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Karussell fahren, bis der Arzt kommt: Spaß und Stress auf der Kindergarten-Freizeit

Immer wieder hoch und runter: Die Vorhölle ist eine Rastiland-Rutschbahn

Rinteln. Hoch, runter, hoch, runter, hoch, runter. Laufen, verschnaufen, laufen, verschnaufen, laufen, verschnaufen - die Wasserrutsche im Rasti-Land wirft eine Frage auf. Weil Kinder nur in Begleitung eines Erwachsenen hinunterrutschen dürfen, und wenn auf 30 Kinder dann fünf Erwachsene kommen, von denen einer oben und einer unten aufpassen muss und der Dritte ausbüchsende Kids wieder einfängt, wie oft müssen dann die übrigen Erwachsenen den Berg wieder hochlaufen? Die klare Antwort: Gefühlte eine Million Mal. Und nur gut, dass die katholische Kirche die Vorhölle wieder abgeschafft hat: Dieser Teil des Rasti-Lands wäre für das Purgatorium geradezu ideal.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:39 Uhr

Gruppenbild mit Eistüte. Fotos: rnk

Autor:

Jochen Rehmert

Die Idee hinter dem Ausflug des Comenius-Kindergartens, der nun schon seit zwölf Jahren regelmäßig ins Rasti-Land fährt, ist eindeutig: Die Kinder sollen als Abschluss des Kindergartens mal so richtig Spaß haben - einfach noch einmal Kind sein dürfen, bevor es in die Schule geht. Zudem sind viele Kinder im Haushalt der Eltern eingespannt, müssen auf die Geschwister aufpassen oder andere Aufgaben übernehmen. Es soll ihnen einfach die Chance gegeben werden, "Karussell zu fahren, bis der Arzt kommt", so Jutta Meves, Leiterin des Comenius-Kindergartens. "Dieser Ausflug ist etwas Außergewöhnliches für die Kinder. Die meisten von ihnen waren vorher noch nie im Rasti-Land oder ähnlichen Freizeitparks, da es die finanzielle Lage der Eltern meist nicht erlaubt in der heutigen Zeit", so Meves. Die Kosten des Ausfluges hält der Kindergarten daher möglichst niedrig. 25 Euro kostet der Alles-inklusive-Ausflug pro Kind, zwei Tage später dürfen sich die Eltern über eine Rückerstattung von neun Euro freuen. Nach einem Tag Rasti-Land folgt ein großes Pizza-Essen und die Übernachtung im Kindergarten. "Für viele Kinder wird diese Übernachtung die erste außerhäusige ihres Lebens sein", so Meves. Doch bevor die Betten aufgebaut werden, gibt es einen Stuhlkreis, in dem jedes Kind seine Eindrücke des Tages schildert. Achterbahn, Bob fahren, Eis essen - alles wird aufgezählt, was gefallen hat. Später am Abend, wenn die Dämmerung schon eingesetzt hat, wird noch eine Nachtwanderung mit Taschenlampen gemacht. "Danach geht es bettfertig in die Kiste", erklärt Meves den vorhergesehenen Plan. "Die Kinder wurden dann in drei Gruppen mit je zehn Kindern und einer Erzieherin aufgeteilt." Zusammen mit neun weiteren Kindern in einem Raum zu schlafen, bedeutet aber vor allem eins für die Kinder: emotionaler Stress. Gewohnt waren sie vorher ihr Einzelzimmer, einen geschützten und ruhigen Raum - nun werden sie mit unzähligen neuen und fremden Geräuschen, wie Husten, Schnarchen, Gequassel und vielleicht auch Weinen irritiert. Nach überstandener Nacht erwartet sie ein gemeinsames Frühstück - und dann geht es wieder heim. Überhaupt ist der ganze Tag für die Kinder nicht nur Spaß, sondern auch emotional anstrengend. "Erst Achterbahn, dann Schiffschaukel und gleich danach Geisterbahn - das ist eine ganz andere Welt für die Kinder, natürlich auch mit Adrenalinausstoß verbunden", so Meves. "Das ist nicht nur aufregend, sondern damit sind auch eine Vielzahl von zu verarbeitenden Eindrücken verknüpft." In diesen Momenten sei es für die Kinder wichtig, ihre Gefühle sofort einem Vertrauten mitteilen zu können. Hier verbinde sich die Leitidee eines jeden Kindergartens: Lernen und gleichzeitig Spaß haben - erst der Spaß und dann das Lernen durch die verarbeitete Erfahrung. DieÜbernachtung im Kindergarten soll es laut Meves aber in Zukunft nicht mehr geben: Der Tag im Rasti-Land sei erstens körperlich so fordernd und zudem gefühlsmäßig herausfordernd, dass die Übernachtung im Kindergarten dann ein Baustein zu viel sei: Die vielen Eindrücke des Tages lassen die Kinder erst spät zur Ruhe kommen. In diesem Jahr haben die lautesten Krakeeler nachts um 2 Uhr den Weg ins Bett gefunden: Es war das der Kindergartenleiterin.

Im Walzertakt auf dem Wasser.
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Heute bin ich die Größte.
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