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Das Bad im Fluss ist ein Muss: Der Nationalpark Cevennen liegt im Süden Frankreichs

Im wilden Land der Seide und der Kastanien

Florac. Wie Silbertaler schillern die rundgeschliffenen Schieferstücke in der Sonne. Das Wasser des Gardon-Flusses ist kühl. Die glatten Granitfelsen haben Mulden und wirken wie bequeme Designersessel. Der Blick schweift zu einem Mädchen, das mit seinem Hund im Wasser tobt, zu einem Pärchen, das seine Handtücher auf einem Flecken Sandstrand ausgebreitet hat, und hinauf zu der hohen Brücke mit ihren eleganten Rundbögen. Dort waren wir eben noch drübergefahren – und haben spontan angehalten, als wir die Badenden im Fluss tief unter uns entdeckten.

veröffentlicht am 04.08.2011 um 15:44 Uhr

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Das ist das Schöne an den Cevennen, einer der letzten wilden Ecken Europas: Sie bieten herrliche Natur und sind alles andere als überlaufen. Die südfranzösische Region im Hinterland von Montpellier ist geprägt von waldigen Hügeln, von einem windigen Hochplateau und tiefen Schluchten. Dadurch schlängeln sich die Flüsse. Ein Teil der Cevennen ist als Nationalpark geschützt.

In Florac, dem Hauptort des Parks, geht das Leben einen gemütlichen Gang. Platanen bilden ein grünes Schattendach über den Cafés. In einem kleinen Laden gibt es Kastanienhonig zu kaufen, eine Spezialität der Region. Am Fluss Tarn liegen Campingplätze. Hinter Florac erhebt sich die massive Felswand der Hochebene Causse Méjean, von der Unesco vor kurzem zum Welterbe erklärt.

„Hier treffen drei ganz verschiedene Landschaften und Gesteinsarten aufeinander“, erklärt eine junge Frau im Haus des Nationalparks. Das Hochplateau sei aus Kalkstein, die Gegend östlich von Florac von Granit geprägt. Und in der Hügellandschaft weiter südlich herrsche Schiefer vor. Sie empfiehlt, die Hochebene hinaufzuwandern. Auf einem der zahlreichen markierten Wege im Park.

2 Bilder
Noch heute gibt es im Nationalpark Dörfer mit schiefergedeckten Steinhäusern. In ihnen wurden damals Seidenraupen verarbeitet.

Mit frischem Baguette und Pélardon – dem örtlichen Ziegenkäse in runder Form – im Rucksack ziehen wir los. Bald lassen wir die schiefergedeckten Steinhäuser hinter uns und laufen durch einen Kastanienhain. Eidechsen flitzen raschelnd durchs trockene Laub. Schmetterlinge umflattern Pferdeäpfel.

Bald windet sich unser Weg durch den Wald den Steilhang hinauf. Es duftet angenehm nach Kieferharz. Oben angekommen fallen wir ins Gras und genießen die Aussicht. Sie wird untermalt vom Grillenzirpen. Nordeuropäer versetzt das sofort in Urlaubsstimmung. Unter uns liegt die Tarn-Schlucht, hinter uns die Graslandschaft der Hochebene.

Perlmuttfarbenes Engelshaar wiegt sich im Wind, eine Gräserart mit zarten, flaumigen Kringeln. Dort, wo es auf einem steilen Pfad wieder nach Florac hinuntergeht, haben sich stalagmitenähnliche Felsen aus der Steilwand gelöst.

Was es mit den vielen Kastanienbäumen auf sich hat, erfahren wir in Saint-Jean-du-Gard. Esskastanien waren lange Zeit das wichtigste Lebensmittel in den felsigen Cevennen, Getreideanbau war hier kaum möglich. Maronen wurden frisch gegessen, gekocht, gegrillt, getrocknet, zu Mehl verarbeitet. Kein Wunder, dass der Kastanienbaum schlicht „Brotbaum“ genannt wurde.

Ein besonders strenger Winter Anfang des 18. Jahrhunderts vernichtete einen großen Teil der Bäume. Die Cevennen-Bewohner pflanzten Maulbeerbäume anstelle der Kastanien, um im großen Stil in die Zucht von Seidenraupen einzusteigen. Mitte des Jahrhunderts gab es bereits etwa 400 000 Maulbeerbäume in der Region. Um von vier auf acht Zentimeter Länge zu kommen, fressen die Raupen mehr als 700 Kilo Maulbeerbaum-Blätter innerhalb einer Woche.

Dafür gab es die „Magnaneries“, Raupen-Fressanstalten in urigen Steinhäusern. Von ihnen sind heute noch einige erhalten. Ihre Verwandlung in Schmetterlinge erlebten die Seidenraupen allerdings nicht mehr. Kaum hatten sie sich in ihren daumendicken Kokon eingesponnen, wurden sie schon in heißes Wasser geworfen. Junge Frauen wickelten dann die je etwa eineinhalb Kilometer langen Fäden zu Zöpfen auf, die für die Seidenmanufakturen in Lyon und Nîmes bestimmt waren.

Bei einer Autofahrt durch die Cevennen kommt man nicht besonders schnell voran. Das liegt nicht nur an den kurvenreichen Straßen, sondern auch an den hübschen Dörfchen, die man gerne alle anschauen würde. Oft bestehen sie nur aus ein paar trutzigen, schiefergedeckten Steinhäusern. Es duftet nach Lavendel, dessen lila Blüten von Zitronenfaltern umflattert werden.

Häufig finden sich auch winzige Friedhöfe mit längst verwitterten Grabsteinen. Sie sind Zeugen einer Zeit, in der die Hugenotten, wie die Protestanten in Frankreich genannt wurden, in dieser Region von den Schergen des Königs Ludwig XIV. verfolgt wurden.

Viele Hugenotten flohen damals aus Frankreich in die Schweiz, nach Deutschland, nach Amerika oder Südafrika. Doch in den Cevennen leisteten die Protestanten erbitterten Widerstand. Zwischen 1000 und 3000 religiöse Rebellen konnten dort etwa zwei Jahre lang gegen 25 000 Soldaten des Königs standhalten.



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