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Kulturereignis mit Kultcharakter: "Sneak Previews" im Residenz-Kinocenter locken in zehn Jahren 80 000 Besucher an

Immer spannend: Denn sie wissen nicht, was sie sehen ...

Bückeburg. Ihr zehnjähriges Jubiläum feiert in diesen Tagen die Bückeburger Sneak Preview. Was vor einem Jahrzehnt im Residenz Kinocenter als vorsichtiges Experiment begann, hat sich vom Geheimtipp zu einem felsenfest etablierten Bückeburger Kulturereignis mit Kultcharakter entwickelt. An jedem Mittwochabend, pünktlich um viertel vor elf, harren Hunderte von Filmfans der Dinge, die da auf der Leinwand kommen mögen und von denen sie beim Kauf der Kinokarte noch nichts ahnten.

veröffentlicht am 17.01.2007 um 00:00 Uhr

Ach, du Shrek, der Depp: Johnny Depp in "Sleepy Hollow" und Shre

Autor:

Johannes Pietsch

Was macht den Reiz dieser filmischen Blind-Dates aus? Der normale Musikliebhaber geht schließlich auch nicht zum Kartenvorverkauf, um erst im Konzertsaal zu erfahren, ob er sich bei den Berliner Philharmonikern oder den Wildecker Herzbuben wiederfindet. Auch der Gourmet im Restaurant wird sich bei der Bestellung kaum auf die Überraschungsauswahl durch den Kellner verlassen. Was bei Konzerten oder im Restaurant so sonderbar anmuten würde, im Kino funktioniert es ausgezeichnet: Denn sie wissen nicht, was sie sehen. Bückeburg hat sich eindeutig als Sneak-Hochburg mit einem Einzugsgebiet weit über die Schaumburger Grenzen etabliert. In unverbrüchlicher Treue pilgern die Filmfans seit zehn Jahren an die Lange Straße. 478 Filme wurden in dieser Zeit gezeigt, davon 92 in Doppel-Sneaks. Rund 80 000 Besucher ließen sich in von den Überraschungsfilmen (je nach Genre) unterhalten, verzaubern, belustigen und ängstigen. Im Regelfall laufen Sneak-Filme erst Wochen später offiziell in den Filmtheatern an. Die Rekordzeit mit sechs Monaten hält dabei Roger Donaldson "Mit Herz und Hand". Und der romantische Mystery-Thriller "If only" mit Jennifer Love Hewitt war sogar nur in der Bückeburger Sneak zu sehen. Ein besonderes Kino-Bonbon gab es 2002 zur Feier der 200. Sneak: Statt zwei neue Kinoproduktionen konnten die Besucher zwei Streifen aus den 80er Jahren wählen. Gezeigt wurden damals "Top Gun" und "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug". Die verschiedensten Genres von Romantik bis Slapstick, von Drama bis zu pechschwarzem Horror, von schwülstigster Romantik bis zu gediegenstem Arthouse-Kino, von krachlederner Action bis zu ausgelassenem Trickfilmabenteuer, waren in der Bückeburger Sneak schon zu erleben. Hier schmachtete Hugh Grant in "Notting Hill" Julia Roberts an, wettete Ryan Phillipe mit Sarah Michelle Gellar in "Cruel Intentions" um die Verführung der schönen Reese Witherspoon, philosophierten und prügelten Brad Pitt und Edward Norton in David Finchers Meisterwerk "Fight Club", hier durchlebten die Kinofans den ganz großen Aha-Effekt am Ende von M. Night Shyamalans "The 6th Sense" (was, Bruce Willis ist...!), jagte Johnny Depp in Tim Burtons furiosem "Sleepy Hollow" den kopflosen Christopher Walken, nahm Bully Herbig in "Der Schuh des Manitu" den gesamten wilden Westen auf die Schippe, ging Tom Cruise in Michael Manns "Collateral" als weißhaariger Profi-Killer auf die Jagd, hier liefen "Shrek", "Findet Nemo", "Mission Impossible 3", die Jane-Austen-Verfilmung "Stolz und Vorurteil" und die Frank-Miller- Adaption "Sin City". Eine Entwicklung trübt jedoch die regelmäßige Überraschungsfreude erheblich: Immer weniger Filme werden von den Verleihfirmen zum "Sneaken" freigegeben, da diese ein illegales Abfilmen während der Vorstellung und anschließend die Verbreitung der Raubkopien im Internet befürchten. Aus diesem Grund sind auch immer öfter wahrhaft skurrile Randerscheinungen bei den Bückeburger Sneaks zu beobachten wie erst letzte Woche, als vor dem Kinosaal des Residenz zwei Security-Mitarbeiter des Verleihs Aufstellung bezogen und alle Besucher nach Handys und Camcordern befragten.

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