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Von China nach Rinteln: Liping Kirstan hat Ernestinum-Lehrer geheiratet und gibt dort Malkurse

"In Bildern kann ich Gefühle ausdrücken"

Rinteln. Dass Schüler des Ernestinums im letzten Jahr drei Wochen nach China gereist sind und dort geneigte Austausch-Gastgeber gefunden haben, ist unter anderem der Chinesin Liping Kirstan (25) zu verdanken, die sich aus ganz persönlichen Gründen für den deutsch-chinesischen Austausch interessiert.

veröffentlicht am 17.01.2008 um 00:00 Uhr

Zwei Jahre alt ist die kleine Tochter von Liping und Ralf Kirsta

Autor:

Cornelia Kurth

Die junge Frau, so zierlich, dass sie hier in Deutschland ihre Kleidung fast nur in der Kinderabteilung der Kaufhäuser findet, lebt seit vier Jahren in Rinteln, zusammen mit dem Ernestinum-Lehrer Ralf Kirstan, den sie in ihrer Heimatstadt Chong Qing kennen lernte, als er einen befreundeten Professor in China besuchte und sie ihm als "Fremdenführerin" zur Seite stand. Die beiden haben inzwischen eine süße zweijährige Tochter. Außerdem gibt Liping Kirstan, die selbst ausgebildete Lehrerin ist, sehr begehrte Malkurse am Gymnasium, und zeigt den Schülern, wie man mit Pinsel und Tusche Landschaften, Blumen, Schriftzeichen malt. "Das Malen bedeutet mir viel", sagt sie. "Ich kann in den Bildern meine Gefühle ausdrücken." Das war vor allem in den ersten Jahren nach dem Umzug in eine andere Welt eine große Hilfe, um mit dem unvermeidlichen Heimweh einigermaßen fertig zu werden. Überall in ihrer Wohnung hängen ausdrucksstarke Blumenblütenbilder, zu denen immer fein gepinselte Schriftzeichen gehören, deren Poesie die Gefühlsstimmung der Bilder unterstützt. Liping Kirstan stammt aus einer bürgerlichen Familie mit Eltern, die es wagten, trotz der chinesischen Ein-Kind-Politik zwei Kinder in die Welt zu setzen, Schwester und Bruder. Sie studierte Englisch und ein Fach, das man "Administratives Management" nennen kann. Das heißt, es war unter anderem auch ihre Aufgabe, jungen Menschenbeizubringen, wie sie sich in späteren Führungspositionen gesellschaftlich angemessen zu verhalten haben. Gerne hätte sie auch noch andere Sprachen studiert, aber Fremdsprachen zu lernen, von Englisch mal abgesehen, ist in China eher ungewöhnlich. "Die Menschen in Deutschland sind sehr freundlich", meint sie. "Viel freundlicher als man es bei unsüber sie denkt. Die meisten Chinesen glauben, die Deutschen seien streng und kühl, weil ihnen Disziplin, Fleiß und Pünktlichkeit so wichtig sind." Ähnliche Vorurteile auf der deutschen Seite machten es ihr zu Anfang nicht leicht, die Art der Gespräche mit Deutschen richtig einzuschätzen. "Wenn sie mich nach dem Leben in China fragten, wusste ich oft nicht, ob sie mein Heimatland kritisieren wollten oder einfach nur neugierig waren." Wie groß das Interesse an der chinesischen Kultur am Ernestinum ist, zeigt sich daran, dass ihre Malkurse, die automatisch eine Einführung in die chinesischen Schriftzeichen werden, immer im Handumdrehen ausgebucht sind. Und als sie für einen Schüleraustausch den Kontakt zu ihrem ehemaligen College inChong Qing herstellte, meldeten sich weit mehr Interessierte, als es Plätze gab. "Ich möchte, dass auch meine Tochter möglichst viel von beiden Kulturen erfährt", sagt sie. Natürlich wächst die kleine Hanna zweisprachig auf, und sie soll, wenn sie etwas älter ist, möglichst oft auch in China sein, um die dortigen Großeltern endlich richtig kennen zu lernen, aber auch, um zu sehen, wie lustig und aufgeschlossen zu sozialen Kontakten die Chinesen im Allgemeinen sind. "Hier ist es richtig still auf den Straßen", sagt sie. "In China aber sind die Menschen immer draußen, sie treffen sich an den Marktständen und reden, sie feiern auf der Straße." Das Heimweh ist ganz gewiss nicht verschwunden. Aber seit Hanna auf der Welt ist, gehört auch ihre Mutter immer mehr beiden Welten an. Und die werden sich, wenn es nach ihr geht, weiterhin miteinander verbinden. In diesem Jahr kommen Schüler aus Chong Qing nach Rinteln. Und wenn junge Rintelner erneut nach China reisen, ist Liping Kirstan als Vermittlerin ganz gewiss dabei.

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