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Unterwegs mit den Schaumburger Kandidaten: Ursula Helmhold wird am 27. Januar feiern - so oder so

Im roten Bereich der Wahlkampfmaschinerie

Im Rücken Betonbauten mit angepappten Balkonen und hellen Fassaden, vor ihr die aufgehende Sonne: Ursula Helmhold, die alle nur Uschi nennen, hält ihr Gesicht dem Ball aus Glut entgegen, schließt die Augen und atmet tief durch. Es sind die letzten ruhigen Sekunden, die die Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen heute haben wird.

veröffentlicht am 14.01.2008 um 00:00 Uhr

Weil der Ministerpräsident kein Umweltminister ist, muss Ursula

Autor:

Frank Westermann

Peine steht an diesem Morgen auf ihrem Programm, sie will sich im Südstadtviertel informieren. Hier leben die alteingesessenen Arbeiter und die später eingewanderten Ausländer Seite an Seite, Jung und Alt, Deutsche und Mi granten. Einfach ist es nicht, erklärt Gerhard Nolte als Geschäftsführer des Caritasverbandes. Man muss Vertrauen aufbauen, Kontakte knüpfen, immer wieder einen neuen Anlauf nehmen, damit die Menschen begreifen: Wir können euch helfen. Doch eigentlich sind die Räume zu klein, bei eindreiviertel Personalstellen geht zu viel Zeit für die Bürokratie verloren, zudem ist der Kampf um Fördermittel ebensoenervierend wie hart. Helmhold kann nur zustimmen: Fördermittel müssten nicht für ein Jahr, sondern für zwei, drei Jahre verteilt werden - dann könnte auch in Ruhe gearbeitet werden. Helmhold hört lange zu, unterbricht selten, hat manchmal Nachfragen, überzeugt durch ihre Detailkenntnisse. Nach einer Stunde ist das Gespräch beendet, der Fotoreporter der Braunschweiger Zeitung hat zwischendurch sein Bild gemacht, an Texten und Inhalten ist er an diesem Tage nicht interessiert. Es ist ein niedrigschwelliger Wahlkampf, meint Helmhold, die großen Themen fehlen noch: "Aber das kommt noch", erklärt sie Mitte Dezember - und behält Recht: Im neuen Jahr spült der Wahlkampf die hessischen Themen auch nach Niedersachsen. Sie hat sich einiges vorgenommen. An der Zehn- Prozent-Hürde, das gibt sie unumwunden zu, würde sie schon gerne kratzen. Immerhin: Dem Landtagswahlkampf fehlt es zwar vor dem Fest an den alles übergreifenden politischen Reizthemen, auch ist der Termin um Weihnachten und Silvester herum nicht dazu angetan, politische Fragen in den medialen Mittelpunktzu rücken, doch am fehlenden Einsatz soll es bei Ursula Helmhold nicht scheitern. Oft ist sie gleich drei, vier Tage unterwegs, übernachtet in Hotels, an die sie sich im Zweifelsfall besser erinnert als an den einen oder anderen Termin, versucht, die Stimmung in den Kreisverbänden hoch zu halten, die anderen Kandidaten mit einzubinden. Es ist einfach Arbeit ohne Ende: Die Wahlkampfmaschinerie dreht ihre Protagonisten zuweilen schnell in den roten Bereich. Für die Grünen und ihre Spitzenkandidatin ist es ein bienenfleißiger und zuweilen recht pfiffiger Wahlkampf, der nach Demoskopenmeinung mit einem Plus am 27. Januar enden wird. Eine Regierungsoption haben sie kaum, dafür ist die siechende SPD einfach zu schwach. Nach der Caritas wird der Kinderschutzbund in Peine besucht, auf der Fahrt dorthin gibt sie noch schnell ein Telefoninterview. Doch, sagt sie, selbst wenn sie die Zehn-Prozent-Hürde nicht schafft, nicht einmal ansatzweise, dann wird sie am Abend des 27. Januar trotzdem feiern. "Es ist mein 30. Hochzeitstag." Ist das nicht ein bisschen zu privat, frage ich nach dem Ende des Gesprächs. "Nein, soll er ruhig schreiben, vielleicht macht mich das für das bürgerliche Lager wählbar", sagt sie - und lacht laut und herzlich. Gelacht hat sie auch auf dem Weihnachtsmarkt in Lüneburg, wo ihr CDU-Ministerpräsident Christian Wulff über den Weg lief. Sie hat ihm ein Lebkuchenherz schenken wollen, mit einer aufgemalten Zahl: 120 - für das Tempolimit auf den Autobahnen. Wulff fand das nicht so komisch, erzählt Helmhold: "Er hat gesagt, er sei nicht der Umweltminister und nehme nicht alles an, was man ihm in die Hand drücken will." Leider fehlte die Pressemeute, aber ein Foto gibt es von der Begegnung. Lächelnd verlässt Helmhold das Bild. Überhaupt Wulff. Dass er zum Fest der Liebe dem Boulevard nach der neuen Freundin einen neuen Erdenbürger ankündigen kann, ist für sie auch gut getimete PR, der sie durchaus professionellen Respekt zollt: "Selbst wenn du willst: So viele Hunde kannst du als Politiker gar nicht aus dem Tierheim holen, um dagegen anzukommen."

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