weather-image
14°
Amüsanter "Hanns Dieter Hüsch"-Abend vor gut gefüllten Rängen

Immer kommt eine Schwalbe raus

Rolfshagen (rnk). Er hat oft und gerne geträumt. Mit offenen Augen von einer Welt, in der ein Schäfer im tiefen Tal wandert und dann seine Schafe in die Freiheit führt. Eine Welt, die er nicht mehr erleben werden kann, erkannte Hanns Dieter Hüsch schon vor vielen Jahren. Doch seine Utopie, sie lebt. Was Stefanie Schulte-Rolfes, ihr SohnSamuel, Lara Kuhlmann und Jürgen Leo vorgestern in der Kirche Rolfshagen demonstrierten, als sie gute 60 Minuten mit Texten des Kabarettisten und einigen Musikstücken bestens unterhielten. Höchst erfreulich war auch der Zuspruch: Die Bänke im recht großen Gotteshaus waren dicht besetzt - bis ganz nach hinten.

veröffentlicht am 20.11.2007 um 00:00 Uhr

Blumen zum Schluss: Lara Kuhlmann, Stefanie Schulte-Rolfes, ihr

Damit dürfte das Quartett genügend positiven Rückenwind für ein nicht ganz risikoloses Projekt erfahren haben: selber ein Kulturprogramm auf die Beine zu stellen, Kultur aus der Kirchengemeinde heraus zu etablieren. "Es kommt immer was dazwischen" hatten die vier ihr Programm genannt, nach einem der letzten Bücher des Kabarettisten, der 2005 starb. Vorgetragen wurden vorgestern vor allem kritische Alltagsanekdoten, die deutlich herausstrichen, wie Hüsch sich selber sah: Er wollte stets "die Ohren der Menschen schulen für Lügen, für falsche Töne und falsche Typen". In einem seiner letzten Bücher, eben jenem "Es kommt immer was dazwischen", schreibt er: "Ich steh' immer dumm rum und gucke zu. Wenn ich mir, wenn's regnet, aus einer Zeitung eine Mütze machen will, wird immer eine Schwalbe daraus. Es gibt welche, die machen aus einem Kühlschrank ein Kinderbett oder aus einer Türklinke ein Bügeleisen. Bei mir kommt immer eine Schwalbe raus. Ich meine, ich geb's nicht auf. Vielleicht gelingt mir eines Tages irgendetwas. Und wenn nicht, man kann nicht alles haben, sein und können. Ich bin eben zu kurz gekommen. Macht nix. Ich sag immer: Selig sind die Zukurzgekommenen. Denn sie tun einem nix..." Der lange und dankbare Applaus für das Auetaler Quartett sollte Mut machen. Gute Unterhaltung muss nicht immer für teures Geld eingekauft werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare