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Jubiläum wird verspätet gefeiert: Dr. Hermann Müntinga übt seit 25 Jahren ein schönes Ehrenamt aus

In den ehrenvollen Schuhen der Stiftsprediger

Obernkirchen. Was lange währt, wird bekanntlich doppelt gut: In einer stimmungsvollen Andacht wurde am Sonntag im Festsaal des Stiftes ein überfälliges Jubiläum nachgeholt. Vor 25 Jahren, am 5. Dezember 1982, wurde Dr. Hermann Müntinga in das Amt des Stiftspredigers eingeführt. Da das Verhältnis zwischen Klosterkammer und Stift in den letzten Monaten nicht immer das Beste war, wurde die Feierstunde vor drei Monaten verschoben, dafür konnte am Sonntag doppelt gefeiert werden: Der Stiftsgründungstag kehrte zum 41. Mal wieder.

veröffentlicht am 28.02.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

Als Müntinga vor 25 Jahren sein Amt antrat - eingeführt vom damaligen Superintendenten Hans-Wilhelm Hube -, folgte er großen Spuren, schließlich wirkt ein Stiftsprediger in der Bergstadt seit der Zeit der Reformation, also seit dem 16. Jahrhundert, als das Stift in ein reines Damenstift umgewandelt wurde. Und es war Tradition, dass einer der beiden Pastoren Obernkirchen dieses Amt innehat, meistens der Pastor der 1. Stelle. Die war zu dieser Zeit zwar vakant, aber wenn die damals noch acht Stiftsdamen von Müntinga nicht überzeugt gewesen wären, sie hätten ihn sicher abgelehnt. Nach einer Phase, in der man sich gegenseitig "beschnupperte", wurde Müntinga das Amt angetragen. Er hat es natürlich gern angenommen, es ist schließlich eine große Ehre, und er hat es nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Seelsorgedienst im Jahre 2001 gerne weiter ausgeübt. Und das neue Amt, es wird einen ganz besonderen und persönlichen Reiz für ihn ausgeübt haben. Denn Müntinga ist ein großer Bewunderer des deutschen Schriftstellers Theodor Fontane, gerne zitiert er aus seinen Werken. Vor allem der "Stechlin", das letzte große Alterswerk, dessen Druck Fontane noch erlebte, hat esMüntinga angetan. Im Roman ist Melusine, dieältere Schwester des Herren von Stechlin, eine unverheiratete Klosterschwester. Keine ganz richtige, denn wir befinden uns im protestantischen Brandenburg. Aber sie lebt in einer Art frommem Stift. Dort ist sie, wie angedeutet wird, sogar die Chefin, das heißt zwar nicht Äbtissin - sie ist die Domina. Und so wird sie auch in der Familie genannt. Sie ist es, die am Schluss eine neue Zeit verkündet und dennoch hofft, dass das Sterbende darin seinen Platz noch finden werde. Müntinga wird ein Vierteljahrhundert lang verglichen haben, hier der Blick des "märkischen Goethe" (Tucholsky), dort die Realität des Obernkirchener Stiftes, in dem eine untergegangene Epoche durchaus noch nachhallte. Denn viele, nicht alle, aber viele Stiftsdamen kamen aus dem reichen alten preußischen und pommerschen Adel, waren entsprechend gebildet, und so lobt Müntinga noch heute die "vielen, vielen guten Gespräche", die er führen und erfahren durfte. Auch die stets von gegenseitigem Respekt geprägte Atmosphäre ist ihm in bester Erinnerung. Auch wenn er rechtlich gar nicht weiß, wie lange er das Amt des Stiftspredigers noch ausüben kann, fünf schöne Jahre können es ruhig noch werden. Dann wird er 75, dann ist es vielleicht doch an der Zeit, dieses Ehrenamt in jüngere Hände abzugeben. Und vielleicht denkt er dabei an den Stechlin, in dem es Pastor Lorenzen so sagt: "Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es geht, und mit dem Neuen nur, soweit es muss." Denn die Tradition und das Moderne, das Vergangene und das Nachkommende, die Historie und die Zukunft, sie müssen ja versöhnt werden und einen gemeinsamen Weg finden; nicht nur im Stift. Wie soll es auch anders gehen?



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