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Jugendliche und Computerspiele: Vlad (13) und Linus (14) zocken mit Spielern aus der ganzen Welt

In der Welt von Magiern und Heldenkämpfern

Rinteln (cok). Sie haben auch noch anderes im Kopf als das Computerspielen, die beiden Schüler Vlad (13) und Linus (14). Aber wenn man sie ließe, wie sie wollen, würden sie noch mehr Stunden zusammen spielen, als sie es eh schon tun. Ihr größter Spaß: sich im Internet mit unbekannten anderen Spielern zu messen.

veröffentlicht am 20.02.2008 um 00:00 Uhr

Viele Jugendliche, meist Jungen, sind leidenschaftliche "Compute

Ihnen zuzusehen, wenn sie in Vlads Zimmer vor dem PC sitzen und ihre Lieblingsseite im Internet, das "Battle-Net" aufrufen, um sich dort in das Spiel "Warcraft 3" einzuklinken, es kann Unerfahrene nur zum Staunen bringen und geradezu kribbelig machen. Mit unerhört flinken Tastenbewegungen führen sie ihre Figuren durch das Spiel, dazu tauschen sie sich noch schriftlich mit den Gegenspielern aus und reden die ganze Zeit miteinander, während laut die zum Spiel gehörige pathetische Musik aufbraust. Nicht zu fassen, wie man das aushalten kann. "Och", meint Vlad, einübrigens ruhiger, sonst eher wortkarger Junge, "ich kann ohne Probleme gleichzeitig reden, schreiben und spielen!" Linus bestätigt das: "Ja - er schreibt immer wahre Aufsätze!" Das tut Linus auch. Er, der sich sonst ganz gern vor dem Schreiben drückt. Offensichtlich reizt es die beiden, im Spiel nicht nur mit allerlei Fantasiewaffen zu kämpfen, sondern auch mit möglichst treffenden Worten die Gegner aus der Ruhe zu bringen. "Warcraft 3", das ist ein Fantasiespiel mit Magiern, Orks und Heldenkämpfern aller Art, die sich in einer quietschbunten Welt mit durchaus anziehenden Landschaften tummeln, um dort Feinde aufzuspüren und mit einem ganzen Arsenal an klug auszuwählenden, oft magischen Waffen zu besiegen. Begeisterte Fans, meist Jungen, die sich mit dem Programmieren auskennen, schufen eigenständig lauter neue Szenarien, die sie im "Battle-Net" bereitstellen, stolz darauf, wenn andere sich in der von ihnen erfundenen Umgebung dem Spielen hingeben. Und das tun so viele andere. Wann immer Vlad und Linus sich ins Internet begeben und eines dieser Szenarien aufrufen, sind aus der ganzen Welt andere Spieler dabei, mit denen sie sich verabreden. Die Umgangssprache ist deshalb oft das Englische, wenn man denn die seltsamen Kürzel, die dann verwendet werden, als "englisch" bezeichnen will. "Guck mal", sagt Vlad. "Diesmal sind vier Engländer dabei, und Deutsche und zwei Polen." Wo auf Deutsch kommuniziert wird - die Sätze, die geschrieben werden, erscheinen mit dem dazugehörigen Namen am Bildfeldrand - geht es ziemlich großmäulig zu. "Ich mach euch platt", oder: "Wir werden siegen!" oder: "Ihr habt keine Chance!" Linus grinst: "Ja, ja, das ist dasübliche Aufbäumen. Aber die mit der größten Klappe sind meistens die schlechtesten Spieler!" Wer übrigens richtig pöbelt, der kann auch rausgeschmissen werden. Jedes dieser Unterspiele kann nur deshalb gespielt werden, weil einige Jugendliche ihren Computer so eingerichtet haben, dass andere auf das Spiel zugreifen können. Fällt jemand unangenehm auf, wird er einfach gesperrt. Richtige Gespräche kann man in den zum "Battle-Net" gehörenden "Chatrooms" führen. Dort werden auch Mitspieler für "Clans" gesucht, fest zusammenstehende Gruppen, die sich zum regelmäßigen Spiel verabreden, innerhalb ihrer Gruppe auch aufsteigen können und sich insgesamt nach und nach einen Ruf in der Spielergemeinde erobern. Dass so was ganz schön süchtig machen kann, ist klar. Linus macht da nicht mit, zu Hause kommt er viel zu selten an den PC ran. Und Vlads Mutter steuert der Leidenschaft ihres Sohnes entgegen, indem sie ihn für die Nachmittage einfach nach draußen an die frische Luft schickt. Zu anderen Spielen in der realen Welt.



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