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Claus Adler fertigt Figuren aus Holz - und stellt fest: "Bewusstsein für Krippen scheint wieder zu wachsen"

Im Reinsdorfer Krippen-Keller schnitzt ein Adler

Reinsdorf (nah). In einem Reinsdorfer Keller ist das ganze Jahrüber Weihnachten. Aber es leuchtet dort kein Christbaum, und auch Geschenke liegen nicht heru m. Die festliche Stimmung verbreiten vor weißen Wänden zahlreiche Figuren, die mit den biblischen Ereignissen am Heiligen Abend etwas zu tun haben. Denn Claus Adler hat sein handwerkliches Interesse für Krippen entdeckt.

veröffentlicht am 24.12.2007 um 00:00 Uhr

Das ganze Jahrüber ist Weihnachten: Der Reinsdorfer Claus Adler

Holzarbeiten haben es dem gelernten Augenoptiker eigentlich schon immer angetan. Bereits als Jugendlicher bastelte er an Wassermühlen oder Schiffsmodellen. Später wandte er sich der Schnitzkunst zu. Er wollte damit so ein bisschen "an die gute alte Zeit" erinnern. Deshalb entstanden Holzreliefs mit bäuerlichen Szenen, Pferdefuhrwerke und auch Kutschen. Und immer wieder versuchte er sich an weihnachtlichen Dekorationen. So kam er vor vier Jahren auf die Idee mit der bildhaften Darstellung der Heiligen Familie im Stall von Bethlehem. Diese Darstellung ließ ihn nicht mehr los. Manchmal formte er ganz individuelle Figuren aus Lindenholz. Oft aber besorgte er sich im Fachhandel Rohlinge, aus denen er sorgfältig Gesichter und Gestik schälte und sie behutsam mit Farben versah. Mit der Zeit begann er zu experimentieren. Er wollte nicht nur die klassischen Formen realisieren: Er stellte Maria, Josef und das Jesuskind auch in eine eher orientalische Umgebung, in eine Höhle aus Rinde oder vor ein Haus, das wie ein großer Bauernhof wirkt. Hinzu kamen natürlich Hirten, Schafe, die Weisen aus dem Morgenland mit ihren Kamelen. Doch der 60-Jährige denkt noch ein bisschen weiter: Er könnte sich eine Krippe selbst mit Kutschengespannen oder bäuerlichen Szenen vorstellen. Das erste Mal hat der ehemalige Versicherungsagent den Mitbürgern seines Heimatortes vor zwei Jahren von seinem Hobby verraten. Damals organisierte er den ersten "Winterzauber" - in seinem Keller. Das voradventliche Treffen ist gerade kürzlich bei seiner dritten Auflage im nahen Forsthaus zu einem großen Ereignis geworden. Auch Adler war mit seinen holzgeschnitzten Szenerien dabei. "Das Bewusstsein für Krippen scheint wieder zu wachsen", hat er dabei festgestellt: "Die Menschen kommen, zeigen Interesse und wollen sich die Figuren ganz aus der Nähe betrachten." Lange hatte er geglaubt, dass Krippen "aus der Mode" gekommen seien: "Aber das sind sie wohl nicht mehr." Am meisten aber sind nach seinen Beobachtungen die Kinder fasziniert. Vor allem ein kleiner Reinsdorfer hat bei ihm großen Eindruck hinterlassen. Der Fünfjährige klaubte einen Fünf-Euro-Schein aus der Jackentasche und fragte mutig, ob er für diesen Betrag auch schon eine Krippe bekommen könne. Das musste Adler angesichts der aufwendigen Handarbeit natürlich verneinen. Aber er bot ihm an, ihn doch einmal zu besuchen. Schon am nächsten Tag stand der Kleine wieder vor der Tür. Adler haben diese Begegnungen keine Ruhe gelassen. So werkelte er in diesen Tagen an einer kleinen Krippe, mit der er sich am Heiligen Abend auf den Weg machen will: "Die stelle ich dem Jungen heimlich vor die Haustür - als Weihnachtsüberraschung", hat er schon vorab verraten. Die Zeitung darf's auch drucken. Schließlich kann der junge Mann ja noch nicht lesen.



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