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Dewezet-Mitarbeiter Benjamin Krämer fährt mit Freundin Ellada auf dem Motorrad um die Welt

Immer Richtung Horizont

Hameln. Wir wollen es wagen: mit dem Motorrad die Welt umrunden, neue Menschen, Kulturen und Grenzen erfahren. Eine Entscheidung für das Abenteuer – gegen die Sicherheit.

Ach wie schön war es doch, als meine Partnerin Ellada und ich vor fast genau einem Jahr auf unserem Motorrad über den Balkan rauschten. Strahlender Sonnenschein, freundliche Menschen, jeden Tag neue Erfahrungen und Erlebnisse, die sich einfach nicht planen ließen.
Nicht so schön war es dann, nach vier Wochen wieder in strömendem Regen nach Hause zu kommen – klar. Doch wer jetzt denkt, es sei klassische Urlaubsromantik, die uns auf eine Weltreise führt, irrt. Es ist vielmehr eine Lebensentscheidung an einem Scheidepunkt: Was tun, wenn man kurz vor der gefürchteten 30 steht? Eine Familie gründen? Alles in die eigene Karriere investieren? Oder noch einmal Freiheit zelebrieren, bevor es (durchaus sehr positive) Lebenszwänge gibt, die das nicht mehr ermöglichen? Wir haben uns für Letzteres entschieden, nachdem wir digital einem anderen Pärchen über die Schulter geschaut hatten, das selbst mit dem Motorrad um die Welt fährt. Wir haben beide unisono gesagt: „Das würde ich auch gerne machen!“ Anstatt dann allerdings – wie gewöhnlich – am Wein zu nippen und nach einem kurzen Fernwehblick aus dem Fenster das Thema zu wechseln, haben wir innegehalten. Tatsächlich darüber gesprochen, wie das gehen könnte.
„Unser gesamtes Leben
in etwa 100 Liter Stauraum“
Nach kürzester Zeit hatten wir schon einen kleinen Plan ausgeheckt und kurzerhand gesagt: wir machen es einfach, anstatt es uns nur zu wünschen. Diese Entscheidung ist im Oktober 2015 gefallen. Seitdem ist viel passiert: Wohnung gekündigt, Hausstand aufgelöst, Motorrad verkauft und gegen ein fernreisetaugliches eingetauscht, viele Versicherungen gekündigt, alle laufenden Kosten auf nahezu null reduziert. Und ja: auch die Jobs gekündigt, gespart und recherchiert.
Heute, beim Schreiben dieser Zeilen, besitzen wir fast nur noch das, was auf unserem Motorrad Platz findet. Da wir zu zweit auf einer Maschine fahren, ist das nicht gerade viel, für uns erstaunlicherweise jedoch absolut ausreichend. Unsere gesamtes Leben passt nun in etwa 100 Liter Stauraum. Nach den ersten Bedrückungen und dem Gefühlt, „nackt und hilflos“ zu sein, ist diese Erkenntnis erstaunlicherweise sehr befreiend und erleichternd. Nichts Langfristiges mehr, um das man sich kümmern müsste, keine Gegenstände mehr, die man einfach nur pflegt, anstatt sie wirklich zu benötigen.
Doch wenig zu besitzen, war nie unser Antrieb. Als Journalist und Fotografin lieben wir die Natur ebenso sehr wie Menschen, Kulturen und ihre Geschichten. Das Entdecken genau dieser Dinge, des Neuen, des Abenteuerlichen, dieses einen Momentes, den man nie wieder vergisst – das ist es, was uns in die Ferne lockt.
„Die Ferne“ bedeutet für uns im ersten Schritt, die legendäre Seidenstraße zu befahren, die schon im Mittelalter Europa mit China verband. Mit dem Iran, den Stan-Ländern, dem Hindukusch und der Mongolei erwarten uns dort ebenso viele landschaftliche wie kulturelle Farbenspiele und zwar hautnah – darum reisen wir bewusst mit dem Motorrad.
Die Entscheidung für eine Motorradreise beinhaltet allerdings auch, dass wir viel im eigenen Zelt übernachten werden, abseits der Zivilisation und den Verlockungen eines Hotels oder eines abendlichen Restaurantbesuchs. Von warmen Duschen ganz zu schweigen. Was wir erleben werden? Wir wissen es nicht, aber wir sind offen und neugierig auf das, was uns erwartet. Und wir werden darüber berichten und jeden daran teilhaben lassen, der die Welt gemeinsam mit uns von Hameln aus erkunden möchte.

veröffentlicht am 24.05.2016 um 21:44 Uhr

Weltreise Motorrad Benjamin Krämer

Autor:

Benjamin Krämer


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