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Ein Aue-Spaziergang mit dem Naturschützer und Hobby-Ornithologen Marc Jameson (18)

Im Reich des Turmfalken und der Wasseramsel

Auetal. Es ist nicht besonders schwer, ihr zu folgen. Ein paar Meter fliegt sie, dann nimmt sie wieder Platz, am liebsten auf einem Stein am Ufer. Scheu ist die Wasseramsel also nicht, aber immer auf der Hut vor den Menschen. "Sie ist interessant, weil sie der einzige Singvogel ist, der auch tauchen kann", erklärt Marc Jameson, der das Tier mit dem Fernglas beobachtet.

veröffentlicht am 15.02.2007 um 00:00 Uhr

Marc Jameson

Autor:

Frank Westermann

Die Aue ist normalerweise nicht das Beobachtungsrevier des 18-Jährigen, aber weil der Naturschutzbund unterhalb des Bernser Klärwerks die Weiden schneitelt, hat er sich auf den Weg von Schoholtensen gemacht. Dort, im östlichen Teil der Gemeinde, ist er mehrfach die Woche unterwegs, kennt mittlerweile jeden Weg und Steg und hat rund 100 Vogelarten dort katalogisiert. Schoholtensen gefällt ihm, weil sich dort sehr viele verschiedene Lebensräume finden: "Hecken, Ackerland, Obstbäume und der nahe Bückeberg - alles vorhanden." Was dort alles so fliegt, wird Marc Jameson am Freitag, 23. Februar, im Gasthaus "Zur Linde" nach der um 20 Uhr stattfindenden Jahresversammlung in einemDia-Vortrag zeigen. "Gefiederte Freunde rund um Schoholtensen", schmunzelt Jameson, der sogar Bilder von einem dort lebenden Schwarzstorch hat. Der habe sich dort schon vor einigen Jahren angesiedelt, erzählt Jameson beim Aue-Spaziergang. Gezeigt werden aber auch viele, viele Gartenbewohner: die Schwarzdrossel, verschiedene Meisenarten, Sperlinge und Seidenschwärmer. Außerdem wird er sich der Gelbbauchunke widmen, die im Bückeberg eine neue Heimat gefunden hat. Diese Gelbbauch unken, so erzählt Jameson in Höhe des alten Wehrs, "die hat es auch hier in der Aue gegeben, bis der Mensch sie vertrieben hat." Die Begradigung der Flüsse mit einer immer schnelleren Fließgeschwindigkeit hat die Gelbbauchunke nach einem neuen Platz suchen lassen. In der Aue leben sie nicht mehr, erzählt der Schoholtenser: Im letzten Jahr hätten hier die beiden Nabu-Experten Holger Buschmann und Bruno Scheel an der Aue nach Spuren der Tiere gesucht, aber nichts gefunden. Generell wäre es besser für die Tierwelt, wenn die Fließgeschwindigkeit der Aue niedriger wäre. Dafür haben andere Tiere entlang der Aue eine Heimat gefunden. Die Gebirgsstelze etwa, die Jameson gleich mehrfach sichtet. Auffällig genug ist sie ja: gelbe Brust, und ein langer, schwarzer Schwanz, mit dem der Vogel steuert, sind schnell identifiziert. Und auch den Eisvogel, so beteuert Jameson, den hat er hier unten schon gesehen. Mit bloßem Auge auch für Naturlaien ist dagegen der "Star" zu erkennen: der Turmfalke, der gerade zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Es ist eine dankbare Wahl für die Nabu-Aktivisten, denn er lässt sich gut beobachten und der Öffentlichkeit vorführen. Und man muss kein Vogelkundler sein, um auf ihn aufmerksam zu werden: Über dem Feld "rüttelt" der schlanke Vogel am Himmel - mit raschem Flügelschlag und breit gefächertem Schwanz steht er punktgenau in der Luft - der Rüttelflug ist sein Markenzeichen. Im nächsten Monat, so erzählt Marc Jameson, wird er in Schoholtensen eine Führung anbieten und aus dem Leben der Turmfalken erzählen. Im Frühjahr lässt sich der "Mauer-Mäuse-Rüttelfalke" (Eugen Roth) am besten beobachten, weil die Balz beginnt. Hat sich ein Pärchen gefunden, wird ein Nest gesucht: Am liebsten über einer Felskante, in einem Kasten für Schleiereulen oder in einem Krähennest. "Turmfalken bauen keine Nester", erklärt Jameson. Auf dem Rückweg zum Bernser Klärwerk sehen wir wieder die Wasseramsel. Sie sitzt auf einem Stein am Wasserufer und putzt sich. Weiß glänzt ihre Brust.

Die Aue ist in diesen Tagen ein wilder, wuchtiger Fluss. Nur dor
  • Die Aue ist in diesen Tagen ein wilder, wuchtiger Fluss. Nur dort, wo sich dieÄste gesammelt haben, die "Kyrill" von den Bäumen gefegt hat, ist die Fließgeschwindigkeit ein bisschen niedriger. Fotos: rnk

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