gesammelt

In "Eilsen-Nord" hielt sogar der Dalai Lama

Bad Eilsen (mig). Wenn Klaus Schrader den Namen des Dalai Lama hört, gerät er ins Schwärmen. "Das ist ein ganz phantastischer Mensch", sagt der 77-Jährige und blättert in den alten Gästebüchern des Autobahnrestaurants Bad Eilsen-Nordseite. Kennen gelernt hat der gebürtige Hamburger das geistliche Oberhaupt am 18. Juni 1995, ein gemeinsames Foto erinnertan das denkwürdige Ereignis. "Das war das Highlight in meinen 35 Jahren als Pächter", sagt Schrader heute. Während der Buddhist nur vegetarische Kost bestellte, zogen andere Berühmtheiten einen herzhafteren Imbiss vor. Ruth Maria Kubitchek lobte den Chef der Bad Eilsener "Raste" für die "Super-China-Suppe", Siegfried Rauch schrieb: "Hier gibt's die feinste Currywurst."

veröffentlicht am 06.11.2007 um 00:00 Uhr

Blättern gerne in Erinnerungen: Klaus Schrader mit Sohn Arne vor

Das Datum, an dem er den Dalai Lama kennen gelernt hat, weiß Klaus Schrader noch heute. "Es war am 18.6.1995", erinnert er sich. Mit einigen Limousinen und Sicherheitsleuten war der buddhistische Geistliche damals durch Deutschland gefahren, um Glaubensbrüder und Politiker zu treffen. "Als er plötzlich da war, war ich ziemlich nervös", gesteht Schraderheute. Völlig ohne Grund - der berühmte Besucher erwies sich als ausgesprochen pflegeleicht. Trotz der drängenden Termine nahm sich der Würdenträger Zeit für ein Foto und ein schrieb eine lange Widmung in das Gästebuch des Küchenchefs. "Mögen die Aktivitäten dieses Gästehauses, eines schönen Ortes, an dem der Aufenthalt erholsam und angenehm war, in jeder Hinsicht heilvoll und glücklich sein", lautet die Übersetzung. "Das war wirklich das Highlight meiner 35 Jahre als Pächter", sagt Schrader, der im Laufe seines Berufslebens viele Berühmtheiten getroffen hat. Seine Gästebücher sind deshalb auch ein Stück Zeitgeschichte - neben Ruth Maria Kubitcheck und Inge Meysel haben sich hier beispielsweise Max Schmeling, Heino, Hans Apel, Helmut Schmidt, Charles Renair, Ephraim Kishon, Margot Werner, Roland Kaiser, Peter Alexander oder Paul Kuhn verewigt. Manche von ihnen sind nureinmal gekommen, anderen gefiel es so gut, dass sie über viele Jahre den Kontakt gehalten haben. Ein besonders schönes Lob erhielt Schrader 1986 von der Gesangstruppe "Bläck Fööss": "Et hätt uns so jot jeschmeck, mir ham sujar de Teller afleck", schrieben die Kölner. "Es war viel Arbeit aber trotzdem eine schöne Zeit", sagt Schrader, der sein Handwerk im "Vier Jahreszeiten" gelernt hat. Einen gewissen Ehrgeiz merkt man den Speisekarten von damals durchaus an: Neben Spezialitäten wie Heidschnuckenbraten und Karpfen finden sich dort auch regionale Gerichte (Steinhuder Räucheraal) und Hamburger Küche ("Rundstück"). "Meinen Gästen hat es immer gut geschmeckt", erzählt Schrader stolz. Ein Zwölf-Stunden-Tag war für den Pächter die Regel - damit der Betrieb lief, mussten neben etlichen Angestellten auch Sohn Arne und Tochter Gabriele mithelfen. Schrader junior kurvte damals noch mit Rollschuhen auf der Auffahrt und erinnert sich gerne an seine Kindheit auf der Raststätte: "Das war eine tolle Sache; ich hatte ein eigenes Autogrammheft, und bevor sich Leute wie beispielsweise Frank Zappa oder die Toten Hosen nicht eingetragen hatten, gab's nichts zu essen." Trotz des Segens vom tibetischen Oberhaupt: Um die Jahrtausendwende wurde die 120 Gäste fassende Raststätte abgerissen. "Das war schon eine Überraschung, immerhin hatten wir eben erst renoviert", meint Klaus Schrader etwas wehmütig. Inzwischen genießt der gebürtige Hamburger seinen Ruhestand - und blättert in den alten Gästebüchern.

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