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Schulen, Kirchen und Jugendpflege planen Schulterschluss gegen Rassismus und Intoleranz

Immer mehr dabei: Netzwerk gegen Rechts

Obernkirchen (sig). Es zeichnet sich ab, dass sich die Bergstadt in die Phalanx jener Orte einreiht, die Front machen gegen den offensichtlich wachsenden Rechtsradikalismus. Das soll nicht allein durch die Ausstellung geschehen, die zuerst im Schulzentrum gezeigt wurde und jetzt bis zum Sonntagabend in der Stiftskirche zu sehen ist. Es gibt inzwischen vielmehr deutliche Stimmen aus dem Jugendbereich, aus den Schulen und aus den Kirchen, die sich für gemeinsame Konzepte einsetzen.

veröffentlicht am 14.07.2006 um 00:00 Uhr

Noch bis zum Sonntag ist die Ausstellungüber rechte Jugendkultur

"Wir wollen hier das Netzwerk verstärken, das auf Kreisebene unter dem Motto "Schaumburg ist bunt" als Aktionsplan gegen Rassismus und Intoleranz ins Leben gerufen wurde", erklärte Dirk Assel bei der Ausstellungseröffnung in der Stiftskirche. Obernkirchen werde sich als tolerante und weltoffene Stadt mit einer positiven Jugendkultur zeigen und beweisen. Stadtjugendpfleger Erhard Vinke entgegnete dazu: "Es ist ganz wichtig, dass wir auf möglichst breiter Ebene Aufklärungsarbeit leisten, damit es nicht noch mehr Mitläufer für die rechte Szene gibt, die gar nicht so recht begreifen, was sie da tun." Weil die Ewiggestrigen, die auch aus dem Dritten Reich nichts gelernt haben, allmählich aussterben, bemühten sich die Extremisten auf dem Weg über eine besondere Form der Jugendkultur um Nachwuchs, ergänzte Vinke. Besonders Songs mit nazistischen, die Gewalt und Fremdenfeindlichkeit verherrlichenden Texten sowie nationalistische Symbole und Gedanken sollen die jungen Menschen beeinflussen und so in die rechte Szene hineinziehen. Das geschieht offensichtlich nicht ohne Erfolg, wie verschiedene Vorfälle im Schaumburger Land in den letzten Monaten beweisen. Stadthagen, Bad Nenndorf und das Auetal sind Bereiche, in denen die rechte Szene bereits deutlich aus der Deckung gekommen ist. Dirk Assel erinnerte daran, dass beim so genannten "Trauermarsch" sogar Neonazis aus Hamburg mitgewirkt haben. Sie bemühten sich nach Kräften, ihren Aktionsradius auszuweiten. Eines ihrer Hauptziele sei es, den Hass gegen Ausländer zu schüren. Erhard Vinke sprach davon, dass auch die Harden-Barracks in Obernkirchen ein Ort seien, an dem sich Rechtsextreme treffen. Die Teilnehmer kämen sogar aus größeren Entfernungen angereist, unter anderem aus dem Rheinland. Es gebe auch solche Zeichen wie Drohanrufe und anderes mehr, die zum Handeln zwingen. Man werde in nächster Zeit in einem zunächst noch informellen Kreis zusammenkommen, um alle weiteren Schritte gegen den drohenden Rechtsruck im Jugendbereich zu besprechen, versicherte der Stadtjugendpfleger. "Wir wollen bestimmte Anliegen thematisieren, aber bei Bedarf auch durchaus spontan handeln", kündigte Jugendpfleger Vinke an. Nicht alle Vorhaben sollen zuvor auf dem "offenen Markt" diskutiert werden. Außerdem will sich das örtliche Netzwerk gegen Rassismus und Intoleranz auch bei allen wichtigen Veranstaltungen in der Bergstadt präsentieren. Es soll zudem Gruppengespräche mit Jugendlichen und Eltern geben, um die bestehenden Gefahren aufzuzeigen und auch für mehr Informationen zu sorgen. Es zeichnet sich also ab, dass erfreulicherweise gerade aus dem Jugendbereich der Bergstadt eine Gegenoffensive gestartet wird. Bei diesen Bemühungen werde die Kirche nicht abseits stehen, versicherte Pastor Wilhelm Meinberg: "Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und durchaus Stellung beziehen", unterstrich der Seelsorger. Es gebe bereits jetzt wieder so manchen Menschen, der sich durch das Wiedererstarken der Rechtsextremisten inseinen demokratischen Freiheiten bedroht fühle. Das dürfe auf keinen Fall hingenommen werden, betonte Meinberg.

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