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Portaner Resolution gegen geplante Salzeinleitung / Fischereiverein verweist auf EU-Grenzwerte

Immer breitere Front gegen salzigen Todeskuss

Rinteln (ur/ly). Mit der Weser und ihren Wasserverhältnissen ist es in den letzten Jahren immer weiter bergauf gegangen - auch mit der Mittelweser um Rinteln, wo sie ja schon eine ganze Weile bergab geflossen ist. Die Wasserqualität aber scheint jetzt massiv bedroht durch die Absicht der Kali und Salz GmbH aus Fulda, bis zu 700 000 Kubikmeter salzhaltige Abwässer über die Werra in die Weser einzuleiten (wir berichteten). Nach dem Rat der Stadt Rinteln machen jetzt auch die Stadt Porta Westfalica und der Detmolder Regionalrat in Minden gegen diese Pläne mobil. Die K+S GmbH verteidigt ihren Standpunkt mit Arbeitsplatz-Argumenten.

veröffentlicht am 09.02.2007 um 00:00 Uhr

Klare Sache: Die Wasserqualität der Weser hat sich in den letzte

"Wenn das passiert, wird die Werra fast ein toter Fluss und dasÖkosystem Weser stark beeinträchtigt", warnt Dr. Albrecht von Lochow, Umweltamtsleiter in Porta Westfalica. In der Portaner Resolution wird das Regierungspräsidium Kassel aufgefordert, die Einleitung zu untersagen. Zugleich fordert die Stadt Porta Westfalica alle Anrainergemeinden der Weser, dieKreise Herford, Höxter und Minden-Lübbecke sowie die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, sich gemeinsam gegen die zusätzliche Einleitung von mehr als 400 Milligramm Chlorid pro Liter Wasser einzusetzen. Dies sei der für einen Süßwasserfluss maximal verträgliche Chloridgehalt. Der Grenzwert liege aber bei 2500 Milligramm. Landwirte befürchten bereits, dass durch die Grabensysteme auch Weiden und Ackerbauflächen versalzen und Vorsitzender Karl Tiedermann vom Fischereiverein Grafschaft Schaumburg erklärt: "Unsere Bemühungen um einen gesunden Lebensraum für Fische und Vegetation der Weser werden dadurch erheblich gefährdet." Bei der geplanten Salzanreicherung erreichten viele Fische gar nicht mehr die Fortpflanzungsfähigkeit. Tiedermann fordert alle Anrainergemeinden der Weser auf, sich den Resolutionen anzuschließen: "Auf uns als Vereine wird bei solchen Entscheidungen ohnehin kaum Rücksicht genommen - aber die Politiker müssen zur Kenntnis nehmen, dass die EU bereits für das Jahr 2015 eine Obergrenze von 200 Milligramm Salzbelastung einfordert." Ein nationaler Alleingang gegen diese Limitierung sei damit auf europäischer Ebene kaum durchsetzbar. Der Antrag der Firma K+S wird als umso schlimmer empfunden, weil der Patient Weser nach Jahrzehnten des Siechtumsüber den Berg schien. Grund dafür neben verbesserter Klärtechnologie in den Kommunen links und rechts des Flusses: der Niedergang des Kalibergbaus und die Einstellung anderer Industrieproduktionen speziell im Bereich der ehemaligen DDR, die ihre Schmutzfracht in die Weser abgaben. Inzwischen wird allenthalben ernsthaft erwogen, wieder Flussbadeanstalten einzurichten und Städte und Gemeinden wieder stärker an den Strom heranzuführen - Überlegungen, wie sie auch in Rinteln im Zusammenhang mit Projekten wie Weserpromenade, Steinanger und Jachthafen diskutiert wurden und werden. Die Kaliproduzenten stützen sich in ihrer Argumentation darauf, dass auch bei dieser Salzfracht die Grenzwerte von 1942 einzuhalten sind: "Eine weitere Herabsetzung dieses Grenzwerts durch die Rahmenrichtlinien der EU würde allerdings den Lebensnerv des Werkes Werra treffen", erklärt dazu Unternehmenssprecher Oliver Morgenthal und prophezeit für diesen Fall den Abbau von Arbeitsplätzen bei den Kalikumpeln. Ein Abtransport per Bahn, die Abdeckung der Halden oder auch die Lagerung im Berg selbst komme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage und werfe zudem auch technische Fragen auf. Seine Einschätzung: "Der Grenzwert wird nicht erreicht, die Wasserqualität bleibt bestehen." Dagegen argumentiert allerdings Dr. Burkhard Beinlich von der Landschaftsstation Höxter: "Die zusätzliche Einleitung erhöht die Chloridfracht um 6 bis 12 Prozent. Zudem ist der Grenzwert von 1942 aus heutiger Sicht ohnehin anachronistisch."

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